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Vom Diesel zur E-Mobilität: Der Skandal, der Volkswagen hilft

Die Wolfsburger stecken 44 Milliarden Euro in neue Techniken – Aber: Ist die Summe tatsächlich so hoch, wie sie klingt?

Vom Diesel zur E-Mobilität: Der Skandal, der Volkswagen hilft

Herbert Diess Bild: APA

Typisch deutsch, könnte man sagen. Packen unsere Lieblingsnachbarn etwas an, dann richtig. Wie beispielsweise bei der Berliner Mauer. Innerhalb kürzester Zeit war das Schandmal fast zur Gänze verschwunden – zum Entsetzen vieler Historiker und Touristen. Beispiele wie diese lassen sich zuhauf auflisten. 2015 überkam die Nation der Dieselskandal. Der Verursacher, Volkswagen, bremste seither beharrlich bei Alternativantrieben, um nun gestärkt aus der Krise hervorzugehen. 44 Milliarden Euro würde der Konzern bis 2023 in die E-Mobilität, das autonome Fahren, neue Mobilitätsdienste sowie die Digitalisierung neuer Fahrzeuge investieren, verkündete VW-Chef Herbert Diess dieser Tage. Klingt viel, ist viel – und auch wieder nicht. 44 Milliarden: Laut VW ein Drittel der Planungsausgaben zwischen 2019 und 2023. Ein anderer Vergleich relativiert das norddeutsche Zahlenspiel: 2017, also in nur einem Jahr, verbuchte der VW-Konzern trotz Strafzahlungen (Dieselskandal) 11,4 Milliarden Euro Nettogewinn. Also ein Viertel der künftigen Investitionssumme, die in fünf Jahren ausgegeben wird.

Zentrale der E-Produktion

Die bestehenden VW-Werke Emden, Hannover und vor allem Zwickau werden E-Auto-Produktionsstätten. Ein neues Werk in Osteuropa soll helfen, die hochgesteckten Produktionsziele zu erreichen. 330.000 E-Pkw sollen 2025 in der einstigen Horch-Hochburg Zwickau vom Band rollen, insgesamt kalkuliert der Konzern mit einer Million Elektro-Einheiten pro Jahr. Ein hehres Ziel.

Spielt der Markt mit? Autokäufer bekunden derzeit – aufgestachelt durch die Dieselfahrverbote in Deutschland – reges Interesse an der E-Mobilität. Doch bis zur Unterschrift unter den Kaufvertrag ist der Weg weit. Die teils überschaubaren Reichweiten bremsen ebenso das Interesse wie die langen Ladezeiten. Und vor allem: Wo sollen E-Auto-Besitzer laden? Privat fehlt in der Stadt oft die Möglichkeit, an öffentlichen Stationen ist Strom teils vier- bis fünfmal so teuer wie ein vergleichbarer Benziner, rechnete dieser Tage ein OÖN-Leser vor. Und: "Es fehlen am Land Schnellladestationen", kritisierte ein anderer. Linz AG und Energie AG haben den Ausbau gestoppt – die Versorgung sei ausreichend.

Nur Stückwerk

Die Politik wiederum liefert Stückwerk, um die E-Mobilität auf Touren zu bringen. Da und dort ein wenig Kosmetik ist zu wenig.

Zurück zu Volkswagen: Der Konzern ist nicht als "First Mover", als Pionier bekannt. Doch wenn VW etwas anpackt, dann ist der Erfolg (fast) garantiert. Nicht zuletzt wird den Wolfsburgern beim Umstieg auf die E-Mobilität ein Skandal helfen, den sie selbst verursacht haben: der Dieselskandal.

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Artikel Carsten Hebestreit 29. November 2018 - 00:04 Uhr
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