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Ersatzteile aus dem 3D-Drucker

Ein Start-up-Unternehmen aus Kirchschlag druckt Teile für Oldtimer aus.

Ersatzteile aus dem 3D-Drucker

Korrigiert mittels CAD-Programm die Druckvorlagen: Markus Wakolbinger. Bild: Volker Weihbold

Ohne Navi wären Oldtimer-Besitzer chancenlos, so versteckt liegt der Geheimtipp der Szene, der längst zu einer Top-Adresse geworden ist, wenn’s mit dem Lederbezug, mit dem Unterbau der Sitze und Sitzbänke oder auch mit den Lederverkleidungen in den Dutzende Jahre alten Fahrzeugen hapert. Über ein Labyrinth aus Güterwegen finden Hilfesuchende dann doch die kleine, edle Werkstätte von Manfred Wakolbinger in St. Veit im Mühlkreis.

Edle Werkstatt

"Ich wollte immer etwas mit Autos machen", sagt der heute 46-Jährige, der eigentlich Sattler lernte. Auf dem makellosen Holzboden in Wakolbingers Werkstatt steht ein Porsche 911, exakt jenes Uralt-Modell, wie ihn der Stuttgarter Tatort-Kommissar Thorsten Lannert alias Richy Müller fährt. Sitze, Sitzbank – alles ausgebaut. "Wichtig ist, dass die Originalbezüge erhalten bleiben", sagt Wakolbinger. Denn: "Diese Bezüge können viele Geschichten erzählen." Wie auch das Adenauer-Mercedes-Cabrio, das der Mühlviertler jüngst bearbeitete. Das Leder war brüchig, aber zu retten. Seine Spezialmittel, mit denen der Sattler das jahrzehntealte, poröse Rindsleder wieder geschmeidig machte, sind nicht für Endkunden erhältlich. Rinds-, Kalbs-, Schafsleder – alle kann Manfred Wakolbinger behandeln. Schwierig werden Rettungsaktionen, wenn im Unterbau oder an der Verkleidung Ersatzteile fehlen. "Immer öfters kommt’s vor, dass die Teile nicht mehr erhältlich sind", sagt der Sattler. Was tun? Logisch: Bruder Markus anrufen!

Ersatzteile aus dem 3D-Drucker

Der gelernte Buchbinder musste sich wegen der zunehmenden Digitalisierung eine neue Nische suchen. Und gründete in Kirchschlag bei Linz ein Start-up-Unternehmen (Wako GmbH), das sich auf den 3D-Druck spezialisiert hat, um unter anderem Ersatzteile für Oldtimer zu produzieren.

Cadillac-Ausdruck

Jüngst erst druckte der 44-Jährige den Unterbau einer Cadillac-Türverkleidung aus, den Bruder Manfred wieder mit Leder überzog. In diesem Fall scannte der Kirchschlager das intakte Teil der gegenüberliegenden Tür ein, spiegelte die Konstruktion im Computer und korrigierte kleinere Fehler.

"Der große Vorteil ist, dass man an Stellen, die nicht belastet werden, Material sparen kann", sagt Markus Wakolbinger. Entweder wird die Wand dünner geplant oder gleich ein Durchlass eingezeichnet. Das spart Gewicht und Druckzeit. Andererseits können Stellen, die arg strapaziert werden, auch verstärkt werden. Oder Abdeckungen ein wenig größer ausgedruckt werden, um so Risse, die rund um die alte Halterung entstanden sind, "unsichtbar" zu machen.

Ersatzteile aus dem 3D-Drucker

Neben dem Scannen, bei dem ein identes Teil vorhanden sein muss, kann Markus Wakolbinger die fehlenden Teile auch mit seinem CAD-Programm konstruieren. Die sei aber aufwändig, sagt der 44-Jährige. Die dritte Möglichkeit ist der Download aus dem Internet. "Das ist wie der Foto-Download, nur eben 3D." Die Dateien seien größer, mehr nicht. Bei dieser Art werden freilich Lizenzgebühren fällig – abhängig von der Anzahl der Teile, die ausgedruckt werden.

 

Drei Druckarten nutzt der Mühlviertler:

Laser-Sinter-Verfahren (SLS): Polyamid (PA12) wird thermoplastisch übereinandergeschichtet. "Diese Art ist ziemlich exakt, dafür aber auch teuer", sagt Wakolbinger.

FDM-Verfahren: Flüssiger Kunststoff, der schnell aushärtet, wird übereinandergespritzt. "Diese Methode ist sehr einfach, aber auch ungenau."

HP-Fusion: Eine Flüssigkeit wird auf Kunststoffpulver gespritzt, das Material verschmilzt miteinander. Blaulicht lässt das Plastik – wie Kunststoff-Plomben beim Zahnarzt – aushärten. "Diese Technik ist vergleichsweise neu, sehr exakt, und die Ausdrucke sind sehr strapazierfähig." Den üblichen Anforderungen genügen die 3D-Drucke völlig. Bei Bedarf könnten jedenfalls Carbon oder Glasfasern mit hineingedruckt werden, sagt Markus Wakolbinger. Die Teile würden leichter, aber auch härter.

Ersatzteile aus dem 3D-Drucker

Metall-Druck extrem teuer

Theoretisch könnten auch Ersatzteile beispielsweise für Motoren ausgedruckt werden. "Technisch ist es möglich, Metall als Druckmaterial zu verwenden, nur sind die Teile dann extrem teuer." Manchmal spielt freilich der Preis keine Rolle – wenn das Teil auch auf den größten Flohmärkten nicht mehr zu finden ist.

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Artikel Carsten Hebestreit 24. November 2018 - 00:04 Uhr
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