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„Ich bin ein Sportler – und ich bin schwul“

Von Roland Vielhaber, 12. Juni 2013, 00:05 Uhr
„Ich bin ein Sportler – und ich bin schwul“
Der 28-jährige Linzer Dominik Koll schwamm zwei Mal bei Olympischen Spielen. Bild: GEPA

LINZ/NEW YORK. Der Spitzen-Schwimmer Dominik Koll outet sich: Ein Gespräch über ein Tabuthema und Ausgrenzung.

Dominik Koll ist einer der besten österreichischen Schwimmer. Zwei Mal startete der Linzer (28) bei Olympia. Bei der WM 2007 verpasste er den Finaleinzug über 200 Meter Freistil um eine einzige Hundertstel Sekunde. Seit zwei Jahren wohnt Koll nun in New York. In seiner 25 Quadratmeter großen Wohnung hängen Bilder von Munch und Klimt, Souvenirs aus der Heimat gibt es so gut wie keine. Wirtschaft studiert der Oberösterreicher an der renommierten Columbia-University. In zwei Jahren will er fertig sein. Und er macht sich Gedanken über die Zukunft. Seinen Freund zieht Koll bei den Überlegungen mit ein. Der möchte Anwalt werden. Die beiden sind seit einem Jahr ein Paar.

OÖN: Lebt es sich für ein homosexuelles Paar in New York leichter als in Österreich?

Koll: Auf jeden Fall. In elf Staaten ist die Homo-Ehe bereits in der Verfassung verankert. Homosexuelle Paare haben die gleichen Rechte und Pflichten wie Hetero-Paare. Demnächst entscheidet der Supreme-Court (der oberste Gerichtshof), ob dieses Gesetz für die ganzen USA gilt. Deshalb haben sich zuletzt auch viele Sportler und Prominente geoutet, sie wollen Gleichberechtigung.

In Österreich sind wir noch nicht so weit?

Gleichgeschlechtliche Partnerschaft ist zwar anerkannt, mehr aber nicht. Da sind Länder wie Frankreich oder die Niederlande wesentlich weiter.

Ein Umstand, den Sie ändern wollen. Auch, indem Sie nun an die Öffentlichkeit gehen.

Ja, weil es extrem viele Vorurteile gibt. Klischees, dass Schwule feminin, nicht stark und hart sind, stimmen einfach nicht. Für manche in unserer Gesellschaft gilt: nur der, der Bier trinkt und der Fußball spielt, ist maskulin. Glauben Sie mir: Ich bin in beidem ziemlich gut.

Ist im Sport die Homosexualität ein Tabu-Thema?

Die Leute haben natürlich Angst vor den Reaktionen, und dass sie Probleme bekommen könnten. Ich denke mir, würde sich ein Fußballer outen, könnte das der Diskussion sehr gut tun. Weil Fußball eine so prominente Sportart ist und die Gesellschaft prägt. Wobei Sexualität meiner Meinung nach natürlich nur bis zu einem gewissen Grad in die Öffentlichkeit gehört. Ich will auch niemanden provozieren. Aber es kann nicht sein, dass sich die Hälfte der Leute auf der Linzer Landstraße umdreht, wenn ein Homo-Pärchen händchenhaltend an ihnen vorbeigeht. Händchenhalten sollte nicht solch einen Effekt auf Leute haben, den hat es ja bei Hetero-Pärchen auch nicht.

Und darin sehen Sie Ihren Auftrag?

Da Homosexualität nach wie vor ein Tabuthema ist, ist es schwer zu sagen, wie viele Homosexuelle (Pärchen) gerade in Österreich leben. Manche Forscher schätzen die Zahl auf fünf bis zehn Prozent. Viele dieser Menschen wollen heiraten und Kinder, warum sollte man ihnen dieses Recht verweigern? Es geht einzig und alleine um Gleichberechtigung. Das ist das Ziel, Ausgrenzung darf nicht mehr passieren.

Sind Sie ausgegrenzt worden?

