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Welches konventionelle Auto schafft so etwas?

Heute habe ich Marokko erreicht, Zeit für eine kleine Zwischenbilanz.

In sieben Tagen hat Krautgartner 2900 Kilometer zurückgelegt. Mit einem Elektroauto, das eine durchschnittliche Reichweite von 200 km hat. Bild: privat

In sieben Tagen bin ich 2900 km gefahren. Vom Herzen Österreichs, durch die Schweizer Berge über das Rhonetal Frankreichs und entlang der Ost- und Südküste Spaniens. Mit einem Elektroauto, das eine durchschnittliche Reichweite von 200 km hat. Natürlich, andere würden diese Strecke in zwei oder drei Tagen hinter sich bringen. So wie auch zwei Reisekollegen mit dem Tesla. Die sind von dem perfekt ausgebauten Netz an Superchargern – die nur Teslafahrern vorbehalten sind - wesentlich leichter.

Für ein „normales“ Elektroauto sind solche Distanzen natürlich nicht das primäre Einsatzgebiet. Aber gerade das macht die Sache ja so spannend. Von Gschwandt nach Wien oder Graz zu fahren ist schon länger keine Herausforderung mehr.

26 Mal habe ich in den letzten Tagen ein Ladekabel angesteckt. Öfter, als man bei der möglichen Reichweite annehmen würde. Aber nicht immer kann man diese voll ausschöpfen, man muss die Gelegenheiten nutzen, wenn sie sich bieten. Nur zwei Mal musste ich die die Grenzen der Ladekapazität ausreizen.

Kaum Probleme

Alle Ladestationen waren an den angegebenen Positionen vorhanden (was gar nicht so selbstverständlich ist) und haben erwartungsgemäß funktioniert. Ausgenommen drei Mal, da war längeres warten angesagt. Schwierigkeiten, die mich am Weiterkommen gehindert hätten, hat es keine gegeben. Eine sehr gute Bilanz, denke ich, befindet sich die Ladeinfrastruktur noch immer ziemlich in den Kinderschuhen. Wenngleich die Entwicklung in den letzten Monaten durchaus als rasant bezeichnet werden kann.

Aufgeschlossene Menschen

Die Menschen, mit denen ich es zu tun hatte, waren immer sehr interessiert und hilfsbereit. Die Rezeptionistin in einem Landhotel zum Beispiel, die mich dann ihre zur Rumpelkammer umfunktionierten Tiefgarage mit viel zu enger Abfahrt lotste. Oder auch der Wachdienst bei der Universität Almeria, wo ich auf eigentlich abgesperrtem Gelände stand. Er machte dann noch Fotos vom Auto und wir unterhielten uns mehr schlecht als recht „mit Händen und Füßen“.

Höchste Effizienz

Über die gesamte Strecke ergab sich ein Verbrauch von 12,8 kWh je hundert Kilometer. Umgerechnet auf Diesel sind das 1,3 l/100km. Von Österreich bis Südspanien mit nicht mal 40 Liter fossilem Treibstoff, welches konventionelle Auto schafft das? Diese Zahl zeigt eindrucksvoll einen wesentlichen Vorteil von Elektroautos: ihre Effizienz. Sie gehen mit der eingesetzten Energie – in diesem Fall Strom – äußerst sorgfältig um, gut 90 Prozent werden in Bewegung umgesetzt. Der Verbrennungsmotor bringt hingegen nur 25 Prozent auf die Straße. Drei Viertel werden in Wärme umgesetzt. Stellen Sie sich vor Sie tanken 60 Liter. 45 davon verpuffen als heiße Luft in die Atmosphäre.

Ausblick

Marokko ist nicht mit Europa zu vergleichen, insbesondere was die Ladeinfrastruktur betrifft. Die Lademöglichkeiten werden noch seltener und schwächer in ihrer Leistungsfähigkeit, als ich es bisher gewohnt war. Das heißt, mit der vorhandenen Energie muss noch sparsamer umgegangen werden, um die Distanzen überhaupt bewältigen zu können. Schließlich liegen noch 800 km bis zum Ziel vor uns… 

 

Der 49-jährige Unternehmer Kurt Krautgartner aus Gschwandt bei Gmunden nimmt an der E-Rallye „Rive Maroc 2017“ teil, die ein Jahr nach dem Klimagipfel in Tanger (Marokko) gestartet wird.

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Artikel Kurt Krautgartner 10. Oktober 2017 - 18:20 Uhr
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