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Die Pflanze im Tank

Die Pflanze im Tank

Betriebsleiter Friedrich Schwarz (li.) und Projektleiter Harald Bala tanken an ihrer Biogastankstelle einen Opel Zafira CNG auf. Bild: OÖN

Auch wenn das Elektroauto die Schlagzeilen beherrscht: Biokraftstoffe sind noch lange nicht tot. Durch die steigende Anzahl an Erdgas-Fahrzeugen könnte sich vor allem für Biogas eine neue Chance eröffnen.

Dass das Elektroauto langfristig den Verbrennungsmotor ablösen wird, darin sind sich die Autohersteller einig. Die große Frage ist allerdings, wann es passieren wird. VW-Konzernchef Martin Winterkorn rechnet für 2020 mit einem weltweiten Marktanteil der reinen Elektroautos von nur 1,5 Prozent. Das hieße auch, dass in etwa zehn Jahren 55 Millionen verkaufte Autos noch nicht an der Steckdose betankt würden.

Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor werden uns also noch Jahrzehnte begleiten. Und deshalb ist auch das Thema Biokraftstoff noch lange nicht vom Tisch. Neue Chancen könnten sich vor allem für Biogas auftun. Immer mehr Hersteller – darunter VW, Opel, MAN oder Mercedes – erweitern ihre Modellpalette um moderne Erdgasfahrzeuge, die problemlos mit Biogas und somit deutlich klimafreundlicher betrieben werden können.

Keine Monokulturen

Biogas ist ein erneuerbarer Energieträger und wird durch Vergärung von Biomasse in Biogasanlagen erzeugt. Während zur Herstellung von Biodiesel oder Ethanol nur ein kleiner Teil der Pflanze wie etwa Öl aus den Rapssamen oder die stärkehaltige Frucht von Weizen verwendet wird, kann in Biogasanlagen die ganze Pflanze verarbeitet werden. Riesige Monokulturen sind somit nicht notwendig.

Zur Herstellung von Biogas eignen sich Grünabfälle ebenso wie Gräser, Mais, Pflanzenreste, Gülle oder Mist. Biogas kann entweder in reiner Form im Erdgasmotor verfeuert oder ins bestehende Erdgas-Netz eingespeist werden.

Österreichs einzige Biogasanlage mit angeschlossener Biogas-Tankstelle steht in Margarethen am Moos in Niederösterreich. 15 Landwirte aus der Region haben sich zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen und insgesamt vier Millionen Euro investiert.

Strom, Wärme und Sprit

Pro Jahr erzeugt die Biogasanlage fünf Millionen Kilowattstunden Strom und fünf Millionen kWh Wärme. 1250 Haushalte werden mit Strom versorgt, weitere 60 Abnehmer – darunter einige Großkunden – beziehen Fernwärme von der Biogasanlage.

Im Vorjahr erweiterten die Energiebauern ihre Anlage und betreiben seither eine Biogas-Tankstelle. Ein kleiner Teil des erzeugten Biogases wird von der Strom- und Wärmeerzeugung abgezogen und in einer eigenen, 550.000 Euro teuren Anlage auf Erdgasqualität aufbereitet. Praktisch alle erdgasbetriebenen Autos aus der Region tanken mittlerweile das Biogas, das unter dem Namen methaPUR vertrieben wird. Ein Kilo kostet 89 Cent und ist damit gleich teuer wie Erdgas.

Boom in Deutschland

In Margarethen gibt es 1200 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, wovon 240 Hektar für den Betrieb der Biogasanlage bewirtschaftet werden. „Als Energiepflanzen angebaut werden Sudangras, Mais, Luzerne, Klee und Grünschnitt-Roggen. Die Biomasse wird gehäckselt und unter Zusatz von Schweinegülle zu Biogas vergoren“, sagt Harald Bala, Projektleiter der Biogasanlage in Margarethen.

Während in Österreich derzeit kaum neue Anlagen entstehen, gibt es in Deutschland einen regelrechten Biogas-Boom. Grund dafür ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), mit dem die Nutzung von Biomasse stark gefördert wird und das immer mehr Landwirte zu Energie-Dienstleistern macht.

Die Verbrennung von Biogas ist klimaneutral, da nur jenes CO2 freigesetzt wird, das die Pflanzen vorher beim Wachsen aus der Atmosphäre aufgenommen haben. Allerdings entstehen bei Anbau, Pflege und Ernte der Energiepflanzen CO2-Emissionen, die in die Ökobilanz eingerechnet werden müssen. Dennoch gilt Biogas als umweltfreundlichster und chancenreichster Biokraftstoff der zweiten Generation.

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Artikel Von Thomas Grumböck 21. November 2009 - 00:04 Uhr
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