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Linz 09

Gastkommentar: Best of Austria – eine vertane Chance

Von von Roman Sandgruber   07. Januar 2009 00:04 Uhr

Best of Austria – eine vertane Chance
Gesammeltes im Lentos

Eine Kulturhauptstadt braucht auch eine Kunstausstellung. Martin Heller und Stella Rollig haben sich daher auf den Weg gemacht. Sie haben sich mit dem Anspruch „Best of Austria“ die Latte sehr hoch gelegt, augenzwinkernd zwar, aber doch auf Superlative spekulierend. Weil es in Linz und Oberösterreich angeblich keine Kunstsammlungen gibt, gingen sie in Österreich sammeln.

Eigentlich müsste man sagen: hausieren. Denn sie wählten nicht Kunstwerke oder Künstler aus, sondern Kunsthäuser, 30 davon, die gebeten wurden, jeweils drei Werke eigener Wahl beizusteuern. Das ergibt 90 von den jeweiligen Direktorinnen und Direktoren sicher sehr sorgfältig, aber ohne Kenntnis des Gesamtzusammenhangs ausgewählte Objekte, fast die Hälfte davon ohne jeglichen Bezug zu Österreich, vom mamlukischen Teppich aus Ägypten bis zum Holzschnitt „Rhein“ des deutschen Künstlers Anselm Kiefer.

Drei grundlegende Missverständnisse machen diese Vorgangsweise so problematisch. Erstens die Unterschätzung der Sammler: Wie alle Sammlungen sei auch die für Linz zusammengestellte Schau vom Zufall geprägt, sagen die Kuratoren. Als würden Sammler wie Rudolf Leopold oder Karlheinz Essl oder auch Museumsleiter und Direktorinnen den Aufbau ihrer Sammlungen dem Zufall überlassen und wie neureiche Kapitalisten einfach bei befreundeten Galeristen oder im Dorotheum anrufen, um sich von dort Objekte nach freier Wahl der Händler schicken zu lassen.

Zweitens die Verwechslung von Sammlung und Ausstellung: Eine Ausstellung kann nicht einfach wie im Sammlungsdepot oder auf einer Verkaufsausstellung nach dem Anfangsbuchstaben der Leihgeber oder nach dem Format der Objekte angeordnet werden, so dass sich der Besucher wie in den Messekojen des Rieder oder Welser Volksfestes vorkommen muss, ohne jedes inhaltliche oder didaktische Konzept. Im Lentos aber beginnt die Reihe der Objekte mit A wie Albertina und endet mit V wie Vorarlberger Landesmuseum. Dazwischen kommen die drei Leihgaben der Strabag hinter den dreien des Stiftes Admont, das Kunsthistorische Museum hinter dem Kunsthaus Bregenz, die EVN-Samlung vor der Gemäldegalerie der Akademie.

Das dritte Ärgernis ist die Geringschätzung der oberösterreichischen Sammlungen. 30 österreichische Häuser sind mit ausgestellten Objekten vertreten. Aber keine oberösterreichische Sammlung, außer die des Lentos selber. Das wird noch dadurch verstärkt, dass das Oberösterreichische Landesmuseum nicht wie die anderen Institutionen mit drei Objekten, sondern nur mit einem extra für „Best of Austria“ angefertigten Auftragsfilm vertreten ist, der zwar sehr feinfühlig geraten, aber im hintersten Winkel der Ausstellung versteckt ist.

Das entspricht der Grundüberzeugung der Kulturhauptstadtmacher, dass es in Oberösterreich bislang keine Sammlungstradition gegeben habe und das Land bis 1989, wie man bei der Eröffnung von den Kabarettisten der Gruppe Maschek „augenzwinkernd“ erfahren musste, von den Russen besetzt gewesen sei und bis zur Kulturhauptstadt einer kulturellen Wüste glich.

Dass es in Linz und in Oberösterreich keine lange und breit gefächerte Sammlertradition gegeben habe, ist eine krasse Fehl-meinung. Oberösterreich hat über 280 verschiedene Museen, dazu höchst ambitionierte Sammler in verschiedensten Unternehmen und Institutionen, die gegenüber den Sammlungen der Kulturabteilung der Stadt Wien, der Strabag, der Verbundgesellschaft, der EVN, der Erste Bank oder der überhaupt erst drei Jahre alten Sammlung der T-Mobile Austria sicher auch ohne „Augenzwinkern“ bestehen können.

Man hätte nur ins benachbarte Nordico gehen müssen, um hervorragende Sammlertraditionen kennen zu lernen, und natürlich ins Landesmuseum, das auf eine 175-jährige, ausgesprochen universale Geschichte zurückblicken kann. Hätte man sich etwas mehr im Lande umgesehen, in den Klöstern, Städten und Unternehmen, und die erbetenen Leihgaben dann verständnisvoll und didaktisch sinnvoll angeordnet, so hätte man im Verein mit den hoch angesehenen Häusern aus ganz Österreich eine großartige Visitenkarte der österreichischen und auch oberösterreichischen Kulturtradition abgeben können.

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