Tierisch beste Freunde

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Sandra Wöss Bild: privat

"Tiere sind für Menschen die besten Therapeuten"

Aus Sicht der Psychologin Sandra Wöss sollte jedes Kind mit einem Haustier aufwachsen. Ob Katze, Hund oder Hamster – Tiere entschleunigen unseren Alltag.

Von Ulrike Griessl, 20. Oktober 2018 - 00:05 Uhr

Haustiere machen nicht nur Freude, sie kosten auch Zeit, Mühe und Geld. Doch all das nehmen viele Österreicher offenbar gern auf sich. Denn in 30 Prozent der heimischen Haushalten gibt es animalische Mitbewohner – angefangen von Hunden und Katzen über diverse Nager bis hin zu Vögeln, Echsen und Schlangen.

Aber was macht die Faszination von Haustieren aus? Antworten auf diese Frage hat die Leondinger Psychologin und Psychotherapeutin Sandra Wöss. Sie hat selbst mehrere Haustiere und setzt diese auch beruflich ein, um ihren Klienten zu helfen.

OÖN: Warum umgeben sich Menschen so gern mit Tieren?

Sandra Wöss: Weil uns Tiere vor Vereinsamung schützen und sie zudem die Gabe haben, unser Leben zu entschleunigen. Letzteres beweisen viele Studien. So zeigten etwa Untersuchungen an Schulen, dass durch die Anwesenheit eines Hundes hyperaktive Kinder ruhiger wurden, die Aggressivität unter den Schülern sank und Schüchterne mehr aus sich herausgehen konnten. Leider wird es wegen der immer strenger werdenden Bestimmungen zusehends schwieriger, Tiere in Schulen oder Kindergärten einzusetzen.

Teilen Sie die Ansicht des Verhaltensbiologen Kurt Kotrschal, dass Kinder, die mit Tieren aufwachsen, empathischere und klügere Erwachsene werden?

Das kann ich absolut bestätigen. Durch das Zusammenleben mit Tieren lernen Kinder, dass man auf die Bedürfnisse anderer Rücksicht nehmen muss, damit sie überleben. Das macht sie zum einen empathisch, zum anderen aber auch intelligenter, weil sie durch die Pflege ihres Tieres früher ein breiteres Verhaltensspektrum ausbilden als Kinder ohne Hund, Katze oder Kaninchen. Bedauerlicherweise wachsen heute vor allem Stadtkinder oft völlig ohne Kontakt zu Tieren auf und haben daher keine Ahnung, wie man sich ihnen gegenüber richtig verhält.

Wie kommt es, dass manche Menschen lieber Reptilien halten, zu denen man kaum einen Bezug herstellen kann?

Jeder sucht sich das Tier aus, das am besten zu seinem eigenen Wesen passt. So halten etwa Menschen, die Bindungsängste haben, eher Reptilien, die sie zwar versorgen müssen, die aber sozial nichts von ihnen einfordern. Menschen, die sich soziale Nähe wünschen, nehmen sich lieber einen Hund.

Der Spruch "Wie der Herr, so ’s G’scherr" trifft also für alle Tierbesitzer zu?

Ja, absolut, oft trifft das nicht nur auf das Wesen von Halter und Tier zu, sondern auch auf die Optik.

Wäre eine Welt ohne Haustiere eine schlechtere?

Ohne Haustiere würde auf der Welt etwas fehlen, genauso, wie wenn es keinen Wald mehr gäbe, sondern nur noch Straßen. Haustiere verhelfen ihren Besitzern zu mehr Ausgeglichenheit und entschleunigen uns in dieser schnelllebigen Zeit. Ohne Tiere gäbe es in unserer Welt wahrscheinlich mehr Gewalt und Aggression.

Zur Person

Sandra Wöss (45) ist klinische Psychologin und Psychotherapeutin in Leonding. Die bald dreifache Mutter hat einen Jack Russel Terrier, einen Kater und zwei Griechische Landschildkröten. Alle Tiere setzt Wöss bei der Behandlung ihrer Klienten ein. In ihrer Freizeit reitet die Leondingerin unter anderem gern.



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Lösungen für Probleme mit Hund, Katze und Hamster

Was tun, wenn die Katze ihr Geschäft am falschen Ort verrichtet, der Hund nicht alleine bleiben will oder der Hamster kränkelt? Die OÖN-Tier-Expertinnen beantworten Leserfragen zum Thema Haustiere. Fragen an: leben@nachrichten.at, Betreff: Tierserie

Ulrike Griessl, OÖN-Hundepsychologin

Als Welpen sind Hunde einfach nur niedlich, am liebsten würde man sie ständig knuddeln. Doch so lieb die kleinen Pelzknäuel auch sind, sie müssen von klein auf lernern, sich an das Leben mit ihren Menschen zu gewöhnen, sich unterzuordnen und zu gehorchen. Wer zu spät beginnt, seinen Hund zu erziehen, wird später Probleme mit ihm bekommen. Fragen zur Erziehung und zu Verhaltensproblemen beantwortet die diplomierte Hundepsychologin Ulrike Griessl.

