Landtagswahl 2015

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"Ich bin kein Rebell, das liegt mir nicht so"

Bild: Alexander Schwarzl

Haimbuchner: "Ich bin kein Rebell, das liegt mir nicht so"

Mit guten Umfragedaten fällt der Wahlkampf gleich viel leichter, Platz zwei scheint für die FPÖ fix. Entsprechend zuversichtlich präsentierte sich der blaue Spitzenkandidat Manfred Haimbuchner beim Sommerinterview mit Politik-Chef Wolfgang Braun.

Von Wolfgang Braun, 29. August 2015 - 00:05 Uhr
Oberösterreich wählt
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Wir treffen FP-Spitzenkandidat Landesrat Manfred Haimbuchner in seinem Büro in der Linzer Altstadt. Es ist Mittwoch, noch sind die Ereignisse nicht von der Flüchtlingstragödie im Burgenland überschattet.

 

  1. Herr Landesrat, nach dem 27. September müssen wir Sie mit ziemlicher Sicherheit als Landeshauptmann-Stellvertreter ansprechen. Die FPÖ liegt in Umfragen nahe an den 30 Prozent. Verspüren Sie schon Höhenrausch?

    Rausch ist nie gut. Höhenrausch auch nicht. Man kann mich auch nach dem Wahltag als Manfred Haimbuchner ansprechen. Es ist mein erklärtes Ziel, mit der FPÖ zweitstärkste Kraft in Oberösterreich zu werden und einen zweiten Landesrat zu gewinnen.
  2. Könnte nicht sogar ein dritter Regierungssitz in Aussicht sein, wenn der Trend anhält?

    Das glaube ich nicht. Ich träume nicht von unrealistischen Ergebnissen. Aber ich spüre, dass die Stimmung für uns gut ist. Die Menschen sehnen sich nach Veränderung.
  3. Schon Ihr Vater war Politiker und Langzeit-Bürgermeister in Steinhaus. War er Ihr erstes Vorbild?

    Meine Eltern waren generell Vorbilder. Es sind sehr, sehr liebe, fleißige und bodenständige Menschen. Mein Vater war 24 Jahre lang Bürgermeister. Da konnte ich schon miterleben, worauf es in der Politik ankommt: auf Ehrlichkeit, Handschlagqualität und den Mut, die Wahrheit auszusprechen.
  4. War Rebellion gegen das Elternhaus nie ein Thema?


    Nein, überhaupt nicht. Es gab nie die Notwendigkeit. Ich bin kein Rebell, das liegt mir nicht so.
     
  5. Ihre politische Karriere verlief bisher ohne Brüche, konsequent nach oben. Wie viel Verdienst haben Sie an dieser Entwicklung?

    Ich bin 2003 in einer Zeit politisch aktiv geworden, die ganz schwer war für die FPÖ. Wir haben damals im Land eine sehr schwere Niederlage erlitten. Man kann mir sicher einiges vorwerfen, aber ich bin aus Überzeugung in die Politik gegangen, und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem es überhaupt keinen Rückenwind gegeben hat. Ich war nie ein Schönwetter-Politiker.
  6. Glauben Sie, dass man Sie manchmal unterschätzt hat?


    Durchaus, das habe ich beim politischen Mitbewerber schon mitbekommen. Zum Beispiel, nachdem ich 2010 erstmals angekündigt habe, dass wir zweitstärkste Kraft in Oberösterreich werden wollen.
  7. Warum hat man Sie unterschätzt? Vielleicht, weil Sie auf manche etwas musterschülerhaft wirken?

    Das glaube ich nicht. Die einen sagen Musterschüler, die anderen sagen, wir sind Bierzelt-Rabauken. Ich glaube, es war mein Alter und die generelle Situation.
  8. Wie viel Anteil hat Bundesparteichef Heinz-Christian Strache am aktuellen Höhenflug der Landes-FP?

    Er hat ein großes Verdienst, vor allem für die Gesamtentwicklung der FPÖ nach der Abspaltung des BZÖ, wo es für uns ums Überleben gegangen ist.
  9. Wenn die FPÖ eine Familie wäre, welche Rolle würde Strache zufallen?


    Das ist jetzt eine schwierige Frage. Für den Großvater ist er zu jung. Aber er ist schon so etwas wie ein Vater, der sich ordentlich kümmert.
  10. Sie haben vorhin das Bierzelt angesprochen, das zum Standardrepertoire des blauen Wahlkampfs gehört. Hand aufs Herz: Fühlen Sie sich im Bierzelt wohl?

    Ich gehe gerne ins Bierzelt. Aber natürlich lieber privat auf ein Grillhendl. Im Bierzelt zu bestehen, ist für einen Politiker ganz schwierig. Aber es liegt mir immer mehr. Ich weiß, da geht es oft nicht fein zu. Das ist aber auch nicht Sinn und Zweck.
  11. Wie viel Zeit bleibt Ihnen abseits der Politik?


