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Olympia 2018

"Olympia ist ein sportliches Hochamt"

Von Christoph Zöpfl   03. August 2016 00:04 Uhr

"Olympia ist ein sportliches Hochamt"
Der Wiener Leichtathletik-Trainer Wilhelm Lilge bewundert die sportlichen Leistungen bei Olympischen Spielen, für die Herren der Ringe wie IOC-Präsident Thomas Bach gibt es allerdings harte Kritik.

LINZ / WIEN. OÖN-Interview: Querdenker Wilhelm Lilge über die Kehrseite der Medaillen und den Anführer eines sportpolitischen Selbstmordkommandos namens Thomas Bach.

Der Wiener Leichtathletik-Trainer Wilhelm Lilge ist immer dann ein gefragter Mann, wenn im Sport Skandale ans Tageslicht dringen. Als engagierter Doping-Bekämpfer und Kritiker eingerosteter Strukturen trifft er wunde Punkte oft präzise. Klarerweise macht er sich auch hintergründige olympische Gedanken. Ein Gespräch über den Reiz von Rio.

 

OÖN: Herr Lilge, wie ausgeprägt ist Ihre Vorfreude auf die Olympischen Spiele?

W. Lilge: Das ist eine zweischneidige Sache. Ich bin seit Jahrzehnten im Sport unterwegs, war vor vier Jahren selbst in London dabei und kenne viele schöne Seiten des Sports. In Rio wird man hochklassige Wettkämpfe der besten Athleten der Welt sehen. Olympia ist ein sportliches Hochamt, das man nicht schlechtreden sollte.

Und die andere Seite der Medaille?

Die wird von einem Funktionärs-unwesen geprägt. Das Verhalten des IOC unter Präsident Thomas Bach war in den vergangenen Jahren – vor allem auch was den Kampf gegen das Doping betrifft – eine Katastrophe. Und gerade jetzt ist auch das Katastrophen-Management Bachs katastrophal. Wenn er beispielsweise behauptet, es dürfen in Rio nur Sportler ohne Doping-Vorgeschichte dabei sein, dann verdient er die Goldmedaille im "Leute-für-blöd-Verkaufen".

Das Handling der Sanktionen für die russische Mannschaft ist unübersichtlich. Manche Sportler dürfen dabei sein, andere nicht. Juristen sind am Werk. Kommt das IOC überhaupt noch aus dieser Nummer raus?

Nein, Bach ist der Anführer eines sportpolitischen Selbstmordkommandos. Die olympische Idee wird gerade getötet. Viele Ideale, vor allem das Fair-Play, werden zu Grabe getragen.

Das passt jetzt aber nicht zu Ihrem Plädoyer für Olympia zu Beginn unseres Gesprächs ...

Es besteht ja trotzdem die Hoffnung, dass die sportlichen Wettkämpfe so toll werden, dass alles andere überlagert wird.

Was denken die Sportler selbst? Die meisten haben sich jahrelang sehr intensiv auf Rio vorbereitet und jetzt sind sie kurz vor den Spielen mit so vielen negativen Meldungen konfrontiert?

Spitzensportler müssen wahnsinnige, fast pathologische Egoisten sein. Sie sind voll darauf fokussiert, in ihren Wettkämpfen die bestmögliche Leistung abzurufen. Die werden jetzt nicht jede Zeitung lesen und sich mit diesen negativen Dingen intensiv beschäftigen. Das würde zu viel Energie kosten. Darum wäre es so wichtig, dass es Organisationen gibt, die davor schützen, dass Sportler im Wettkampf von Dopern betrogen werden. Das IOC betreibt in dieser Hinsicht einen klaren Fall von Unterlassung.

Wie sauber wird in Rio olympisch gespielt?

Ich bin mir sicher, dass zwei Drittel der Aktiven in ihrem Leben noch nie etwas mit Doping zu tun hatten. Aber leider wird wohl jede Spitzenleistung, jeder Rekord fast automatisch mit Doping assoziiert werden ...

Ist das österreichische "Projekt Rio" ein Erfolgsmodell?

Das Projekt ist aus dem Frust der medaillenlosen Spiele von London entstanden. Sein oberstes Ziel ist es, dass Österreich in Rio mindestens eine Medaille gewinnen wird. Ich bestreite, dass das wichtig ist. Besser wäre es gewesen, man hätte die 20 Millionen Euro für das Rio-Projekt beispielsweise in die Beschäftigung von 300 Trainern in Österreich investiert, die dann als Multiplikatoren nachhaltigen Nutzen stiften könnten. Objektiv betrachtet ist Österreichs Olympia-Mannschaft jetzt trotz Rio-Projekt nicht schlechter, aber auch nicht wirklich besser aufgestellt als in London. Es kann einige Medaillen holen – aber auch, wenn man Pech hat, wieder nichts gewinnen.

 

Saubere Spiele

  • 5000 Doping-Kontrollen sind bei den Olympischen Spielen in Rio geplant. Für 10.500 Aktive aus 206 Nationen sind 4000 Urin- und 1000 Bluttests vorgesehen. Die Proben werden zehn Jahre lang eingefroren, um sie mit feineren und neuen Analysemethoden später nachträglich untersuchen zu können. Das Ergebnis von Nachtests der Spiele in Peking 2008 und London 2012 ergab zusammen bisher 98 positive Befunde.
  • In den vergangenen Wochen sind insgesamt 2200 Athleten aus 96 Ländern bei Zielkontrollen getestet worden.
  • Analysiert werden die Proben im Kontrolllabor in Rio, das bis vor kurzem von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) noch suspendiert gewesen war. Rund zehn Millionen Euro sollen von der brasilianischen Regierung für die Anti-Doping-Arbeit während der Spiele zur Verfügung gestellt werden.

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