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Theologie der Verachtung

Von Efgani Dönmez   30. Juli 2016 00:04 Uhr

Wer von Turboradikalisierung der Jugendlichen durch Extremisten redet und die Gewalttaten als psychisch-krankhafte Handlungen verharmlost, hat nicht verstanden, worum es geht.

Nach dieser Logik hätten wir in Österreich mehr als 800.000 potenzielle Täter. Wer ist denn schon gesund und bei Verstand, wenn er jemand die Kehle durchtrennt?

Es gibt einen Nährboden, welcher für Radikalität, Fundamentalismus und Extremismus aufbereitet wird. Vieles davon wird mit dem Islam in Zusammenhang gebracht. Im Islam gibt es drei tragende Säulen, den Koran, die Hadithe sowie die Sunna. Faktum ist, dass fast alle islamistischen Terroristen junge, in europäischen Städten geborene und aufgewachsene Menschen sind. Der koranische Islam ruft die Gläubigen dazu auf, ihren Verstand und ihre Vernunft zu benutzen. Davon hat sich die islamische Welt, vor allem die Vertreter des politischen Islams, weit entfernt. Diese Entfremdung zwischen den Muslimen und dem heiligen Buch betreiben viele Ableger, welche im Namen des Islams die Deutungshoheit an sich gerissen haben. Insbesondere die Vertreter des politischen Islams. Davon gibt es in Österreich zu viele. Sie haben sich unter dem Dach der IGGÖ, der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich, versammelt.

Die Theologie der Verachtung wird im Namen des Islams fast ausschließlich über die Hadithen von den islamischen Rechtsschulen in alle Welt hinausgetragen. Die Vertreter des politischen Islams sind die Vollstrecker. Das beste Beispiel lieferte die IGGÖ, deren Präsident einen türkischen Rechtsextremen zum Generalsekretär macht. Auf Druck der Öffentlichkeit ermahnt er diesen, nicht den Wolfsgruß zu tätigen. Scheinheiligkeit zum Quadrat im Namen der Religion.

Wer unterstützt diese reaktionären Kreise? Eine Mischung aus österreichischen Politikern, Beamten und Menschen aus Kirchenkreisen. Manche Mitarbeiter des Kultusamtes geben diesen Leuten Rückendeckung. Hochrangige Kirchenvertreter kooperieren unter dem Deckmantel des interreligiösen Dialoges mit diesen reaktionären Gruppierungen. Bundeskanzler Kern wurde Opfer seiner eigenen Berater, welcher zum Dialog mit türkischen Verbänden geladen hat. Auf der Gästeliste waren ausschließlich reaktionäre Vertreter des politischen Islams, türkischer und arabischer Herkunft geladen. Als ob es keine aufgeklärten Gruppierungen aus der Türkei gäbe.

Wer führt unsere Gesellschaft so gezielt aufs Glatteis? Wer profitiert davon? Warum wird das gemacht? Das sind berechtigte Fragen, welche wir den Herrschaften stellen sollten. Wer nicht versteht, dass diese Gruppierungen bei uns Freiheiten nutzen, welche sie im Herkunftsland anderen vorenthalten, braucht sich nicht wundern, dass der gesellschaftliche Frieden bei uns auf dem Spiel steht.

Efgani Dönmez ist ehemaliger Bundesrat der Grünen.

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