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Experten halten Beteiligung weiterer Personen an Briefbomben für erwiesen

Von Von Lukas Luger   03.Dezember 2008

„Es gibt Hinweise, dass die Täter Kenntnis von bestimmten Papieren haben, die es bei uns im Haus gibt“, sagte der damalige Innenminister Caspar Einem gegenüber Medien im Oktober 1995. In den Bekennerschreiben der „Bajuwarischen Befreiungsarmee“ (BBA) waren immer wieder Anspielungen auf vertrauliche Informationen aus dem polizeilichen Ermittlungsapparat aufgetaucht. So etwa aus einem geheimen Gutachten des Salzburger Historikers Heinz Dopsch (66), das dieser im März 1995 für die Briefbombensonderkommission erstellte.

Der Professor ist sich sicher: „Der Verfasser der Bekennerschreiben hat mein Gutachten zu Gesicht bekommen.“ In späteren Schreiben habe dieser auf jene Passagen des Gutachtens reagiert, in denen er zu Recht korrigiert wurde. Etwa durch die spätere Übernahme korrekter Fachausdrücke. Die Folgerung des Experten: „Es gab wohl direkte Verbindungen zwischen Innenministerium und den Hintermännern der Briefbomben.“ Der Verteidiger von Franz Fuchs wollte Dopsch als Zeugen laden – der Richtersenat lehnte ab.

Für die Behörden ist klar: Franz Fuchs war ein Einzeltäter. Experten wie Dopsch oder der Sprachwissenschafter Günter Lipold meldeten nach Analyse der BBA-Bekennerbriefe erhebliche Zweifel an. Ihre Thesen: Weder verfüge Fuchs über das nötige historische Fachwissen, noch sei er allein für die Schreiben verantwortlich. Lippold kommt zu dem Schluss, dass zumindest drei Personen die BBA-Briefe verfassten.

Spuren nach Rumänien

Wenig bekannt ist, dass 1995 sieben Brief- und Buchbomben von Österreich aus nach Rumänien verschickt wurden. Mit dem Hinweis, die dortigen Behörden würden eine andere Spur verfolgen, stellte Sicherheitsdirektor Michael Sika Ermittlungen in diese Richtung aber umgehend wieder ein.

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07. Dezember 2019