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Linz im Zentrum der Macht

Linz, die eurpäische Kulturhauptstadt 2009, war im ausgehenden Mittelalter für einige Jahre Kaiserstadt und damit das Zentrum der europäischen Politik.

Wir Oberösterreicher Linz im Zentrum der Macht

~ Bremens Selbstständigkeit ist Kernstück der Identität der Stadtrepublik ... diese findet einen Höhepunkt in dem 1646 verliehenen Linzer Diplom. }Jens BöhrnsenBürgermeister Bremens Bild:

Ende des 15. Jahrhunderts residierte hier der schon recht altersschwache Kaiser Friedrich III. in den letzten Jahren vor seinem Tod. Auch in weiterer Folge weilte bis ins 17. Jahrhundert hinein der kaiserliche Hof immer wieder für längere Zeit in Linz.

Der Monarch nahm bereits 1484/85 einmal in Linz Residenz, bevor er sich für mehrere Jahre ins Reich begab. Von 1489 bis zu seinem Tode 1493 blieb er in Linz und machte die Stadt für kurze Zeit zum Mittelpunkt des Heiligen Römischen Reiches. Dass Friedrich III. Linz als Altersresidenz gewählt hatte, dafür dürften mehrere Gründe maßgeblich gewesen sein. So hatte im 15. Jahrhundert Oberösterreich stark an wirtschaftlicher Bedeutung gewonnen: durch die Salzvorkommen, das Eisenwesen, den blühenden Weinbau und die Handelsbeziehungen der Städte Steyr, Wels und Linz, dessen Messe sich im 15. und 16. Jahrhundert zu der wichtigsten im ganzen ostmitteleuropäischen Raum entwickelte.

1463 hatte sich Friedrich die Herrschaft über Oberösterreich gesichert. Sein größter Feind und Bruder, Erzherzog Albrecht VI., der von 1458 bis 1463 Oberösterreich regiert hatte, war überraschend verstorben – man munkelte, an einer Vergiftung. Als Friedrich III. vom ungarischen König Matthias Corvinus zeitweise aus Wien und Wiener Neustadt vertrieben wurde, bot sich Linz als Ausweg an.

Aber es handelte sich keineswegs bloß um eine Verlegenheitslösung, dass der Kaiser nach Linz kam: Er blieb auch, als Wien 1490 befreit und Corvinus gestorben war. Es deutet manches darauf hin, dass er sich bereits seit Beginn der 1480er-Jahre mit dem Gedanken getragen hatte, Linz zu seiner dauernden Residenz zu machen.

Mit der Anwesenheit des Kaisers wurde Linz für kurze Zeit Zentrum der europäischen Gelehrsamkeit und Kunst. Fieberhaft wurde die Burg ausgebaut. Es wurden prunkvolle Jagden und Turniere veranstaltet, es kamen Humanisten und Professoren, Dichter und Sänger. Der Herrscher interessierte sich für Alchemisten und Astrologen.

Dichtung und Hofmusik

Als eine venezianische Gesandtschaft im Sommer 1492 fast sechs Wochen in Linz verbrachte, wurden humanistische Dichter geehrt, waren Conrad Celtis und Konrad Peutinger da, lernte Johannes Reuchlin in Linz Hebräisch. Auch die Hofmusik Friedrichs III., bestehend aus Trompetern und Pfeifern, gefiel den Venezianern.

Dennoch verwundert es kaum, dass Linz den zahlreichen Gesandtschaften und Berühmtheiten aus ganz Europa klein und mickrig vorgekommen war. Die Venezianer fanden nur den großen Hauptplatz erwähnenswert. Alles andere erschien ihnen sehr provinziell: die Schindeldächer, die wenigen Geschäfte, der fehlende Bischofssitz ...

Doch Linz blühte auf. 1490 wurde es erstmals als „eine Hauptstadt unseres Fürstentums Österreich ob der Enns“ bezeichnet. Unter Maximilian I. hatte es zwar nicht mehr jene Bedeutung wie in den letzten Lebensjahren Friedrichs III. Der neue Kaiser war häufiger noch als in Linz in Innsbruck, wenn er sich nicht überhaupt, was fast immer der Fall war, auf Reisen oder irgendeinem Schlachtfeld befand. Doch immer wieder gab es in Linz wichtige Verhandlungen und große Hoffeste.

