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Kommentar

Was kostet Barrierefreiheit?

Von Christoph Etzlstorfer   29. April 2013 00:04 Uhr

Funktion an erste Stelle stellen

Sie erinnern sich vielleicht an meine Kolumne vor einem Monat, die eine nicht ganz ernst gemeinte Anleitung zur Rollstuhlsicherheit, also zur Sicherheit vor Rollstuhlfahrern gab. Wie üblich bei Diskussionen über Barrierefreiheit wurde sehr schnell das Kostenargument angeführt.

Die Maßnahmen zur Rollstuhlsicherheit sind meist recht günstig. Den Schnee auf den Rollstuhlparkplätzen zu deponieren kostet genauso wenig, wie den Staubsauger und den Putzwagen in der Rollstuhltoilette abzustellen. Und die Kosten für eine zusätzliche Stufe beim an sich barrierefreien Eingang wie bei dem schon einmal erwähnten Postamt in Linz waren offenbar auch nicht zu hoch.

Sehen wir uns einmal die Kosten für Barrierefreiheit genauer an. Was passiert, wenn man ein Haus baut und vergisst, die Eingangstüren einzuplanen? Ein Haus ohne Eingangstür ist nur schwer benutzbar, also muss man mit hohem finanziellen Aufwand die Löcher für die Türen aufbrechen und die Türen einbauen. Oft entsteht der Eindruck, dass so bei der Planung der Barrierefreiheit vorgegangen wird. Man vergisst in der Planung einfach darauf und muss nachträglich korrigieren. Das wird natürlich teurer. Würde dieser Aspekt von Anfang an in die Planung einfließen, so gäbe es zwar Kosten, aber die wären geringer.

Allerdings stellt sich die Frage, warum gerade bei Barrierefreiheit immer das Kostenargument strapaziert wird. Wie oft werden aufwändige Fassaden geplant, die viel mehr kosten als eine ganz normale glatte? Vielleicht, weil sich damit eine Architekturpreis gewinnen lässt, nicht aber mit einem stufenlosen Eingang? Wie oft werden Glasplatten mit Sonderabmessungen verbaut, die nach einem Bruch für den Betreiber des Gebäudes (im konkreten Fall eine Schule) mit hohen Kosten verbunden sind?

Einen Typ von Gebäuden gibt es, bei dem Barrierefreiheit schon seit Jahrzehnten nicht mehr diskutiert wird. Nein, ich meine nicht Krankenhäuser und Rehabilitationszentren, sondern Supermärkte. Können Sie sich einen Supermarkt mit einer Stufe beim Eingang vorstellen? Jeder Kunde muss seinen Einkaufswagen über die Stufe heben?

Hier steht also ganz eindeutig die Funktion an erster Stelle, die ansprechende architektonische Gestaltung folgt an zweiter Stelle. Und die kommt offenbar sehr gut ohne Stufen aus, die bei allen anderen Gebäuden beim Eingang unbedingt notwendig scheinen. Allerdings passt dies in einen generellen Trend.

Man hat bei vielen Produkten (Gebäude, Autos, Handys) das Gefühl, der Hersteller wollte vor allem zeigen, was er alles kann und was technisch möglich ist.

Ob der Kunde damit tatsächlich besser bedient ist, wird dabei vernachlässigt.

Dr. Christoph Etzlstorfer ist Rollstuhlfahrer und ehemaliger Sportler des Jahres in Oberösterreich.

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