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Kommentar

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Von Christoph Etzlstorfer   12. Oktober 2012 00:04 Uhr

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Los Angeles an der Westküste der USA hat eine Ausdehnung von 200 Kilometern, die zehn Millionen Einwohner bewegen sich auf acht oder zehnspurigen Autobahnen. Das erste Bild, das dazu auftaucht, ist der Hollywood-Schriftzug, damit verbunden sind die Filmindustrie, die ...

Das erste Bild, das dazu auftaucht, ist der Hollywood-Schriftzug, damit verbunden sind die Filmindustrie, die Oscars, die Universal Studios. Entlang der Küste liegen die Touristenzentren Venice Beach und Santa Monica.

Will man sich in dieser Stadt als Tourist fortbewegen, so nimmt man ein Leihauto oder ein Taxi und findet sich oft genug orientierungslos im Stau. Die Alternative sind die öffentlichen Verkehrsmittel. Es gibt ein bestens ausgebautes System an Bussen und Metro. Auf einer Homepage gibt man Start und Ziel seiner Reise an und erhält Pläne mit den jeweiligen Verbindungen inklusive Fahrzeit, Umsteigepunkten und Gebühren.

Für den Besucher ungewohnt ist, dass alle Busse mit Hebebühnen oder Rampen ausgestattet sind und es für die Fahrer selbstverständlich ist, diese zu bedienen. So steht man mit den Bussen zwar auch im Stau, aber es ist billiger als mit dem Taxi und entspannter als im Leihauto. Die Metro, die teilweise unterirdisch, teilweise oberirdisch geführt wird, ist ebenfalls völlig barrierefrei.

Restaurants, Kinos, Theater, Museen, Vergnügungsparks, alles ist zu hundert Prozent berollbar. Auffällig ist, dass in keinem Stadtplan Toiletten für Rollstuhlfahrer eingezeichnet sind, es gibt auch nirgends Hinweisschilder. Der Grund dafür ist simpel. Jede Toilette, ob öffentlich oder in einem Lokal, hat eine etwas größere Kabine, die mit dem Rollstuhl benutzbar ist. Das ist so völlig normal, dass es nicht notwendig ist, sie besonders zu kennzeichnen.

Möchte man sich als Rollstuhlfahrer ein Basketballspiel der Los Angeles Lakers oder ein Eishockeyspiel der L.A. Kings ansehen, so ist auch das ungewohnt unkompliziert. Es gibt Karten für Rollstuhlplätze auf jedem Preisniveau, und es gibt daneben ausreichend Plätze für Freunde, die ohne eigene Sitzgelegenheit hinkommen.

Und jetzt ist die Frage, warum das alles so bemerkenswert ist. Warum ist es wohl so außergewöhnlich, dass man sich dort als Rollstuhlfahrer genauso fortbewegen kann wie jemand, der gehen kann? Diese Antwort wird der interessierte Leser sicher schon erkannt haben.

Es wird in Österreich und in weiten Teilen der übrigen Welt zwar stetig besser, aber es ist noch viel Platz für Entwicklung. Das Sozialsystem mag zwar in den USA so wie manches andere verbesserbar sein, in Bezug auf Barrierefreiheit ist man hier tatsächlich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Dr. Christoph Etzlstorfer ist erfolgreicher Behindertensportler, ehemaliger Sportler des Jahres in Oberösterreich und schreibt regelmäßig für die OÖNachrichten.

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