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Unter Strom

Ich tauschte zweitausend Kilometer Autofahrt gegen 48 Stunden Schifffahrt. Mit der Fähre schipperte ich gemütlich von Tanger nach Genua. Das wurde mir fast etwas zu gemütlich.

Bild: Kurt Krautgartner

Von einem Tag auf den anderen sehe ich mich damit konfrontiert nichts mehr planen zu müssen. Nicht überlegen, wo die nächste, die übernächste Ladestation ist und wie das morgen sein wird. Verdammt zum Nichtstun. Abschalten fällt mir echt schwer nach 14 Tagen unter Dauerstrom. Jetzt erst wird mir bewusst: Das Navigieren in unbekannten Ländern, die Ungewissheit, was morgen kommt, kurze Nächte in fremden Betten haben mich ordentlich gefordert und den Adrenalinspiegel hochgehalten. Auf dem Schiff gilt aber: Entspannung pur. Nichtmal Internet kann als Ablenkung dienen, kein Empfang auf hoher See.

Auch während der Ladepausen kam ich nicht zum Relaxen. Etwas zu essen oder trinken organisieren, Toilette. Und immer wieder die Route und Ladestationen checken. Gibt’s irgendwo Hinweise, dass etwas nicht funktioniert? Wo werde ich abends landen? Welche Möglichkeiten der Übernachtung gibt’s dort? Oder eben mit den anderen Rallyeteilnehmern über Ihre Erfahrungen plaudern. Und immer wieder interessierte Passanten informieren, die ungläubig staunend Fragen stellen.

Zurück zum Start

Nach einer ganzen Weile auf dem Meer fange ich an, den Zustand zu genießen. Auf einmal wird das beschauliche Fährleben unterbrochen: Nach dem Zwischenstopp in Barcelona wendet das Schiff unerwartet und legt wieder an. Unruhe kommt in die Passagiere und Unsicherheit macht sich breit. Irgendein technisches Problem angeblich, das behoben werden wollte.

Acht Stunden verspätet erreichen wir schließlich das italienische Festland und weitere drei Stunden vergehen, bis mich der Zoll in die Freiheit entließ. Wirklich die mühsamste Wartezeit auf der ganzen Reise. Und kurioserweise hat genau jenes Verkehrsmittel die größte Verzögerung verursacht, wo ich es am wenigsten vermutet hätte.

Heimweh

Die 800 Kilometer von Genua über den Brenner bis nach Oberösterreich hab ich in einem Rutsch absolviert. Heimkommen war das Ziel. Die Fahrt verlief dank der ausreichend vorhandenen Schnelllader völlig problemlos. Meine Strategie, so schnell wie möglich zu fahren und in kürzeren Abständen zu laden, bestätigte sich erfolgreich. Highlight auf dieser Strecke: Bei keiner einzigen der gewählten Ladestationen war eine Bezahlung fällig.

Gesamtbilanz

Gefahren bin ich insgesamt 5.583 km und 48 Mal habe ich das Auto angesteckt. Der Durchschnittsverbrauch lag bei 12,3 kWh/100km (entsprechend 1,2 Liter Diesel je 100 km) und die „Treibstoffkosten“ insgesamt unter 100 Euro, weil sehr viele Ladungen kostenlos waren. Das Elektroauto hat sich als zuverlässiges Reisemittel dargestellt, echte Probleme zu Strom zu kommen, haben sich nicht ergeben. Klar, etwas mehr Zeit ist einzuplanen und Flexibilität ist manchmal gefragt. Schließlich steckt das Thema noch in den Kinderschuhen und gerade bei der Ladeinfrastruktur ist auf manchen Strecken noch Luft nach oben. Auch wenn wir in Mitteleuropa bereits sehr gute Bedingungen vorfinden. Damit haben die Erfahrungen meine Erwartungen bestätigt: Für die täglichen Fahrten ist das Elektroauto bereits jetzt für die meisten Menschen voll einsetzbar, auf der Langstrecke gibt es noch ein paar weiße Flecken auf der Landkarte und Verbesserungen sind möglich, um die Akzeptanz zu verbessern. Exponentiell steigende Zulassungszahlen lassen einen zügigen Ausbau der Ladeinfrastruktur erwarten.

Wer weitere Informationen zur Reise oder zur Elektromobilität allgemein wünscht, ich freue mich auf Zuschriften: kk@yousoom.com.

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Artikel Kurt Krautgartner 23. Oktober 2017 - 09:23 Uhr
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