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"Ich bin genauso in die Berg’ aufgewachsen"

Gekommen, um zu bleiben – seit Freitag ist Simader in St. Moritz, im Super-G macht sie morgen erstmals Renntempo Bild: privat

"Ich bin genauso in die Berg’ aufgewachsen"

HAUS/SANKT MORITZ. Die WM-Debütantin: Die 18-jährige Sabrina Simader aus St. Johann am Wimberg über ihre afrikanischen Wurzeln, das Un-Wort "Exote", ihren inneren Antrieb und ihre sportlichen Träume.

Von Christoph Zöpfl, 06. Februar 2017 - 00:04 Uhr

Mit drei kam sie von Kenia nach St. Johann am Wimberg, mit 18 startet sie im morgigen Super-G erstmals bei einer Ski-WM: Sabrina Simader wird zwar einige Sekunden hinter der Weltmeisterin im Ziel abschwingen, trotzdem aber eine gefragte Frau sein. Weil sie für Kenia startet, weil ihre Hautfarbe ein Kontrast zu den "Bleichgesichtern" des alpinen Weltcups ist. Im Interview mit den OÖNachrichten wird deutlich, dass Sabrina Simader trotzdem keine Exotin, sondern eine ernstzunehmende Sportlerin ist.

Hier geht es zum Blog von Sabrina Simader.

 

OÖN: Wo wären Sie heute, hätte Sie das Schicksal nicht vor 15 Jahren ins Mühlviertel geführt?

S. Simader: Das ist eine gute Frage. Ich wäre in Kenia bei Oma und Opa und der Verwandtschaft aufgewachsen und dort in die Schule gegangen. Mein Heimatort liegt übrigens auf 1800 Meter, dort ist es oft ziemlich kalt. Aber auf Ski wäre ich sicher nie im Leben gestanden.

OÖN: Können Sie sich noch an den ersten Skitag erinnern, war es Liebe auf den ersten Blick?

Nein, sicher nicht. Es war eiskalt, und das hat mir gar nicht gefallen. Und dann hab’ ich auch noch einen Handschuh verloren. Ich hab’ ziemlich oft geweint ...

OÖN: Und wann seid ihr Freunde geworden, ihre Ski und Sie?

Mit der Zeit ist es immer cooler geworden. Am Arlberg bin ich einmal mit dem Papa Tiefschnee gefahren, das hat mir dann schon getaugt. Dann bin ich Zwergerlrennen gefahren. Ich war zwar meistens nur die Dritte, aber der Papa hat immer gesagt, dass das Gewinnen nicht das Wichtigste ist. Es geht um die Leidenschaft – und dass man eine Freude hat.

OÖN: Hatten Sie es aufgrund Ihrer Hautfarbe schwerer, sich in der Schule oder auch im Sport zu behaupten?

Es ist schon so, dass sie dich am Anfang etwas komisch anschauen, wenn du neu wo dazukommst. Gerade bei den ersten Skirennen haben sich sicher viele gedacht, was will denn die jetzt da? Aber wenn dann in der Ergebnisliste ein paar hinter dir liegen, ist schnell der Respekt da. Vielleicht musste ich mir diesen Respekt etwas härter erarbeiten, aber das war nie ein Problem für mich.

OÖN: Bei Ihrem ersten Weltcupstart im Jänner im Marburg gab es einen ziemlichen Rummel um Sie. Bei der WM in Sankt Moritz werden Sie sicher auch im Rampenlicht stehen. Und zwar weniger wegen ihrer Leistung, sondern vor allem aufgrund Ihrer Wurzeln in Afrika. Empfinden Sie das als nervig?

Die Kombination, dass ich aus Kenia komme und Ski fahre, reizt natürlich die Medien, das ist mir klar. Für mich ist es aber das Wichtigste, dass ich mich auf meine Leistungen konzentriere. Ein bisschen ärgere ich mich schon darüber, wenn ich als Exotin dargestellt werde. Dieses Wort mag ich gar nicht. Ich bin genauso in die Berg’ aufgewachsen wie die anderen.

OÖN: Die olympischen Auftritte des Jamica-Bobs – Cool Runnings – oder des kenianischen Langläufers Philip Boit sind legendär. Sind das Vorbilder für Sie oder wird Ihre olympische Mission 2018 in Pyeongchang  eine ganz andere sein?

Den Philip Boit habe ich schon kennen gelernt, der ist wirklich ein cooler Typ. Aber vergleichen würde ich mich mit diesen Leuten nicht. Da habe ich einen anderen Zugang. Ich bin von klein auf in den Skisport hineingewachsen und keine Quereinsteigerin.

OÖN: Wie sind die großen Unterschiede zwischen einem FIS-Rennen und dem Weltcup zu erklären?

Der Weltcup ist einfach das höchste Niveau und die Präparierung der Pisten ist da völlig anders. Da wird eigentlich nur mehr auf Eis gefahren – wenn du das nicht regelmäßig trainieren kannst, dann schaust du a bisserl blöd aus.

OÖN: Wo sind Sie berühmter, in Kenia oder in Österreich?

Eher in Österreich. Es gibt schon Medien aus Kenia, die sich für mich interessieren, aber Skifahren hat in Kenia nicht wirklich eine Bedeutung. Die wissen dort auch nicht, was Schnee ist und können das nicht einordnen, was ich mache.

Gibt es einen Karriereplan?

Eigentlich nicht. Ich möchte mich Schritt für Schritt weiterentwickeln und schauen, was passiert. Ich habe zum Beispiel schon ein paar Mal Dave Ryding getroffen, der ja auch mit einem kleinen Team unterwegs ist. Mit 30 fährt er jetzt im Slalom ganz vorne mit. Er konnte sich ohne Druck frei entwickeln. Vielleicht wird das bei mir auch so sein.

OÖN: Was will Sabrina Simader einmal auf Ihrer sportlichen Visitenkarte stehen haben?

Ich möchte einmal bei einem Weltcuprennen auf dem Podest stehen und bei Olympischen Spielen eine Medaille gewinnen. Das wäre der Traum, darauf arbeite ich hin.

OÖN: Sind Sie jetzt frech oder realistisch?

Ich würde sagen, das ist mein innerer Antrieb. Momentan bin ich davon noch weit entfernt, aber in ein paar Jahren – wer weiß, wie viele es sein werden? – wird das vielleicht möglich sein.

 

Zur Person

Sabrina Simader (18) kam mit ihrer Mutter Sarah als Dreijährige nach Oberösterreich. Ihr Stiefvater Josef Simader war nicht nur ein liebevoller Papa, sondern auch der sportliche Wegbegleiter. Nach dessen tödlichem Herzinfarkt im Sommer 2012 kümmert sich Christian Reif als Trainer um das „Team Kenia“ mit dem Basislager in Haus im Ennstal.

Nach dem Ausstieg aus der Ski-Handelsschule in Schladming holt Simader gerade ihren Abschluss in der Abendschule Liezen nach. Sie spricht fünf Sprachen (Deutsch/eigentlich Mühlviertlerisch, Englisch, Italienisch, Kikuyu, Suaheli).

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