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Willi Bauer

Faszination Bergsteigen: Die liegt darin, dass man versucht, sich mit diesen Giganten, die die Natur in die Landschaft gestellt hat, zu messen. Ich mag den Begriff nicht, den Berg zu "bezwingen". Einen Berg kannst du nicht bezwingen.

Kochen: Ich war bei unseren Expeditionen lange der Koch und der "Medizinmann". Kochen tu ich gern, das war nie ein Problem. Beim Bundesheer bin ich als Sanitäter ausgebildet worden und durchs Bergsteigen habe ich mich mit Medizinern befreundet.

Lieblingsberg: Schwierig. Es gibt unheimlich schöne Berge in Südamerika, auch der Nanga Parbat ist wunderschön, weil er frei steht. Es gibt auch schöne Berge in den Alpen.

Heimische Gipfel: Wenn ich zum Beispiel auf den Hochlecken gehe, dann meistens über den Stieg oder die Brennerin. Also dort, wo weniger Leute sind.

Sorgen: Selbst denkt man nie daran, dass einmal etwas passieren kann, aber man macht sich schon Sorgen. Man lässt es sich nicht ankennen, aber es ist so. Sicherheit ist das oberste Gebot.

Der Seewalchner Willi Bauer (62) ist ein bescheidener, freundlicher, durchwegs sympathischer und kameradschaftlicher Mensch. Das bestätigen alle, die einmal das Vergnügen haben durften, mit ihm eine Berg- oder Skitour zu unternehmen. Und in seiner Bescheidenheit wird er es gar nicht so sehr mögen, wenn wir hier verkünden: Der Willi hat österreichische Bergsteigergeschichte geschrieben. Aber genau so ist es.

Seine Laufbahn als Höhenbergsteiger begann 1970 mit Touren auf den Kilimandscharo und den Mount Kenya. Beide Gipfel erreichte er auf bis dahin nie begangenen Routen. 1973 gelangen dem damals 31-Jährigen sieben Erstbesteigungen in Südamerika.

Unzählige Dreitausender hat Bauer erklettert, fast alle Viertausender der Alpen, dazu Fels- und Eisgiganten in Südamerika und im Kaukasus sowie zwei Achttausender: 1978 den Nanga Parbat (8125 Meter) über die Diamir-Flanke und 1986 den zweithöchsten Berg der Erde, den K2 (8611 Meter), als bis heute letzter Österreicher - beide schaffte er ohne künstlichen Sauerstoff.

1984 gehörte Willi Bauer jenem Naturfreunde-Team an, das als erstes den Gipfel des damals zweithöchsten unbestiegenen Berges der Welt erreichte, des 7525 Meter hohen Yukshin Garden im Karakorum. Alle seine Erstbegehungen - also Bergersteigungen auf neuen Routen - aufzuzählen, würde den Rahmen bei Weitem sprengen.

Von Bauers Kindern Willi, Martina und Andrea traten die beiden Ersteren in Vaters Fußstapfen. Die in Gschwandt lebende Martina (38), die sich mit ihrem Ehemann derzeit auf einer Ararat-Expedition befindet, stand ebenfalls bereits auf einem Achttausender, Willi junior kam 1997 im Alter von 32 Jahren bei einem Bergunglück im Montblanc-Gebiet ums Leben.

"Er war ein Mensch, der bei der Sicherheit dreimal nachgedacht hat", sagt sein Vater. "Auch die Martina ist so. Aber man weiß, dass beim Bergsteigen immer etwas passieren kann. Wie auf der Straße."

Willi Bauer

Der Alpinist kam am 14. September 1942 in Roitham zur Welt. In Vöcklabruck erlernte er den Beruf des Rauchfangkehrers, den er 13 Jahre lang ausübte, ehe er sich 1970 in der Lenzing AG zum Energietechniker umschulen ließ. Seit drei Jahren ist der dreifache Vater und zweifache Großvater in Pension. Bauer lebt mit seiner Ehefrau Ingrid in der zu Seewalchen gehörenden Ortschaft Kraims.

Der Yukshin Garden: Bauer gehörte zu den Erstbesteiger. Der 62-Jährige privat (gary)

Von Gary Sperrer (g.sperrer@nachrichten.at)

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Artikel Gary Sperrer 25. April 2005 - 00:00 Uhr
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