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Kultur

Alzheimer ist wie Honig im Kopf: "Dieser Film berührt und klärt auf"

Von Claudia Riedler   02. Januar 2015 00:04 Uhr

Alzheimer ist wie Honig im Kopf: "Dieser Film berührt und klärt auf"
Demenz-Patient Dieter Hallervorden und seine Film-Enkelin Emma Schweiger

"Honig im Kopf" heißt der neueste Film von Til Schweiger. Er läuft derzeit in den Kinos und behandelt das Thema Alzheimer. Die OÖN interviewten dazu die Geschäftsführerin der Alzheimerhilfe, Edith Span.

 Der Inhalt in Kürze: Opa Amandus (Dieter Hallervorden) erkrankt an Alzheimer, er soll ins Seniorenheim. Doch seine Enkelin Tilda ( Emma Schweiger) lässt das nicht zu und entführt ihn nach Venedig, das er so gerne noch einmal sehen möchte.

"Dieser Film berührt und klärt auf", sagt Edith Span, Geschäftsführerin der MAS Alzheimerhilfe mit Sitz in Bad Ischl. Sie war als "Special Guest" bei der Premiere dabei. Mit den OÖNachrichten sprach sie über die gesellschaftliche Wirkung dieses Films und über die Bedürfnisse von Alzheimer-Patienten und ihren Familien.

 

OÖN: Wie hat Ihnen der Film "Honig im Kopf" gefallen?

Span: Er ist berührend und lustig zugleich. Er ist einfacher gestrickt als andere Filme über Demenz zuvor, und das macht das Thema besonders verständlich. Der Zugang der Enkelin spielt eine wichtige Rolle – von dieser Sicht eines Kindes können auch Erwachsene sehr viel lernen.

Was bringt ein Film wie dieser für die Alzheimerhilfe?

Sehr viel. Unseren Verein gibt es seit 1997 und unser wichtigstes Ziel derzeit lautet: Enttabuisieren. Dabei kann ein Film wie dieser helfen. Er bringt das Thema Alzheimer auf einer anderen Ebene, nicht so wissenschaftlich. Da versteht jeder, worum es geht.

Warum ist das so wichtig?

Weil das Thema Demenz und Alzheimer alle angeht. Jeder kennt jemanden, der erkrankt ist. Sei es in der eigenen Familie oder im Bekanntenkreis. Es gibt keine genauen Zahlen, aber man geht von etwa 130.000 Erkrankten in Österreich aus.

Sie kennen die Realität von Alzheimer-Patienten. Wie nahe kommt dieser Film?

Es ist ein Til-Schweiger-Film mit Action. Das ist aber wichtig, um ein Publikum zu erreichen, das sich sonst nicht mit dem Thema auseinandersetzt. Der Film zeigt außerdem schön, wie die Umgebung mit Alzheimer-Patienten umgeht und dass sich einfach das Umfeld anpassen muss. Das ist so etwas wie eine Idealwelt. Bei einer Szene im Lokal beispielsweise benimmt sich der Opa daneben, ein Gast fühlt sich gestört –und letztendlich muss er das Lokal verlassen.

Ihr Fazit also?

Wissen hilft. Deshalb ist auch der Ausbildungsbereich so wichtig (siehe Kasten). Die Gesellschaft muss ihre Ängstlichkeit abbauen. Wir müssen lernen, normal mit Alzheimer-Erkrankten umzugehen. Genauso wie es bei den Menschen mit Behinderung gelungen ist. Nicht wegschauen, sondern auf die Leute zugehen und sich informieren.

Was belastet die Angehörigen von Demenz-Patienten?

Die fehlenden sozialen Kontakte. Meist bricht der Freundeskreis weg, viele stehen alleine da und sind ganz auf sich gestellt. Ohne Auszeiten kann man aber die Betreuung nicht schaffen.

Und was macht den Patienten selbst zu schaffen?

Das sieht man im Film sehr schön: Betroffene leiden, wenn sie selber spüren, dass etwas wegbricht. Jeder reagiert darauf anders: Manche werden aggressiv und böse, andere ziehen sich zurück. Jedenfalls machen wir die Erfahrung, dass nicht nur die Angehörigen, sondern immer mehr Patienten selbst zu uns kommen und Hilfe suchen. Sie beschreiben ihren Zustand als "anderes Vergessen" oder wie im Film: "als hätte man Honig im Kopf".

Was wäre der richtige Umgang mit dem beginnenden Vergessen?

Ein intensives Training von Anfang an. Mit einem Test versuchen wir Defizite und gleichzeitig die Fähigkeiten herauszufinden. Diese Fähigkeiten muss man fördern. Heilen kann man Alzheimer nicht, aber man kann die ersten Stadien der Krankheit verlängern. International ist der Trend, psychosozialen Fähigkeiten mit Hilfe von Trainings lange zu erhalten. Dadurch können die Menschen so lange wie möglich zu Hause leben. Die Angehörigen bereiten wir gut vor.

MAS Alzheimerhilfe

Verein: Die MAS Alzheimerhilfe in Bad Ischl betreibt sechs Demenz-Service-Stellen in ganz Oberösterreich. Hier gibt es Beratung und Training für Betroffene und Angehörige. Auch MAS-Trainer werden ausgebildet.

Unterstützung: Mit einer Jahreskarte um 35 Euro (inklusive Gutscheinheft und Gewinnspiel-Teilnahme) kann man den Verein unterstützen.
Projekt: Die Polizei hat viel mit Demenz-Patienten zu tun, wenn es um deren Suche, verwahrloste Personen oder kleine Ladendiebstähle geht. Die Alzheimerhilfe möchte deshalb ein Projekt starten, bei dem die Polizei österreichweit (via Intranet) geschult wird. Das könnte Konflikte vermeiden helfen. Noch fehlt aber ein Drittel der Finanzierung.

Infos: www.alzheimerhilfe.at

 

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