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"The Wrestler": Ein Untergang als Relikt in grellgrünen Leggins

Ein Untergang als Relikt in grellgrünen Leggins

Ein Leben für den Kampf und ein Leben als Kampf: Mickey Rourke ist Randy „The Ram“. Bild: filmladen

„The Wrestler“ (USA 2008, 115 Min.) Regie: Darren Aronofsky (Moviemento OmU, Cineplexx, Megaplex)

OÖN Bewertung:

Alte Zeitungsausschnitte geben Zeugnis: Randy „The Ram“ war ein ganz Großer, ein umjubelter Wrestler, seine Kämpfe gegen „The Ayatollah“ legendär.

20 Jahre sind seit dem Karrierehöhepunkt des Muskelpaketes mit dem blonden, strähnigen Haar in den 80er Jahren vergangen. Der Randy, den wir treffen, ist ein Relikt in grellgrünen Leggins, hustet sich nach Auftritten in Schul-Turnhallen die Seele aus dem Leib, haust in einem Wohnwagen und würde seinen alten Erfolgen schneller hinterherjagen, wenn sich nicht Herz und Rücken schon so heftig wehren würden.

„The Wrestler“ ist kein Film über einen Sportler, der sich gegen Widerstände nach oben kämpft – sondern über einen, der verzweifelt versucht, auf dem Weg nach unten noch einmal die Richtung zu ändern.

Zwischen Ruhm in schlechter Auflösung in einem alten Nintendo-Spiel, in dem Randy die gepixelte Hauptrolle spielt, und „vernünftigem Geldverdienen“ als Wurstverkäufer hinter der Supermarkt-Theke, zwischen den Versuchen, die Beziehung zur Stripperin Cassidy (Marisa Tomei) zu vertiefen und die zu seiner Tochter (Evan Rachel Wood) erst einmal aufzubauen – der Kampf, die Kunstfigur und damit auch die Person dahinter zu erfolgreicherem Leben zu erwecken, muss scheitern.

Fanartikelverkauf im Gemeindezentrum, Achselrasur und Medikamentenmissbrauch – Darren Aronofsky taucht in das Milieu des White Trash und der Wrestling-Subkultur ein und holt eine Geschichte hervor, die hinter aller im Ring zu Markte getragener Härte zutiefst menschlich berührt. Es ist der Film des Mickey Rourke, der Randy „The Ram“ und dem Film sein gezeichnetes Gesicht und seinen vernarbten Körper zur Verfügung stellt – und, um diese Intensität seiner Darstellung zu erreichen, sein bisheriges Leben in die Waagschale wirft.

Seine großartige Leistung und seine Leidensfähigkeit brachten ihm nicht nur einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung, sondern auch das Comeback des Jahres ein.

Die Richtung, in die der Film geht, mag so absehbar sein wie der Ausgang eines Wrestling-Kampfs. Das Zusehen ist aber ungleich lohnender und faszinierender.

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Artikel Von Julia Evers 26. Februar 2009 - 00:04 Uhr
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