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Kommentar

Die Sicht der Anderen: Sind wir nicht alle Teil einer Minderheit?

Von Christoph Etzlstorfer   14. Dezember 2012 00:04 Uhr

Sind wir nicht alle Teil einer Minderheit?

Vor wenigen Wochen wurde in der Radiosendung „Kontext“ auf Ö1 das Buch „Arme Roma, böse Zigeuner“ vorgestellt.

Der Autor behandelt Vorurteile gegenüber der Volksgruppe der Roma und stellt fest, dass 70 Prozent der Zeitungsmeldungen im Zusammenhang mit dem Begriff Roma Negativmeldungen sind. Einer der Gründe dafür ist, dass gut situierte und gesellschaftlich anerkannte Mitglieder dieser Gruppe ihre Herkunft verschleiern, um nicht mit dem negativen Image konfrontiert zu werden. Woher dieses Image kommt, ist jetzt zweitrangig. Es geht darum, dass Menschen allein aufgrund ihres Äußeren oder ihres Bekenntnisses zu einer Gruppe benachteiligt werden.

Damit können wir den Schritt von ethnischen Minderheiten hin zu Menschen mit Behinderungen machen, denen man allein aufgrund der Tatsache, dass sie zu einer bestimmten Gruppe, eben den „Behinderten“, gehören, weniger zutraut. Sehen wir uns Menschen mit psychischen Erkrankungen oder degenerativen Muskelerkrankungen wie Multiple Sklerose an. Hier gibt es jeweils einen weiten Bereich, den Grad und die Schwere der Einschränkungen betreffend. Bei manchen ist die Krankheit so weit fortgeschritten, dass sie ganz eindeutig als behindert erkennbar sind. Genauso gibt es Betroffene, die zum Teil seit Jahrzehnten mit diesen Krankheiten leben, wobei diese äußerlich nicht oder kaum erkennbar sind. Würden sie sich deklarieren, so würde sich das Image dieser Krankheiten verändern und weniger negativ gesehen werden, weil dann klar wird, dass der Verlauf nicht zwangsläufig zu Hilflosigkeit und Abhängigkeit führt. Allerdings würden diejenigen, die diesen Schritt tun, Gefahr laufen, dass man sie diskriminiert und ihnen weniger zutraut. Das würde oftmals am Arbeitsplatz ganz massive Auswirkungen nach sich ziehen. Diese Nachteile würden sie mehr und früher spüren als den ganz langsamen Wandel des Images der jeweiligen Krankheit.

Der einzige Weg aus diesem Dilemma ist wohl, Menschen ganz allgemein mit weniger Vorurteilen zu begegnen, sie nicht von Anfang an in Schubladen zu stecken und sie an der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe einzuteilen. Dies gilt für jeden von uns. Auch Menschen, die Minderheiten angehören, haben Vorurteile anderen gegenüber. Und schließlich gehört fast jeder Mensch in irgendeiner Form einer Minderheit an, seien das jetzt ethnische Gruppen, aber auch Rollstuhlfahrer, Blinde, Blondinen, Rothaarige, Beamte, Lehrer, Studenten, Motorradfahrer, Jugendliche, Pensionisten, Banker, Politiker, die Liste lässt sich lange fortsetzen. Lösen wir uns doch von diesem Gruppendenken und den damit verbundenen Vorurteilen, sehen wir die Menschen mit ihren ganz individuellen Fähigkeiten.

Dr. Christoph Etzlstorfer ist erfolgreicher Rollstuhlsportler und schreibt regelmäßig in den OÖN.

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