    Derzeit wenig. Aber ich versuche schon, im normalen politischen Alltag Zeit und Ruhe zu finden.
  12. Haben Sie auch einen Freundeskreis, der nicht aus Ihrem politischen Umfeld kommt?

    Selbstverständlich, aus Studienzeiten und auch aus der Volksschulzeit. Das sind zwar auch politische Menschen, aber nicht parteipolitisch.
  13. Wie schalten Sie ab?


    Am liebsten zu Hause, mit meiner Frau, im Obstgarten oder beim Schwimmteich. Auch gerne beim Jagen oder Fischen. Oder indem ich einfach einmal nichts tue.
  14. Was erdet Sie, wenn Sie aus dem Testosteron-Stall Politik nach Hause kommen?

    Dafür sorgen schon meine Frau und meine Eltern oder die Arbeit zu Hause. Man ist sehr schnell geerdet, wenn der Rasen so hoch ist, weil man vier Wochen lang nicht gemäht hat.
  15. Sie haben den Liberalen Klub Oberösterreich gegründet, als eine freiheitliche Diskussionsplattform. Hätten Sie gern eine liberalere FPÖ?

    Mir ist wichtig, dass die FPÖ sich den Begriff des Liberalen nicht stehlen lässt. Ich weiß, dass dieser Begriff oft schwierig ist, auch für unser eigenes politisches Lager.
  16. Was bedeutet liberal für Sie?


    Die Freiheiten, die man im 19. Jahrhundert erkämpft hat: Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit und das Recht auf Eigentum. Auch Eigenverantwortung ist für mich etwas Wichtiges. In diesem Zusammenhang wünsche ich mir auch, dass die FPÖ stärker als Partei der Marktwirtschaft wahrgenommen wird.
  17. Ist der Liberale Klub nicht vielmehr ein Mittel, um die FPÖ für etwaige Koalitionen salonfähig zu machen?

    Das hat keine Rolle gespielt. Als ich Nationalrat in Wien war, habe ich den dortigen Liberalen Klub besucht. Mir haben die Veranstaltungen gefallen, weil man mit Leuten, die keine Hardcore-Freiheitlichen sind, diskutieren konnte.
  18. Wie schaut denn ein Hardcore-Freiheitlicher aus?


    Ich meine solche, die als Funktionäre tätig sind. Ich will, dass wir auch mit kritischen Geistern aus anderen politischen Lagern Kontakte knüpfen. Es gibt in der Politik nichts Besseres als das Gespräch.
    "Ich bin kein Rebell, das liegt mir nicht so"
     
    Bild: Alexander Schwarzl

    Die Asyldebatte beschert den Freiheitlichen Rückenwind, in Umfragen zur Landtagswahl liegen sie in Oberösterreich nur noch knapp unter 30 Prozent. Ein paar Fragen zum Thema – und ein FP-Spitzenkandidat, der die scharfen Positionen seiner Partei nur sehr dosiert vorbringt.
  19. Gibt es Asylwerber in Steinhaus?


    Nein. Mich stört, dass keiner weiß, ob und wie viele Asylwerber es bei uns im Bezirk geben soll. Da fehlt Transparenz. Das gilt auch für die Quartiere: Ich kenne eine Familie, die verfolgte Christen aufnehmen wollte und sich an NGOs gewandt hat. Dort wurde denen gesagt: Ihr könnt nicht bestimmen, wen ihr aufnehmt. Da wird gelebte Solidarität verhindert.
  20. Streng genommen würde sich christliche Nächstenliebe auch damit vertragen, geflohene Moslems aufzunehmen, oder?

    Das verträgt sich sicher. Aber die Frage ist, ob unsere Heimat eine schleichende Islamisierung verträgt.
  21. Sie betonen stets Ihre Liebe zur Heimat: Könnten Sie sich vorstellen, Ihre Heimat zu verlassen und auf einem wackligen Boot die Flucht übers Meer zu wagen?

    Sich das in unserer Wohlstandsgesellschaft vorzustellen, ist schwierig. Aber meine Vorfahren waren Sudetendeutsche, die sind vertrieben worden und konnten nur ihr nacktes Leben retten. Ich habe sehr oft mit meiner Großmutter darüber gesprochen. Bis zu ihrem Tod hat sie massiv unter den Ereignissen gelitten.
  22. Wenn Sie die Fernsehbilder sehen von den Flüchtlingen aus Syrien, den weinenden Kindern – spüren Sie da Mitgefühl?

    Wer angesichts dieser Bilder kein Mitgefühl verspürt, ist kein Mensch. Aber wir können nicht hunderttausende Menschen aufnehmen, sonst kippt uns die Gesellschaft. Das Asylrecht ist ein Menschenrecht. Aber es ist verantwortungslos, wie sich Europa verhält und wie man den Kontinent Afrika absacken lässt. Wir können nicht das Sozialamt der Welt sein.
  23. Ist es nicht auch verantwortungslos, wenn man auf Kosten der Flüchtlinge versucht, Stimmung zu machen – vor allem, wenn man beobachtet, wie in Ostdeutschland bereits Flüchtlingsquartiere brennen?

