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Opel-Chef: "Wir werden weit unter unserem Wert geschlagen!"

Alexander Struckl über neue Modelle, die Elektrifizierung und das Imageproblem.

Opel-Chef: "Wir werden weit unter unserem Wert geschlagen!"

Bild: Thomas Lehmann

Als der französische PSA-Konzern Anfang März 2017 die deutsche Traditionsmarke Opel vom US-Unternehmen GM kaufte, keimten Befürchtungen auf, die neuen Bosse aus Paris könnten Opel-Standorte schießen und Opel-Modelle ins Ausgedinge rollen. Heute, 14 Monate nach der Übernahme, werden die ersten Auswirkungen der französisch-deutschen Verschränkung sichtbar. OÖN-Motor-Ressortleiter Carsten Hebestreit sprach darüber mit Österreichs Opel-Chef Alexander Struckl.

 

OÖN: Opel ist im Umbruch. Was ist in Österreich passiert, seitdem das deutsche Traditionsunternehmen von PSA übernommen worden ist?

Struckl: Wir haben einen klaren Fahrplan in unsere Zukunft. Hauptpunkt ist, dass wir an uns selbst arbeiten. Wir haben auf der einen Seite extrem gute Produkte – Astra war "Car of the Year 2016", Insignia "Car of the Year 2009". Auf der anderen Seite müssen wir günstiger produzieren.

Welche Auswirkungen hat die Opel-Übernahme auf Österreichs Opel-Kunden?

Unmittelbar keine. Wir bieten weiter starke Autos zu attraktiven Preisen an. Also, für den Kunden ändert sich nichts. Allerdings betrifft’s natürlich mich mit meiner Mannschaft, wir müssen jeden Cent umdrehen.

Wo wird denn gespart?

Wir werden anders produzieren, anders investieren. Wenn ein Bohrer stumpf ist, wird man nicht eine neue Bohrmaschine kaufen, sondern einen neuen Bohrer. Wir als Großindustrie müssen uns verstärkt fragen: Was brauchen wir wirklich? Wo hat’s Sinn zu investieren? Dort können wir rasch am meisten sparen.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sagt, Opel habe sich zu lange auf die kleinen Modelle, bei denen der Preiskampf enorm ist, konzentriert und zu spät auf SUVs gesetzt.

Man kann natürlich in die Vergangenheit schauen, für uns ist aber jetzt der Weg in die Zukunft wichtig. Und das heißt: Autos mit geringstem CO2-Ausstoß zu produzieren und die E-Mobilität zu forcieren.

Opel übernimmt von PSA das Konnektivitätssystem und nennt es Opel Connect. Wo entstehen noch französisch-deutsche Verschränkungen?

In der Technologie und in der Entwicklung muss es eine Verschränkung geben. Europa ist ein kleiner Markt. Investitionen in neue Fahrzeuge sind extrem hoch. Wir brauchen also ein gewisses Absatzvolumen, um Fahrzeuge profitabel bauen und zu guten Preisen anbieten zu können. Trotz dieser logischen Verschränkungen: Jede Marke behandelt ihre Kunden individuell. Ein Beispiel: Der (baugleiche, Anm.) Grandland und 3008 sind unterschiedlich, ein beliebiger Austausch von Ausstattungen ist nicht möglich. Die Bleche sind anders, die Sitze sind anders, die Technologie ist anders, überall stecken eigene Systeme dahinter – auch wenn die Basis gleich ist. Der Grandland ist kein Auto, auf das wir nur ein anderes Logo draufkleben, er ist ein Auto, das für den deutschen Markt entwickelt worden ist – mit der Charakteristik eines typischen Opels. Von deutschen Autos erwartet man eine gewisse Sportlichkeit, eine kantige Linienführung und einen markanten Auftritt.

Wie schreitet die Elektrifizierung bei Opel voran?

Wir werden sehr schnell mit E-Fahrzeugen auf den Markt kommen. Vom nächsten Corsa werden wir spätestens 2020 eine reine E-Variante anbieten – mit einem attraktiven Preis und einer sehr guten Reichweite.

Der Ampera-e war bisher Opels heißeste Elektro-Aktie. In Österreich tauchte er aber nicht auf...

In Europa wurden die vier großen Märkte für E-Autos – Norwegen, Niederlande, Schweiz und Deutschland – bedient. Die Produktion war allerdings sehr rasch ausverkauft.

Oberösterreich ist immer ein Opel-Land gewesen. Warum?

Opel und Oberösterreich haben eine enge Beziehung – dank einer starken mittelständischen Unternehmensstruktur. Anpacken, schaffen, etwas tun – nach diesem Motto wird hier gearbeitet. Darum wurden hier immer viele Fahrzeuge gebraucht und der Markt hat sich schnell entwickelt – und mit ihm die Händler. Die besten Händler und eine anspruchsvolle Kundschaft – da haben Opel und Oberösterreich zusammengefunden.

Wird’s Veränderungen im Händlernetz geben?

Von unserer Seite her sind wir in Oberösterreich in einer sehr stabilen Situation, darum sehen wir keine Notwendigkeit, etwas zu ändern.

Welche Modelle stehen bei Opel noch in der Pipeline?

Die X-Familie – Grandland, Crossland und Mokka – ist komplett, der Insignia GSi steht bald in den Schauräumen. Im Herbst folgt der neue Combo. Dieses Modell ist für uns sehr wichtig, weil wir dann einerseits wieder ein Familienauto mit vielen Sitzen zu einem leistbaren Preis und andererseits mit der Nutzfahrzeugvariante einen praktischen wie preiswerten Kleintransporter haben.

Opel gewährt seinen Kunden teils sehr hohe Rabatte. Derart hohe Preisnachlässe sind schon Citroen auf den Kopf gefallen. Welche Erfahrungen hat Opel gemacht?

Rabatte sind heute ein Teil des Verkaufs. In der Vergangenheit waren Rabatte ja versteckt, man musste zum Händler gehen und feilschen. Heute hingegen sind die Rabatte dank des Internets sehr transparent. Unsere Preisnachlässe bewegen sich aber immer im üblichen Rahmen.

Der Insignia wird allseits hochgelobt, nur die Verkäufe erreichen nicht dieses Niveau. Hat Opel ein Imageproblem?

Wir werden – und das sagen wir offen – weit unter Wert geschlagen. Unsere Kunden bekommen extrem hochwertige Produkte zu fairen Preisen. Es kommt aber sehr oft vor, dass sich ein Opel-Fahrer rechtfertigen muss, warum er einen Wagen dieser Marke fährt. Jene, die sich auskennen, stehen zu ihrem Opel, weil sie wissen, dass sie ein tolles Produkt besitzen.

Wird sich das Modellangebot von Opel verändern – denn PSA und Opel werden sich ja nicht kannibalisieren wollen…

Die Veränderung ergibt sich aus den strengeren Abgasnormen und der Elektrifizierung. Deshalb wird’s eine völlig neue Produktphilosophie geben.

Alexander Struckl

Er ist ein Opelaner durch und durch: Direkt nach seinem Betriebswirtschafts-Studium in Graz heuerte Alexander Struckl bei der deutschen Traditionsmarke an. Zuerst im Werks-Controlling, dann in der Internen Revision. Auslandserfahrung sammelte der heute 48-Jährige als Financial Analyst bei GM in Zürich, ehe der leidenschaftliche Rennradfahrer am 1. August 2010 die Geschäftsführung der Opel Austria GmbH in Wien-Aspern übernahm.

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Artikel Carsten Hebestreit 26. Mai 2018 - 00:04 Uhr
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