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Mit dem E-Auto nach Afrika

Am Rande der Wüste

Von Kurt Krautgartner   18. Oktober 2017 12:45 Uhr

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Bild 1/8 Bildergalerie: Am Rande der Wüste - Mit dem E-Auto durch Marroko

Die RIVE MAROC endete – viel zu rasch - mit einem ganz speziellen Event und einer besonderen Überraschung für mich.

Der Endpunkt der Tour war ein Hotel am Rande der Wüste in Ourzazate. Zahlreiche Schauspielerinnen und Schauspieler verbrachten hier Ihre Zeit, diese unwirtliche Gegend diente dutzenden Filmen als Hintergrund. Dementsprechend wimmelte es hier von Filmutensilien bis hin zu diversen Kulissen – vom Düsenflieger bis zum ägyptischen Tempel. Und so versorgte man uns zur Abschlussfeier mit Kostümen aus der römischen Epoche. Für mich wurde eine Soldatenbekleidung ausgewählt.

And the Oscar goes to…

Zu jedem Bewerb gehört natürlich eine Siegerehrung. Die Rallye wollte jedoch kein strenger Wettkampf um Sekunden sein. Sie wollte den Spaß am Elektroautofahren mit der Bewusstseinsbildung für diese Technik in Marokko verbinden und auch soziales Engagement zeigen. Die wesentlichen Wertungskategorien waren Fahrzeugeffizienz, Länge der Anreise, Social Media-Aktivitäten und Spendenmenge. Ein unglaublich sparsames Fahrzeug (Hyundai Ioniq), unzählige Fotos und Postings auf Facebook (www.facebook.com/yousoom), sowie gebrauchte Laptops (von labdoo.org) und Kleidungsspenden für eine Ökoschule im Hohen Atlas addierten sich zur höchsten Gesamtpunktezahl und führte zum Sieg für den römischen Soldaten. Unglaublich, meine Anstrengungen haben sich ausgezahlt. Total überwältigt nahm ich die Auszeichnung entgegen.

Das Ziel ist nicht das Ende

Der südlichste Punkt unserer Tour ist nicht das Ende der Reise, sondern eigentlich nur Halbzeit. Wir müssen ja auch wieder nach Hause. Die Rückreise durch Marokko machte mir schon etwas Sorgen, weil ja fast alle Ladepunkte an der Hinfahrt nur für uns aufgebaut waren und ich Zweifel hatte, ob die auch auf der Rückfahrt noch bzw. wieder zur Verfügung standen. Wie sich herausstellen sollte, waren meine Sorgen nicht ganz unbegründet.

Die Organisatoren der RIVE MAROC beteuerten zwar, dass sie die Zusagen hätten, wir könnten die meisten Stationen wiederum verwenden, sogar am Sonntag, dem ersten Tag unserer Rückreise. Aus den Erfahrungen der letzten Tage wusste ich, was Zusagen hier wert sind.

Überraschungen am laufenden Band

Beeindruckt von unglaubliche Ausblicken bei der Anfahrt auf das Atlasgebirge - Gestein und Sand in unzähligen Farbschattierungen – hielt ich an der ersten Ladestation, auch wenn es nicht notwendig war. Sicher ist sicher.

170 km bis zur nächsten Ladestation. Das geht sich leicht aus, den Berg runter. Während der Fahrt erfuhr ich: Leider nein, sonntags doch kein Zugang. Na gut, die nächste Station kommt nach weiteren 100 km. Geht auch noch, bei vorsichtiger Fahrweise. Dann die Info: Auch geschlossen. Was jetzt? Übernachten und Montag laden. Die Recherche im Internet zeigt jedoch: Kein Hotel oder ähnliches in der Nähe, eben keine Touristengegend. Die Empfehlung nach Casablanca zu fahren lehne ich ab, das kann sich nicht ausgehen. Das wären dann insgesamt 330 km und das ist für ein 200 km-Auto doch zu viel. Aber was sind die Alternativen?

Vom Gebirge herunter und die niedrige Geschwindigkeit auf den Landstraßen ergaben einen bisher geringen Verbrauch, klar. Jetzt geht es aber flach dahin, auf der Autobahn. Zweifel und Hoffnung wechseln sich ab. Also ausprobiert, welcher Verbrauch sich bei 70 km/h einstellt. Doch heftiger Gegenwind ließ meine Erwartungen schwinden. Keine Chance, wenn das so weitergeht. Gottseidank beruhigte sich das Wetter bald und die Verbrauchswerte kamen in vernünftige Bereiche. Immer wieder nachkalkuliert: Wenn alles so bleibt, dann geht es sich aus. Und ein bisschen Sicherheitspolster ist auch noch drinnen. Ständig beobachtend, wie sich Entfernung und Ladezustand entwickeln.

Niemals, dachte ich zuvor

Spannend bis zuletzt. Noch einiges Rumkurven, um die Zufahrt zum Hotel in der Nähe der Ladestation zu finden. Und siehe da, es wären noch 20 km möglich. Ich konnte also die übliche Reichweite des Autos um rund 50 % steigern. Das zeigt, welche ungeheuren Auswirkungen die Umweltbedingungen und noch viel mehr die Fahrweise, respektive Geschwindigkeit, auf den Verbrauch haben.

Warum ist das bei Benzin- und Dieselautos nicht so stark zu beobachten? Erstens gleichen sich die verschiedenen Bedingungen über die längeren Distanzen, die zwischen zwei Tankfüllungen liegen, eher aus. Und zweitens werden drei Viertel des Treibstoffs ohnehin in nutzlose Wärme umgewandelt, sodass die Fahrweise einen viel kleineren Einfluss auf den Verbrauch hat, als bei Elektroautos, die in der Energieumwandlung viermal effizienter sind.

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