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Die große Kunst der Feigenzucht

Die Sorte Black Mission ist besonders süß Bild: Ulmer

Die große Kunst der Feigenzucht

Christoph Seiler hat sich vor mehr als zehn Jahren der Feigenzucht verschrieben. Der Gärtner verrät unter anderem, welche Sorten der uralten Kulturpflanze bei uns gedeihen.

Von Ulrike Griessl, 24. August 2017 - 00:04 Uhr

Ihr süßlicher Duft erinnert an Urlaub im sonnigen Süden. Ihr reifes Fruchtfleisch ist so weich, dass es am Gaumen nahezu schmilzt. Kein Wunder, dass die Feige seit der Antike als Symbol für Sinnlichkeit und Genuss gilt und von Feinschmeckern deshalb schon immer geschätzt wurde. "Die gute Nachricht ist, dass es auch Sorten gibt, die in Mitteleuropa gut gedeihen", sagt Christoph Seiler. Der Gärtner betreibt in Baden-Württemberg eine Feigenbaumschule und kennt alle Geheimnisse dieser uralten Kulturpflanze. Einige hat er im Interview verraten.
 

OÖNachrichten: Herr Seiler, wie wurden Sie zum Feigenfan?

Christoph Seiler: Die Faszination, dass Feigen die wohl ältesten Kulturpflanzen der Menschheit sind und die damit verbundene Sortenvielfalt waren für mich Grund genug, mich dieser Frucht zu verschreiben. Das günstige Klima der Region, in der ich lebe, ist natürlich von großem Vorteil. Die oberrheinische Tiefebene hat die mildesten Winter in ganz Mitteleuropa.

Wo kommen Feigen ursprünglich her?

Die ältesten Kulturfeigen, lateinisch Ficus carica genannt, wurden unweit von Jericho entdeckt und dort bereits vor über 11.000 Jahren von Jungsteinzeitmenschen angebaut. Die natürliche Verbreitung erstreckt sich von Kleinasien, Nordafrika bis in die tropischen Regionen Südasiens hinein.

Fühlt sich die Feige durch die zunehmende Hitze in Mitteleuropa auch bei uns immer wohler?

Ja klar, je wärmer es wird, desto eher ist mit einer reichen Ernte zu rechnen. Jedoch wurden auch schon vor Jahrhunderten in Mitteleuropa Feigen angebaut. Es waren wohl längere Kälteperioden, die dieser Tradition stoppten.

Im Süden wachsen Feigen sogar aus Felsen. Wie viel Wasser braucht diese Pflanze bei uns?

Sämlinge, die aus Felsen wachsen, bilden von Anfang an ein völlig anderes Wurzelwerk wie Topf- oder Gartenkulturen bei uns. Eine regelmäßige Wasserversorgung während der heißen Tage muss bei uns gewährleistet sein. Feigen reagieren bei Trockenheit schnell mit Blatt- und Fruchtabwurf.

In welchen Regionen ist es sinnlos, Feigen anzubauen?

Wo es im Winter längere Zeit unter minus 15 Grad kalt wird, sollte man auf die Freilandkultur verzichten. Alternativ gibt es Sorten für Pflanzkübel. Doree wäre da eine gute Wahl.

Wie gut wachsen Feigen im Topf?

Es gibt Sorten, die bleiben kleiner wie etwa Doree. Für eine gute Ausbildung der Früchte muss die Pflanze genügend nährstoffreiches Substrat haben. Ähnlich wie beim Oleander kann man bei Feigen alle zwei Jahre nach der Winterruhe die alte Pflanzerde austauschen und dabei wenigstens ein Drittel der Wurzeln einkürzen.

Welche Sorten sind aus Ihrer Sicht bei uns empfehlenswert ?

Brown turkey, Madeleine des deux Saisons, Ronde de Bordeaux, Doree, Martinsfeige und Dalmatie sind Sorten, die eine lange Tradition in Mitteleuropa haben. Man sollte auf jeden Fall eine sogenannte Bifera-Sorte wählen, die für gewöhnlich zwei Ernten je Saison bringt. Fällt der Sommer nicht so gut aus, ist dann wenigstens mit einer Ernte zu rechnen.

Was kann man bei der Pflege der Feige falsch machen?

Sehr viel! Die häufigsten Fehler sind Überdüngung mit zu viel Stickstoff, dann werden die Früchte immer weniger. Durch Staunässe entsteht Wurzelfäule, und die Pflanze friert im Winter schneller. Das Substrat muss daher durchlässig sein oder man verwendet einen Kübel ohne Unterteller. Wenn man im Herbst bis auf das alte Holz zurückschneidet, bekommt man im nächsten Jahr kaum Früchte.

Buchtipp: "Feigen aus dem eigenen Garten" von Christoph Seiler, Ulmer-Verlag, 15,40 Euro

Lasagne aus Feigen und Ziegenkäse

Zutaten: 4 Eier, eine Rolle Ziegenfrischkäse (ca. 150 g), 2-3 EL Samenkörner, 2 EL Ahornsirup, 10 Blätter Echte Pfefferminze, 1 Teelöffel Honig

Zubereitung: Backofen auf 120 Grad Celsius vorheizen. Die Feigen horizontal in drei bis vier Schieben schneiden und auf ein mit Papier ausgelegtes Backblech legen. Ziegenfrischkäserolle in 8 bis 10 mm dicke Scheiben schneiden – auch auf dem Backblech verteilen und für fünf bis zehn Minuten erhitzen. Sesamkörner anrösten und mit Ahornsirup karamellisieren. Minzeblätter fein schneiden. Warme Feigen und Frischkäse gemeinsam mit der Minze und dem Sesam abwechselnd aufeinanderschichten. Alles noch einmal kurz ins Backrohr geben. Vor dem Servieren mit Honig beträufeln.

 

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