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Reportage

In guten Böden ist der Wurm drin

Von Von Alexander Ritzinger   14. August 2009 00:04 Uhr

In guten Böden ist der Wurm drin
Georg Doppler, Bio-Bauer aus Verstand und Leidenschaft, hat den Pflug im wahrsten Sinn des Wortes an den Nagel gehängt.

Den Ackerböden wird das Leben aus dem Leib gerissen. Die Folgen sind fatal: Kraftlose Erde wird vom Regen weggeschwemmt, Wasser kann nicht mehr gespeichert werden. Die hochtechnisierte Bodenbewirtschaftung kritisiert der Bio-Bauer Georg Doppler.

Die extremen Regenfälle der vergangenen Wochen haben es deutlich gezeigt: Ausgedehnte Bodenflächen in der Landwirtschaft können größere Wassermengen nicht mehr aufsaugen. Die Speicherkapazitäten nehmen rapide ab. Das ist kein Zufall. Eine fahrlässige Bodenbewirtschaftung fordert diese Entwicklung konsequent heraus. Die Gründe dafür sind vielfältig, können aber an zwei Punkten fixiert werden: Nichtwissen und die blinde Anbetung einer vordergründigen Gewinnmaximierung.

Um die Problematik zu verstehen, muss man wissen, wie ein gesunder (Acker)boden beschaffen ist. Stellen Sie ihn sich als lebendiges Wesen vor. In einer Handvoll guter Erde tummeln sich mehr „Individuen“ als es Menschen auf der Erde gibt, heißt es. Aber eben nur in einer guten Erde.

In dieser fühlt sich beispielsweise der Tauwurm besonders wohl. Der ist der bekannteste und verbreitetste der heimischen Regenwürmer. Er ist zwischen zwölf und 30 Zentimeter lang, sein Körper ist vorne rot und hinten blass. Der Tauwurm lebt in Wiesen, Gärten und Äckern. Sein Wirken ist im Wechselspiel der Natur genial: Denn er gräbt weitverzweigte Gänge und durchwühlt den Boden dadurch intensiv.

Seine Nahrung besteht zum größten Teil aus noch nicht stark verwesten Pflanzenteilen, die auf der Ackeroberfläche liegen. Sie werden nächtens in die Wohnröhren gezogen und dort verdaut. Der Kot wird später wieder an die Oberfläche gebracht oder auch zur Verfestigung der Gänge verwendet.

Das Tierchen wirkt also segensreich: Es düngt den Boden und und verleiht ihm gleichzeitig einen schwammähnlichen Aufbau. Bei guten Verhältnissen regen sich rund 400 Würmer in einem Kubikmeter Erde. Derart großzügig durchlüftet und geöffnet können dann bis zu 150 Liter Regenwasser pro Stunde und flachem Quadratmeter aufgenommen werden. Je mehr Würmer im Humus, desto besser. Daher wird der Tauwurm als Bioindikator für die Bodenqualität verwendet.

Sein Feind ist der Pflug: Der reißt die Erde bis in eine Tiefe von 30 Zentimetern auf und stellt die Welt der Würmer im wahrsten Sinn des Wortes auf den Kopf. Würmer sind aber ziemlich sensible Lebewesen. Sie bevölkern bestimmte Bodenschichten, aus denen sie durch den geschmiedeten Terror vertrieben oder massiv in ihrer Gesundheit geschädigt werden. Damit verlieren die Würmer ihre Funktionsfähigkeit als „nährende Gärtner“.

Versiegelte Felder

Aber nicht nur das Pflügen setzt dem Boden zu. Auch die Erntemaschinen tragen einen gewichtigen Teil dazu bei. Der 36-jährige Waizenkirchner Bio-Bauer, der seit Jahren auf den Einsatz von Pflügen verzichtet, erklärt warum: „Auf den Feldern sind immer größere Maschinen im Einsatz, gewaltige Geräte mit bis zu 40 Tonnen Gewicht. Die dürften auf einer Straße gar nicht fahren. Mit ihren breiten Reifen bringen sie den Druck so tief in den Untergrund, dass man ihn nicht mehr wegbringt. Das kommt dann bald einer Versiegelung gleich.“

So wird der fruchtbare Boden immer weniger und das in dramatischen Ausmaßen. Die „versiegelten“ Ackerflächen nehmen das Wasser nicht mehr auf, es rinnt ungehindert ab, reißt den Humus mit, der dann den (oft kanalisierten) Bach hinuntergeht. Mit künstlichem Dünger soll die Fruchtbarkeit des Bodens aufrechterhalten werden. Die Überdüngung der Böden fördert aber die Entstehung von Lachgas, das wiederum einen erheblichen Anteil am Treibhauseffekt hat. Gesunder Humus filtert im Gegensatz dazu Schadstoffe aus der Atmosphäre und übt eine wesentliche Kühlfunktion aus.

Um den Humus muss man sich übrigens nicht nur in den westlichen Industriestaaten Sorgen machen. So werden etwa in Südamerika riesige Urwaldflächen für den Anbau von Soja gerodet. Dieses Soja wird als Futtermittel auch nach Österreich exportiert. Doppler sagt: „Alleine für den österreichischen Bedarf werden in Südamerika rund 400.000 Hektar Fläche bewirtschaftet. Und zwar in industrieller Raubbaumanier, ohne alle ökologischen Bedenken.“

Aber auch in der Heimat heißt es umdenken: „Die Bauern müssen eine neues Bewusstsein für den Wert des Bodens bekommen. Und die Politik muss diese Wertschätzung entsprechend fördern“, sagt Bio-Bauer Doppler.

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