Maximilian liebte die Jagd. Besonders schätzte er den Kürnberg als Revier, das ihm im Alter bequemer war als die steilen Berge Tirols und des Salzkammerguts. Am Schlossabhang ließ er einen Tiergarten mit Steinböcken und Gemsen errichten, im Bereich des heutigen Landestheaters einen Kaninchengarten mit einem eigenen „Kuniglhueter“. Und ein kaiserlicher Vogelmeister musste die zahlreichen Singvögel des Kaisers betreuen. Im Jahre 1501 wurde während eines Aufenthalts des Kaisers der „Ludus Dianae“, das „Spiel der Dianae“ des Humanisten Konrad Celtis, in der Burg uraufgeführt.

Wirtschaftlich wichtig und angesichts der weiteren politischen Entwicklung sehr hellsichtig war, dass Maximilian 1497 der Stadt das Recht zum Bau einer Donaubrücke gewährte. Es war die dritte Donaubrücke in Österreich nach Wien und Krems.

Am 12. Jänner 1519 starb der Kaiser in der landesfürstlichen Burg von Wels. 1521 kam sein Enkel Ferdinand nach der Teilung des Erbes mit seinem Bruder Karl V. als Nachfolger nach Linz. Hier sollte endlich die 1515 in Wien, allerdings in Abwesenheit des damals noch viel zu jungen Brautpaares geschlossene Ehe Ferdinands mit Maria von Ungarn vollzogen werden.

Das Beilager in Linz war zwar nicht ganz so prunkvoll wie die Hochzeit in Wien. Doch berühmt geworden ist das Fest durch das so genannte „Losensteiner Turnier“, von dem man gar nicht weiß, ob es wirklich mit dem Streit zwischen Spaniern und Österreichern stattgefunden hat. Dass das anfängliche Misstrauen des heimischen Adels gegen Ferdinand, der damals kein Deutsch sprach, und gegen seine spanische Begleitung groß war, ist aber belegt.

Die glücklichen Eheleute hatten 15 Kinder. Ferdinand und noch viel mehr seine Gattin Maria verbrachten viel Zeit im Linzer Schloss, obwohl sie sich ihrer Aussage nach in Linz immer entsetzlich langweilten. Die Burg war offensichtlich alles andere als bequem und schön.

Auch nach Marias Tod 1547 wohnten im Schloss oft Habsburger. 1561–63 war Maximilian II. längere Zeit mit seiner ganzen Familie in Linz, bevor er 1564 Kaiser wurde. 1582 bis 1590 residierte Matthias, der spätere Kaiser, in den Räumen der Linzer Burg. Auch er umgab sich mit kunstsinnigen Menschen, etwa dem niederländischen Maler Lucas van Valckenborch, der die schöne Ansicht der Stadt schuf.

Monumentales Schloss

Ab 1599 wurde das Linzer Schloss völlig neu gebaut. Als Architekt dürfte der flandrische Baumeister Anton de Moys gewirkt haben. Die Monumentalität des Baus, eines Hauptwerks des Manierismus in Österreich, kommt zwar durch den seit dem Brand von 1800 fehlenden Südflügel nicht mehr voll zum Ausdruck. Doch der Ausbau erfolgte zu einem Zeitpunkt, als Linz nur noch fallweise dem Hofe diente, zu Staatsakten, oder wenn es dem Herrscher anderswo zu gefährlich geworden war.

Erst Ferdinand III. kam wieder häufiger nach Linz. Der „Linzer Friede“ von 1645, der den Weg zum Westfälischen Frieden ebnete, und das „Linzer Patent“ von 1646, die wichtigste Urkunde Bremens, waren Ergebnisse solcher Aufenthalte.

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Artikel Von Roman Sandgruber 13. Dezember 2008 - 00:04 Uhr
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