    Natürlich ist das ein Wahnsinn, da tragen wir alle Verantwortung. Aber ich glaube, ich habe mich da im Ton nie vergriffen, auf keiner Ebene.
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    Bild: Alexander Schwarzl

    Themenwechsel: Die FPÖ wird nach der Landtagswahl ein starker Faktor in der Landespolitik werden. Wie hält es Haimbuchner mit einer möglichen Koalition mit der ÖVP?
  24. Wechseln wir wieder zur Landespolitik: Wollen Sie nach dem 27. September eine Koalition mit der ÖVP in Oberösterreich?

    Wer eine Veränderung will, wird uns wählen müssen. Wenn die ÖVP weiter so mächtig bleibt, dann tut sich überhaupt nichts. Ich muss mich nicht anbiedern, wir sind nicht auf dem Basar. Ich wäre bereit, ein entsprechendes Übereinkommen zu schließen. Aber wenn nicht, dann nicht.
  25. Sie haben sich als einer positioniert, der im Land Reformen einfordert. Was wäre Ihre erste Maßnahme?

    Wir müssen das Asylchaos in den Griff bekommen, und die Entmündigung der Gemeinden durch die Bundesregierung muss zurückgenommen werden. Damit ist ja in Wahrheit auch der Landeshauptmann entmündigt worden. Oberösterreich muss in Wien Druck ausüben, die Grenzen dichtzumachen. Daneben gibt es aber noch viele andere Aufgaben, zum Beispiel, dass wir wieder ein industriefreundliches Klima in diesem Land schaffen.
  26. Halten Sie Oberösterreichs VP für reformfreudig?


    Am 27. September können die Bürger ein Zeichen für Reformfreudigkeit setzen. Sonst droht wieder Stillstand.

    "Ich bin kein Rebell, das liegt mir nicht so"
     
    Bild: Alexander Schwarzl
  27. Halten Sie Ihre eigene Partei für reformfreudig?


    Ich halte die FPÖ grundsätzlich für aufgeschlossen, weil wir nicht von Kammern, Bünden oder Landeshauptleuten beherrscht werden und uns nicht der Niederösterreichisierung der Politik unterwerfen müssen.
  28. Wenn Sie die Landeshauptleute ansprechen, da gab es mit Jörg Haider einen Freiheitlichen. Das war auch nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte, oder?

    Jetzt wäre es einfach, auf ihn hinzuhauen. Ich habe mich schon zu seinen Lebzeiten von ihm distanziert, weil mir das damals nicht mehr gefallen hat. Aber er war eine der schillerndsten Figuren der österreichischen Politik, ohne ihn hätte sich damals in der Republik wenig bewegt.
  29. Und dass wir dafür dank der Hypo Alpe Adria noch lange zahlen werden, dieser Preis war nicht zu hoch?

    Die Causa Hypo war ein Versagen aller Parteien in Kärnten. Und da war dann noch die Husch-pfusch-Aktion des Herrn Pröll: Die Re-Verstaatlichung der Bank war der größte Sündenfall.
  30. Sind Sie eigentlich ein Romantiker?


    Meine Annette würde sich oft mehr Romantik wünschen. Ich bin durchaus ein romantischer Mensch, ich zeige es aber nicht wirklich.
  31. Und was bringt Sie so richtig in Rage?


    Ich kann schon richtig in Saft gehen. Wenn ich spüre, dass man mich belügt oder es Intrigenspiele gibt, das halte ich nicht aus. Wer da bei mir anstreift, da gibt es Konsequenzen.
  32. Haben Sie Verständnis dafür, dass sich ein Parteikollege von Ihnen die Worte "Ehre-Treue-Vaterland" auf den Oberkörper tätowieren ließ?

    Solange er nicht verlangt, dass ich mich selber tätowiere. Es sind keine Begriffe, die ein Problem darstellen, wenn sie richtig verwendet werden.
  33. Wollen Sie als Politiker in Pension gehen, oder gibt es einen Plan B?


    Bei mir hat sich in der Politik vieles von selbst ergeben. So wird es wahrscheinlich auch beim Abschied aus der Politik sein. Groß geplant wird das nicht. Dann gibt es ein anderes Leben. Meine Frau wird sich freuen.

 

 

Zur Person: Der 37-jährige Manfred Haimbuchner absolvierte ein Jus-Studium an der Linzer Johannes Kepler Universität. 2006 zog der gebürtige Steinhauser für die FPÖ in den Nationalrat ein, 2009 kandidierte er als Spitzenkandidat der FPÖ bei der Landtagswahl und wurde Landesrat. Ein Jahr darauf folgte er seinem Förderer Lutz Weinzinger an der Spitze der oberösterreichischen FP nach. Beim FPÖ-Parteitag 2013 wurde er mit 97 Prozent als Landesparteichef bestätigt.

Manfred Haimbuchner Spitzenkandidat der FPÖ
 
Bild: VOLKER WEIHBOLD

 

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Kommentare

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