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Kommentar

Gegen blinden Fortschrittsglauben

Von Gerhard Schwischei   24. September 2012 00:04 Uhr

Gentechnik und Molekularbiologie haben die Medizin revolutioniert.

Und dennoch steckt diese Forschung vielfach erst am Anfang eines noch langen Weges, um das hochkomplexe System von Abermillionen unterschiedlicher Schaltstellen im menschlichen Körper zu verstehen. Geschweige, sie gezielt beeinflussen zu können.

Im Gegensatz zur Medizin wurde zumindest in Teilen Europas wie in Österreich oder Frankreich die „grüne“ Gentechnik von Anfang an mit viel größerer Skepsis beurteilt. Wohl zu Recht, wie neue Studien über  „Genmais“ zeigen. Ähnlich wie in der medizinischen Genforschung scheint sich auch hier zu bewahrheiten, dass auf dem ersten Blick einfach und schlüssig  scheinende Lösungen ihre Tücken haben können. Der Druck der industrialisierten Landwirtschaft war bisher dennoch groß genug, um weltweit gentechnisch veränderten Nahrungs- und Futtermitteln den Weg zu ebnen. 

Die EU-Staaten bildeten dabei keine Ausnahme, diesem Drängen nachzugeben. Heimische Biobauern und Konsumenten werden zwar durch Anbauverbote und strenge Vorschriften zur Kennzeichnung geschützt. Doch auch hierzulande sind genmanipulierte Futtermittel weit verbreitet.

Französische Genforscher haben nun erstmals in zwei Jahre dauernden Studien nachgewiesen, dass Ratten früher sterben und öfter an Krebs erkranken, wenn sie mit genmanipuliertem Mais gefüttert werden. Egal wie viele berechtigte Zweifel es an dieser Untersuchung es gibt, wie sehr die Wissenschafter einander bereits in den Haaren liegen und die neuen  Ergebnisse erst bestätigt werden müssen: Unbestritten ist, dass es bisher zu wenig Langzeituntersuchungen gibt. Es galt zu sehr die Unschuldsvermutung: Solange nicht bewiesen ist, dass genveränderte Lebensmittel krank machen, gilt das Gegenteil.

Zu fordern ist aber eine Beweislastumkehr: Die Nahrungsmittelindustrie muss belegen können, dass ihre Produkte gesundheitlich unbedenklich sind. Wahrscheinlich muss man sich eben doch noch genauer anschauen, was es für den Menschen heißt, wenn Pflanzen gegen den massiven Einsatz von Unkrautvernichtern immun gemacht werden oder selbst Substanzen produzieren, um Schädlinge zu töten.

Der hohe Sicherheitsstandard, der in der Medizin selbstverständlich ist, muss auch in der hochtechnologisierten Landwirtschaft gelten. Gerade der Gentechnik darf man nicht mit blindem Fortschrittsglauben folgen.

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