Birgit Seitlinger, Tierärztin in Alkoven

Seit fast 20 Jahren arbeitet sie als Tierärztin, derzeit in einer Kleintierpraxis in Alkoven. Hier hat sie es häufig mit Katzen und Hunden zu tun, aber auch mit Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und Schildkröten. Meist viel größer sind ihre „Patienten“ im Zoo Linz, wo sie ebenfalls als Tierärztin arbeitet. Zu Hause kümmert sie sich um ihre Jagdhündin Zilli (Bild). Für die OÖN-Tierfreunde wird sie alle tierischen Gesundheitsfragen beantworten.

Daniela Eglseder, Katzenverhaltens-Expertin

Die ausgebildete Katzenverhaltensberaterin aus Ampflwang ist selbst begeisterte Besitzerin von fünf Katzen und hat sich auf jene Haustiere spezialisiert, die die Österreicher am allerliebsten haben. Ihre Spezialgebiete: Unsauberkeit, Aggression und Katzenzusammenführung. Die 41-jährige gelernte Sozialpädagogin weiß aus Erfahrung: „Katzen kann man sehr wohl erziehen. Und: Sie brauchen viele Streicheleinheiten!“

 

3,2 Millionen Haustiere in Österreich

Am häufigsten werden hierzulande Katzen und Hunde gehalten, weit abgeschlagen folgen Kleinsäuger und Nagetiere sowie Fische, Vögel und Reptilien.

Ein Haustier zu nehmen, sollte wohl überlegt sein. Denn jedes Lebewesen, das in die Familie aufgenommen wird, bedeutet zusätzlichen Aufwand. Es benötigt Zeit, Energie und verursacht Kosten, die vor allem im Krankheitsfall des Tieres beträchtlich ausfallen können. Doch Tierliebhaber scheuen weder Kosten noch Mühen für ihre Schützlinge, und so tummeln sich in Österreichs Haushalten etwa 3,2 Millionen Tiere.

Samtpfoten begeistern

Das am häufigsten gehaltene Haustier war 2017 die Katze. 16 Prozent aller Österreicher hielten eine oder mehrere Samtpfoten. Rang zwei im Haustier-Ranking belegten die Hunde (13 Prozent). Weit abgeschlagen folgten Nagetiere und Kleinsäuger (vier Prozent) sowie Fische (zwei Prozent), Reptilien, Vögel und Pferde (je ein Prozent).

Neue Tierserie startet morgen
Kinder genießen tierische Hausgenossen – egal ob Hund oder Katze.  
Bild: Colourbox

Anders ging das Hunde/Katzen-Ranking bei einer Umfrage unter allen Österreichern aus. Auf die Frage, ob sie sich eher als Hunde- oder als Katzentyp sehen würden, antworteten 35 Prozent, dass sie sich Hunden näher fühlen würden. 32 Prozent fanden, dass eine Katze das bessere Haustier für sie wäre. Weitere 28 Prozent behaupteten, beide Tierarten gleichermaßen zu mögen, und fünf Prozent antworteten, dass sie weder Hund noch Katze mögen würden.

Unter den Katzenbesitzern in Österreich fanden sich 2017 deutlich mehr Frauen als Männer. 21 Prozent aller Frauen im Land lebten mit einer Samtpfote zusammen, bei den Männern waren es lediglich elf Prozent. Ausgeglichen war das Geschlechterverhältnis im Vorjahr bei den Hundebesitzern: Jeweils 13 Prozent der Österreicherinnen und der Österreicher hielten bellende Hausgenossen.

Kosten nicht unterschätzen

Wer sich ein Haustier nimmt, muss naturgemäß mit höheren Haushaltsausgaben rechnen. Die Streu für eine Hauskatze schlägt beispielsweise pro Jahr mit durchschnittlich 72 Euro zu Buche, der Tierarzt mit 60 Euro und die Futterkosten mit etwa 400 Euro pro Jahr. Für einen kleinen Hund (fünf Kilo) muss man mit Jahresausgaben von mindestens 230 Euro rechnen, für einen mittleren Hund (etwa zwölf Kilo) 380 Euro und für einen großen Hund etwa 720 Euro. Je nach Wahl des Futters und der Zahl der Tierarztbesuche können diese Kosten natürlich auch bei Weitem höher ausfallen.

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare

„Absolut richtig. Ich bin selbst mit vielen Tieren aufgewachsen und uns war immer wichtig auch ...“ meierswivel Absolut richtig. Ich bin selbst mit viel...
„europa04 bräuchte auch so einen tierischen Therapeuten.“ nala2 europa04 bräuchte auch so einen tierisch...
„wichtig ist auch, dass Kinder und Jugendliche lernen Verantwortung zu übernehmen. “ ohnooo wichtig ist auch, dass Kinder und Jugend...

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