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Reportage

Kriegsgerät für den Papst

Von Von Raimund Locicnik   04. Juli 2009

Kriegsgerät für den Papst
Der kunstfertige Schmiedemeister Schmidberger arbeitet mit großem Einsatz für seine Auftraggeber, etwa wenn sie ein mächtiges Schwert benötigen.

Johann Schmidberger aus Molln heißt nicht nur so, er ist auch einer: nämlich ein Schmied. Allerdings ein besonderer, denn immerhin zählt der Papst in Rom zu seinen Auftraggebern.

Seit mehr als 200 Jahren ist die „Schmidten bei der Lacken“, die bereits im 14. Jahrhundert erwähnt wird, Heim- und Arbeitsstätte der Vorfahren Schmidbergers. Wo einst die Hämmer zahlreicher Meister und Gesellen dröhnten, wurde es allerdings Anfang der 1970er-Jahre, im Zeitalter von Maschinen- und Automatenfertigung, immer stiller. Doch „Hans der Schmied“ war schon damals überzeugt, dass die Schmiedekunst eines Tages eine Renaissance erleben würde.

Es bedarf wohl einer besonderen Ausdauer und Bescheidenheit, um als junger Mensch mit Familie einen handwerklichen Kleinbetrieb durch die Wogen der Wirtschaftskrisen der 1970er- und 80er-Jahre zu führen und dabei nie ans Aufgeben zu denken.

Doch Schmidberger glaubte an seinen Traum. Neben der Spezialisierung auf die Produktion von Waffen, Harnischen und Rüstungen studierte er alle greifbaren Bücher und Schriften, die über historische Schmiedetechniken Auskunft geben. Zeitweise stand er Tag und Nacht in seiner Werkstatt, um das Gelesene in die Tat umzusetzen.

1990 schlug dem Meister aus Molln die große Stunde. Mit der Gründung eines Vereins zur Vorbereitung der OÖ. Landesausstellung 1998 „Land der Hämmer“ wurden plötzlich viele Augen auf Johann Schmidberger gerichtet. Sein Können und Wissen wurde zum Startkapital für die später so erfolgreiche Landesschau.

Immer häufiger erreichten nun Anfragen aus aller Welt die beschauliche Heimstätte der Schmidbergers am östlichen Ortsrand der Nationalparkgemeinde.

Bedeutende Aufträge wie die Ausstattung der Salzburger Festspiele und der Münchner Staatsoper wechselten mit maßgefertigten Stücken für Bruno Ganz in „Julius Cäsar“ oder Klaus Maria Brandauer in „Wallenstein“. Das Glanzlicht in der unglaublichen Palette aus Schmidbergers Werkstatt war zweifelsohne der Nachbau der heiligen Lanze aus der Wiener Schatzkammer für eine TV-Dokumentation im Jahre 2007.

Jahrhundertauftrag

Anlässlich des Österreichbesuches von Papst Benedikt XVI. hatten sich Land Steiermark und Landesmuseum Johanneum eine besondere Geschenkidee ausgedacht: Ab September 2007 sollte das Landeszeughaus in Graz die Wartung und Restaurierung der Harnische und Waffen der Schweizer Garde im Vatikan übernehmen. Durch die langjährigen Kontakte Schmidbergers zum Zeughaus Graz entstand kurz darauf die Zusatzidee, den Prunkharnisch für den Hauptmann der Garde neu zu schmieden. Anfang 2009 wurde der „Jahrhundertauftrag“ in Angriff genommen und erst vor Kurzem, mit großem Jubel aus Rom, erfolgreich abgeschlossen.

Die Auswahl für die kunsthandwerkliche Herausforderung fiel nicht zufällig auf das Haus Schmidberger. Schon seit Jahren hat sich die optimale Infrastruktur der Mollner Schmiede ebenso bewährt wie das zielorientierte Zusammenspiel der Handwerksfamilie.

Johann senior als Meister, die Söhne Hans und Georg als hervorragende Gesellen, Tochter Andrea als Goldschmiedin sowie die Graveurin und Ehefrau Hildegard als Managerin im Büro machen die Familie Schmidberger zu einem bestens funktionierenden Quintett.

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