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Heiße Wende. Das Essen von morgen

Mit Freude am Genuss einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Bild: T. Mesic

Heiße Wende. Das Essen von morgen

Stellen Sie sich vor, es tobt ein Hurrikan, und niemand ist daran interessiert. Ein Bericht über Essen und globale Auswirkungen.

06. Oktober 2018 - 00:04 Uhr

Marilù Monte aus Palermo ist an sich ein lebenslustiger Mensch. Immer hat sie ein freundliches Lächeln auf den Lippen, ist hilfsbereit und naturverbunden. Kommt jedoch die Sprache vom Klimawandel aufs Tapet, wird ihre Miene ernst; ihre Stirn legt sich in Sorgenfalten. Die Agrarwissenschafterin betreibt neben der Arbeit auf der Universität auch eine kleine Landwirtschaft mit Steinobst. "Susine bianche", kleine hellorange und süße Pflaumen, die nur noch in der Region von Monreale angebaut werden und zwischen Juli und September geerntet werden. Danach trocknet man sie, oder verarbeitet sie zu Marmelade.

Aber die Ernten werden magerer. "In den vergangenen Jahren kämpften wir im Frühling mit Frost und im Sommer während der Erntezeit mit starken Regenfällen. Das ist unüblich für Sizilien und für unsere Pflaumen katastrophal", erklärte Monte. Die Agrarwissenschafterin macht den Klimawandel dafür verantwortlich. Sie ist nicht die einzige, die mit den veränderten Bedingungen zurecht kommen muss.

Heiße Wende. Das Essen von morgen
Essen, was man erhalten möchte.  
Bild: T. Mesic

Kein lokales Problem

Nahezu alle Bauern, die ständig mit der Natur zusammenarbeiten, spüren die Folgen des Klimawandels zuerst und am stärksten. Klimawandel ist auch kein sizilianisches Problem, sondern zeigt sich konstant in Katastrophen weltweit. Dürren, Extremwettereignisse, Taifune entziehen der Landwirtschaft die Sicherheit. Zusätzlich zu anderen Problemen, wie Landgrabbing oder ökonomischen Fehlentwicklungen, die international unterschiedlich gewichtet sind.

Klimawandel ist nicht zu leugnen und auch nichts Ungewöhnliches mehr. Er passiert jeden Tag, wird alltäglich und überwindet jeden Gartenzaun. "Es ist die größte Herausforderung, der die Menschheit je gegenüberstand", sagte der indische Schriftsteller Amitav Ghosh während der Konferenz "Terra Madre Salone del Gusto 2018", die kürzlich in Turin stattgefunden hat. 7000 Delegierte aus 150 Ländern bekräftigten ihr Engagement und starteten eine Sensibilisierungskampagne, um Menschen über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Klimawandel aufzuklären.

Heiße Wende. Das Essen von morgen
Oder einfach nur roh genießen.  
Bild: T. Mesic

"Das Wichtigste ist, darüber zu sprechen. Wir sind gewohnt, alles zu unterdrücken und haben Angst vor der langsamen Gewalt, die lähmt und ohnmächtig macht. Wir können es uns nicht leisten, nichts zu tun. Mit den Worten der Wissenschaft ist es schwierig, die Herzen der Leute zu erreichen", sagte Gosh, der mit dem Buch "Die große Verblendung. Der Klimawandel als das Undenkbare" Mauern der oft unverständlichen wissenschaftlichen Sprache überwindet.

Gosh nahm aber auch die Sprache der indischen Presse ins Kreuzfeuer, die gleich gar nichts sage, Klimakatastrophen ignoriere und schweige. Doch nur zu reden werde zu wenig sein. Aktionen seien gefragt. "Die Entscheidung zwischen Fast Food und Slow Food ist unsere Wahl. Eine Wahl zwischen Ethik und Nachhaltigkeit", betonte der EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Vytenis Andriukatis bei der Konferenz.

Für Marilù Monte und ihre Pflaumen könnte ein Umdenken zu spät kommen. Auch wenn Francesca Baldereschi, Biodiversitätskoordinatorin von Slow Food eine alternative Sichtweise forderte: "Wir müssen unsere Lebensmittelvielfalt fördern und auch essen. Ansonsten werden wir von unserem Planeten verspeist. Der Kampf gegen Klimawandel beginnt beim Schutz von jedem Gemüse, Obst und jeder Tierrasse."

Heiße Wende. Das Essen von morgen
Die Zukunft des Essens betont die Vielfalt, die man zu herrlichen Speisen veredelt .  
Bild: T. Mesic

Einfach umzusetzen

Klimawandel betrifft alle. Zuerst jedoch Bauern, Fischer, Lebensmittelhandwerker und Köche, die unmittelbar mit der Natur zu tun haben. Die Verwendung von ökologisch produzierten, lokalen, saisonalen und vielfältigen Lebensmitteln, die Abkehr von industriell erzeugtem Fleisch und die gleichzeitige vegetarische Betonung des Speiseplans werden helfen, den Fußabdruck zu verringern. www.slowfood.com

 

 

Heiße Wende. Das Essen von morgen
Teilnehmer der Konferenz „Terra Madre Salone del Gusto 2018“ in Turin

 

Von links oben nach rechts unten:

Kemal Hassen, Imker, Äthiopien Aufgrund der fehlenden Infrastruktur und Distanz zu Städten ist es schwierig, Honig und Kaffee zu verkaufen.

Mary Madalo Harawa, Lehrerin und Bäuerin, Malawi Die Regenzeiten haben sich geändert. Erschwerend kommen große Rodungen hinzu.

Sokolnicka Vilbon, Projektkoordinatorin, Haiti Wir haben eine Schieflage von zu viel Import und leiden noch unter dem Erdbeben von 2010.

Sara el Sayed, Doktorant, USA (Arizona) Das industrielle System stößt in den USA an seine Grenzen. Die Gegenbewegung wird immer stärker.

Orsaná Nascimento, Kakaobauer, Brasilien Durch den Klimawandel erleben wir einen signifikanten Produktionsrückgang beim Kakao.

Farid Taamallah, Journalist, Palästina Wir verlieren aufgrund der Siedlungspolitik immer mehr fruchtbares Land. Wasser ist ungerecht verteilt.

Anton Kalenik, Koch, Weißrussland Für uns sind die klimatischen Auswirkungen positiv. Früchte wie Erdbeeren sind einen Monat früher reif.

Antonio Bianculli, Fleischhauer, Italien Meine Oma erzählt mir, dass sie diese ständigen Wechsel von Dürre, Regen, Hagel noch nie erlebt hat.

Dulce Chan Cab, Bäuerin, Mexiko Seit einigen Jahren merken wir Wetteränderungen und haben Probleme mit Feuchtigkeit und Pilzen.

Daisuke Sato, Beamter Agrardepartment, Japan Die Häufigkeit und auch die Intensität von Taifunen nimmt bei uns stark zu.

Trinidad Carlos, Beamtin, Philippinen Taifune werden stärker, desaströser und fordern Menschenleben. Auch die Landwirtschaft leidet.

R. L. Henriquez, Journalist, Holland Die Watt-Austern werden mit traditionellem Werkzeug gefischt und sind ein Beitrag zur Ökologisierung.

Francesca Baldereschi, Agraökologin, Italien Landgrabbing und der Anbau von Zuckerrohr entziehen den äthiopischen Bauern die Grundlagen.

Marilù Monte, Agrarwissenschafterin, Italien Das Wetter in Sizilien hat sich geändert. Im Frühjahr haben wir Frost, in der Erntezeit zu viel Regen.

 

 

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