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Vier Frauen und ein Glücksfall

Das Gasthaus Haderer in Lembach vereint gute Bio-Küche mit handwerklicher Präzision

Vier Frauen und ein Glücksfall

Saibling mit Ackergemüse. Bild:

Bäcker, Leinenhändler, Tankstelle oder Wirtshaus. Das Leben des denkmalgeschützten Hauses in Lembach im Mühlkreis ist so bunt wie die Fassade. Die ersten Aufzeichnungen datieren bis ins Jahr 1700. Noch heute ist das Wirtshaus wunderschön erhalten. Beseelt wird es von Margot Haderer und ihren drei engagierten Mitarbeiterinnen. Alles Quereinsteigerinnen, aber alle mit viel Gespür und handwerklichem Geschick gesegnet.

Seit sieben Jahren ist das Gasthaus biozertifiziert, die Philosophie wird von Frau Haderer schon viel länger gelebt und mit Verve und Idealismus umgesetzt. Es menschelt im Wirtshaus. Viele Stammgäste genießen die gebotene Qualität. Einzig die Kapazität des Wirtshauses stößt mittlerweile an ihre Grenzen. Ein größerer Ansturm ist kaum bewältigbar und Frau Haderer, die den Landwirten und Verarbeitern eine Bühne bieten möchte, zeigt sich besorgt: "Wir schaffen leider nicht mehr und können bei mehr Gästen nicht weiter so arbeiten, wie wir es gerne möchten." Das hehre Qualitätsverständnis zeugt von intensivem Austausch mit der Materie und schwingt wie ein Mantra durch die Gaststube.

Das Lokal ist voll, den Gerichten merkt man den Stress in der Küche keineswegs an. Im Gegenteil. Mit Liebe und Sorgfalt werden winterliche Speisen präsentiert und vermitteln ein Gefühl der Geborgenheit. Zudem überkommt einen der Eindruck, dass man sich bei der Zusammenstellung der Karte etwas gedacht hat. Sei es beim winterlichen Bittersalat mit Heumilch-Spänen und feinen Carpaccio-Scheiben vom Zebu-Zwergrind (11,50 Euro). Erfrischend, ausgewogen mariniert – ein perfekter Einstieg. Oder bei den gebackenen Mühlviertler Ravioli (9,80 Euro) aus Erdäpfelteig, gefüllt mit Grammeln – zart schmelzend der ausgelassene Schweinespeck, die Panier sehr gut.

Das Wintermenü (23,90 Euro) beinhaltet drei Gänge und ist eine Reminiszenz an die kalte Jahreszeit. Lauchgemüse wird gedämpft und frittiert mit Ziegenfrischkäse und Haselnüssen serviert. Harmonisch und fein. Der Porree ist weder gatschig noch scharf, sondern beeindruckt mit Biss. Das gebratene Saiblingsfilet glänzt schön glasig. Das dazu kombinierte Ackergemüse zeigt sich knackig und ist mit Fenchel- und Koriandersamen perfekt abgeschmeckt. Der innen in einem schönen Kurkuma-Gelb glänzende Polentaknödel wird als geschmackliche und optische Zugabe gewertet. Wunderbar. Beim Mohn-Topfenkuchen überkommt einen das schlechte Gewissen. Soll man über das Wirtshaus schreiben, oder akzeptiert man die Sorgen der Wirtin?

******

OÖN-Wertung: 5 von 6 Kochlöffeln
(sechs Kochlöffel = sehr gut, null Kochlöffel = enttäuschend) 

Kontakt zum Autor:  p.braun@nachrichten.at

Gasthaus Haderer
Kategorie: Wirtshaus
Marktplatz 12, 4132 Lembach im Mühlkreis
Telefon: 07286/8237
Ruhetag: Dienstag, Mittwoch
keine Homepage
Telefonische Reservierung ist erforderlich

 

 

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Artikel Philipp Braun 23. Februar 2018 - 00:04 Uhr
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