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Sebastian Schwarz

Der Priester Sebastian Schwarz aus Lasberg gründete mit der Kongregation der Franziskanerinnen von Vöcklabruck einen der größten Frauenorden Österreichs.

Am 14. Jänner 1809 wurde dem Zwirnhändler Franz Schwarz in Lasberg bei Freistadt der Sohn Sebastian geboren. Die Familie war Mitte des 17. Jahrhunderts aus Helfenberg zugewandert. Sebastian war das siebente von zwölf Kindern der Eheleute Schwarz. Sein Bruder Caspar wurde später Handelsmann in Freistadt sowie Bürgermeister und Landtagsabgeordneter - allerdings auf der liberalen Seite.

Der Vater starb 1818, als Sebastian gerade neun Jahre alt war. "Aber die Energie und das wirtschaftliche Geschick der Mutter sorgten dafür, dass jedes der Kinder eine adäquate Ausbildung erhalten konnte", berichtet Landeshistoriker Harry Slapnicka in seinem Buch "Berühmte Persönlichkeiten aus dem Mühlviertel und dem Böhmerwald" (Edition Geschichte der Heimat, Band II, 182 Seiten, 21.65 Euro).

Sebastian wurde 1823 in das Akademische Gymnasium Linz aufgenommen, absolvierte anschließend das Lyzeum und entschloss sich 1830 zum Studium der Theologie und zum Eintritt ins Priesterseminar. 1833 wurde er zum Priester geweiht.

Schwarz wurde in eine Zeit hineingeboren, in der das von Kaiser Joseph II. geprägte Staatskirchentum der "Aufklärung" die Kirche straff in den Dienst des Staates stellte. Doch es gab eine Gegenbewegung, angeregt vom Redemptoristenpater Clemens Maria Hofbauer (1751-1820) in Wien, die sich der menschenzugewandten Seelsorge versprochen hatte und die gefühlsmäßige Seite des Glaubens betonte.

Diese seelsorgliche Entfaltung sollte

Sebastian Schwarz entscheidend prägen. Nach Kaplansposten in Mauthausen und St. Magdalena erhielt er 1840 das Benefiziat in Vöcklabruck. Er entschloss sich zur Einrichtung einer Kleinkinder-Bewahranstalt, mietete ein Haus und stellte zwei "Jungfern" ein. Eröffnet wurde die Anstalt am 21. Juni 1842 mit 17 Kindern. Ein Jahr später waren es bereits siebzig. Der gesamte Betrieb wurde aus Spenden finanziert, die Betreuung der Kinder war gratis.

Im Mai 1843 eröffnete Schwarz eine "Industrie- und Arbeitsschule für Mädchen", in der Sechs- bis Vierzehnjährige dreimal pro Woche Handarbeitsunterricht erhielten.

Schwarz wollte aber etwas von Dauer schaffen. So kam er auf die Idee, in Vöcklabruck einen Frauenorden zu gründen. Dazu wandte er sich an die junge Kongregation der Schulschwestern in Graz. Sie unterstanden dem jeweiligen Diözesanbischof und ermöglichten den Schwestern eine spezielle Berufsausbildung.

1843 schlossen sich auf die Initiative Schwarz' sechs Lehrerinnen einer katholischen Privatschule in Graz zu einer Gemeinschaft nach der Regel des hl. Franziskus zusammen. Ihre Aufgabe sahen sie in der Bildung der jungen Mädchen. Auf die Bitte von Sebastian Schwarz kamen 1850 vier Grazer Schulschwestern nach Vöcklabruck. 1861 wurde ihre Satzung vom Linzer Bischof Rudigier bestätigt. Erste Filialen entstanden in Frankenburg und Ried/I. Die Ordensfrauen leiteten Kindergärten und Mädchenschulen, Sebastian Schwarz war ihr Beichtvater.

Bis zu seinem Tod am 14. Mai 1870 blieb er engagierter Förderer seiner Gründung, die einen rasanten Aufschwung nahm. 1922 reisten die ersten Schwestern in die USA, 1937 bekam der Orden päpstliches Statut. Und seit 2000 nennt er sich "Franziskanerinnen von Vöcklabruck".

Auf Schwarz' Spuren

• Geburtshaus von Sebastian Schwarz in Lasberg

• Sebastian-Schwarz-Straße in Vöcklabruck

• Mutterhaus der Franziskanerinnen, St. Ulrichs-Kapelle und Benefiziatenhaus in Vöcklabruck
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Artikel 13. Januar 2006 - 00:00 Uhr
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