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Kommentar

Die Sicht der Anderen: Barrierefreies Bauen und der Blick auf die Kosten

Von Christoph Etzlstorfer   06. Juli 2012 00:04 Uhr

Barrierefreies Bauen und der Blick auf die Kosten

Man hat zuerst die Barriere gebaut, um sie nachher mit Kosten wieder beseitigen zu können.

Barrierefreies Bauen wird mehr und mehr zum Thema bei Neubauten. Dabei taucht immer wieder das Kostenargument auf.

Barrierefreies Bauen sei teurer und den Bauträgern bzw. Bauherrn trotz der Landesförderungen nicht zumutbar. Dass diese Kosten des Öfteren durch mangelhafte Planung entstehen, wird gerne übersehen. Das möchte ich am nachfolgenden Beispiel aufzeigen.

Postämter sind so wie viele andere Geschäftslokale sehr oft, aber nicht immer, barrierefrei erreichbar. Eines werde ich hier vorstellen, vielleicht erkennen Sie es sogar. Es befindet sich in einem großen Gebäude im Erdgeschoss. Vor dem Eingang ist ein Vorplatz, der mit Kopfsteinpflaster belegt ist. Dieses zieht sich bis zur Eingangstür, eine leichte, kaum erkennbare Steigung überwindet den Niveauunterschied von etwa zehn Zentimetern.

So weit, so gut. Das Postamt ist barrierefrei und ohne Stufen erreichbar. Aber dann ist etwas passiert, schon bei der Planung. Der Architekt ist vermutlich vor seinem Reißbrett gestanden (der Bau entstand in den 1980er Jahren, da gab es noch keine Entwürfe am Computer), er sieht sich also den Bauplan an und merkt: Da fehlt etwas. Was fehlt nur? Dann schlägt der Blitz der Erkenntnis ein. Eine Stufe beim Eingang, die muss hin, sonst ist das kein Eingang.

Und so blieb nur etwa ein Drittel der Breite stufenlos, bei den anderen zwei Dritteln wurde ein schöner Betonbalken als Schwelle verlegt. Und da man Rampe und Stufe irgendwie trennen muss, wurde auch in Gehrichtung eine Betonleiste verlegt und mit einem Geländer versehen.

Somit hatte alles wieder seine Ordnung. Vielleicht ist es aber ganz anders abgelaufen. Die Betonstufe war von Anfang an vorgesehen, aber um Barrierefreiheit zu gewährleisten, wurde die Stufe verkürzt und die Rampe gepflastert.

Man hat also zuerst die Barriere gebaut, um sie nachher mit Kosten wieder zu beseitigen. Und damit konnte man den Mythos, dass Barrierefreiheit Kosten verursache, wieder bestätigen. Dabei war im ersten Fall tatsächlich die barrierefreie Bauweise kostengünstiger. Und im zweiten Fall sind diese Kosten dadurch entstanden, dass zuerst Barrieren aufgebaut wurden, die dann wieder beseitigt werden mussten. Hier liegt die Herausforderung für Architekten und Bauherrn. Sinnvolle Planung, die den Aspekt der Barrierefreiheit von Anfang an im Blick hat, wird in der Regel nur unwesentlich Mehrkosten verursachen.

Dr. Christoph Etzlstorfer ist erfolgreicher Rollstuhlsportler und schreibt regelmäßig in den OÖN.

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