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"Im Elektro-Hype wurde CNG vergessen"

Adam Pelka über die Gründe, warum der Antrieb hinterherfährt, und Seats Erdgas-Ambitionen.

"Im Elektro-Hype wurde CNG vergessen"

Adam Pelka, 35, von der Abteilung „CNG-Mobilität“ Bild: Robert May

Seat forciert massiv den CNG-Antrieb. Weniger CO2-Ausstoß, billigerer Treibstoff, hohe Reichweite: Die Vorteile sind offensichtlich, doch kommt die Alternative zu Diesel und Benzin nicht recht auf Touren. Warum, darüber sprach OÖN-Motor-Redakteur Carsten Hebestreit mit Adam Pelka von der Geschäftsstelle "CNG-Mobilität" im VW-Konzern.

Also: Was bremst den CNG- Antrieb?

Pelka: Da spielt eine Vielzahl an Faktoren mit. Unter anderem, dass der Antrieb lange Zeit stiefmütterlich behandelt wurde. Dabei hat CNG noch ein großes Zukunftspotential, doch ist dieses Faktum noch nicht bei den Kunden angekommen. Derzeit erleben wir eine epochale Veränderung, die ja von der Elektro-Mobilität getrieben wird. In diesem Hype wird CNG vergessen. Und da setzen wir an und wollen den umweltfreundlichen Antrieb wieder mehr in den Mittelpunkt rücken.

Gas ist ja nicht gleich Gas. Verwirren die verschiedenen Angebote nicht die Kunden?

Richtig. Für viele ist CNG gleich LPG. Und dann gibt’s ja noch LNG. Und dann wissen viele nicht, dass CNG ja aus Methan besteht und regenerativ hergestellt werden kann.

Profitiert der Erdgas-Antrieb vom Windschatten der E-Mobilität, die ja stark im Kommen ist?

Unser Ziel für 2025 ist, dass 25 Prozent der verkauften Neuwagen rein batterieelektrische Antriebe haben. Das heißt aber auch im Umkehrschluss – und darüber reden nur wenige Leute –, dass 75 Prozent der Neuwagen dann noch mit einem konventionellen Verbrenner fahren. Und da setzen wir an, dass diese 75 Prozent, die nicht im Scheinwerferlicht stehen und die alte Antriebswelt symbolisieren, weiter optimiert werden müssen. Da hakt die CNG-Mobilität ein: CNG ist eine Ergänzung zur E-Mobilität – nachhaltig und umweltfreundlicher.

Ist das Entwicklungspotential beim CNG-Antrieb größer als noch beim Benziner oder Diesel?

Vergleicht man herkömmliches Benzin mit CNG, so stößt ein CNG-Antrieb etwa 25 Prozent weniger CO2 aus. Wird das Methan regenerativ hergestellt, liegen die Emissionen noch einmal um 60 Prozent darunter. CNG hatte das verstaubte Öko-Image, ehe 2012 Turbo-Motoren zum Einsatz kamen, die den Fahrspaß brachten. Im Herbst kommt ein neuer 1,5-TGI-Motor mit 130 PS. Wir nennen’s: Nachhaltigkeit ohne Verzicht.

Ist der 1,5 TGI ein reiner Erdgasmotor?

Nein, der TGI, der um 25 PS mehr leistet als der Vorgänger und dabei sparsamer ist, kann bivalent gefahren werden – also mit Methan und Benzin. Allerdings bauen wir zum Jahresende eine dritte Gasflasche ein, dadurch erhöht sich die Reichweite beträchtlich, und der Wagen kann dann eigentlich ausschließlich mit CNG gefahren werden.

Wohin wird die CNG-Entwicklung gehen?

Potential hat sicherlich der monovalente Antrieb, das heißt, das Auto fährt ausschließlich mit Erdgas. Skoda wiederum hat in Genf den Vision X präsentiert: CNG-Antrieb mit einem E-Motor an der Hinterachse. Ganz großes Potential hat Erdgas im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge.

Seat forciert als junge Marke CNG – der richtige Weg?

Seat steckt damit den Technologie-Claim ab. Insgesamt ist dies ein guter Weg, wenn ich mir die Märkte wie Spanien oder gerade die CNG-Hochburg Italien anschaue. Dort besteht ja nicht gerade die Einkommensstruktur für die E-Mobilität. Dort ist der kostengünstige, nachhaltige Alternativ-Antrieb das CNG.

 

Adam Pelka

Der gebürtige Pole studierte Wirtschaftswissenschaften und stieg früh in den VW-Konzern ein. In der Geschäftsstelle „CNG-Mobilität“ arbeitet der heute 35-Jährige in der Abteilung „Technologiestrategie und -management“, die sich im Volkswagen-Konzern um die Entwicklung des Erdgas-Antriebes kümmert. Pelka fungiert als Schnittstelle zwischen Technik und anderen Abteilungen.

 

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Artikel 27. Juni 2018 - 00:04 Uhr
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