Es gab Zeiten, in denen ich gehänselt worden bin. Ich bin mir sicher: hätte ich schwule Vorbilder in Sport und Politik gehabt, wäre es leichter gewesen. In New York dreht sich jedenfalls keiner bei einem händchenhaltenden Homo-Paar um. Das ist hier normal. Aber New York steht nicht für ganz Amerika.

Was erhoffen Sie sich von Ihrem Schritt?

Je mehr Leute, die in der Öffentlichkeit stehen, sich outen, desto einfacher wird es für junge Homosexuelle, in unserer Gesellschaft akzeptiert zu werden. Schwule sind ein Teil der Gesellschaft und sollten sich nicht ausgegrenzt fühlen, sei es durch Vorurteile oder Gesetze, die ihnen das Leben schwerer machen.

Welche Reaktionen erwarten Sie nun?

Ich hoffe, dass man mich als erfolgreichen Sportler sieht, der schwul und damit glücklich ist. Ich hoffe nicht, dass man mich als Schwulen sieht, der gerne Sport betreibt.

Ein Sportler, der nach wie vor in guter Form ist.

Ich schwimme in den USA Wettkämpfe, meine Zeiten sind nicht schlecht. Ich schließe einen Start bei der EM 2014 oder bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro nicht aus.

 

Homosexuelle Sportler

Robbie Rogers, Fußball: Erst Ende Mai hat in den USA Robbie Rogers Sportgeschichte geschrieben. Als erster bekennender Homosexueller bestritt er ein Spiel in einer der großen US-Profiligen. Der Fußballer, der sich im Februar als schwul geoutet und danach einen Vertrag bei Los Angeles Galaxy erhalten hatte, wurde bei seinem ersten Einsatz nach seinem Outing unter großem Beifall eingewechselt.

Jason Collins, Basketball: Der 34-Jährige war ein relativ unbekannter Spieler in der NBA, in der besten Basketball-Liga der Welt. Nach den Bomben-Anschlägen im April wagte er den Schritt, sich als erster aktiver NBA-Basketball-Profi zu outen: „Das Leben kann so schnell vorbei sein. Ich will nur noch aufrichtig leben.“ Da Collins auch ein Schwarzer ist, bekam die Sache noch mehr Gewicht. Selbst Präsident Obama rief ihn an und rühmte seinen Mut.

Orlando Kruz, Boxen: Der Puetro Ricaner ist der erste Profi-Boxer, der offen mit seiner Homosexualität umgeht.

Gareth Thomas, Rugby: Seine Frauen-Geschichten, mit denen der walisische Rugby-Star bei seinen Teamkollegen punkten wollte, waren alle erfunden. Nach dem er das Versteckspiel beendet hatte, sagte er in der „Zeit“: „Die Unterstützung war überwältigend. Ich habe Briefe aus aller Welt bekommen und keine Beschimpfungen.“

Anja Pärson, Ski: Die Schwedin outete sich nach ihrem Karriere-Ende, sie und ihre Partnerin haben mittlerweile Nachwuchs. Weitere prominente lesbische Sportlerinnen sind Martina Navratilova, Amelie Mauresmo (beide Tennis) oder die deutsche Fußballerin Inka Grings.

Daniela Iraschko, Skisprung-Weltmeisterin

Die Steirerin geht sehr offen mit ihrer Homosexualität um. „Mir geht es darum, dass ich mich einfach nicht verstecken möchte. Weil: Wenn ich immer alles verheimlichen müsste, könnte ich ja auch nie eine glückliche Beziehung führen.“ Nachsatz: „Ich kenne viele andere, die ihre Homosexualität verleugnen – die beschäftigt das dann ihr ganzes Leben. Die sind dann fast gespaltene Persönlichkeiten und leben unter Verfolgungswahn. So ist’s jetzt viel feiner.“

 
OÖN-Redakteur Roland Vielhaber hat zu diesem Thema auch einen Leitartikel verfasst.
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