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De Meo: "Wir diskutieren in Spanien nicht über Diesel-Fahrverbote"

Der Seat-CEO über die Tarraco-Produktion in Wolfsburg und den Erdgas-Antrieb.

De Meo: "Wir diskutieren in Spanien nicht über Diesel-Fahrverbote"

Ein Italiener an der Seat-Spitze: Luca de Meo Bild: Seat

Die Diesel-Affäre, die Erdgas-Initiative von Seat, die Herausforderungen rund um die Konnektivität – auf dem Pariser Autosalon beantwortete Seat-CEO Luca de Meo bereitwillig die Fragen der Oberösterreichischen Nachrichten. Und warum sich der Italiener freut, dass der jüngste Seat, der Tarraco, in Wolfsburg gebaut wird, verriet der 51-Jährige nebenbei auch.

 

OÖN: Ist die SUV-Schiene bei Seat mit Areca, Arona und nun Tarraco ausgereizt?

De Meo: Da ist noch Platz rund um den SUV. Mit der nächsten Generation des Leon – also 2020 – werden wir eine sportliche Interpretation eines SUV bringen.

Der Tarraco wird bei VW in Wolfsburg produziert, der Ateca bei Skoda in Tschechien. Die Lieferzeiten sind teils sehr lang. Wär’s besser, Seat hätte die Produktionen selbst in der Hand?

Im VW-Konzern, dem wir ja angehören, ist die Produktionsstrategie getrieben von den einzelnen Plattformen in den verschiedenen Werken. Das heißt: eine Plattform, ein Standort, möglichst viele Modelle. In Barcelona beispielsweise haben wir die MQB-A-Plattform, und hier laufen nicht nur der Ibiza und der Arona, sondern auch der Audi A1 vom Band. Und in Navarra wird der VW Polo und auch der T-Cross produziert. Und, um ehrlich zu sein, ist es sehr gut, dass unsere Kollegen in Wolfsburg jeden Tag sehen, wie neue Seats vom Band laufen. Dann vergessen sie nicht, dass wir auch ein Teil der VW-Familie sind. Taktisch ist das für uns nicht schlecht (lacht).

Der einzige Vorteil?

Nein! Hätten wir nicht die Möglichkeit gehabt, die Plattform, auf der ja auch der Kodiaq und der Tiguan Allspace stehen, zu verwenden, hätten wir den Tarraco nicht. So haben wir von der Entwicklung des Designs bis zum fertigen Auto 20 Monate gebraucht – das war superschnell. Und dann haben wir noch dazu ein Auto "made in Germany". Das ist ja auch nicht schlecht.

Seat konzentriert sich im VW-Konzern mit Abstand am meisten auf Erdgas-Antriebe (CNG). Wie erfolgreich ist das Projekt?

Wir hatten bis April dieses Jahres ein Loch in der Produktion von Erdgas-Autos. Aber seither haben wir unseren Absatz in Spanien verzehnfacht, in Italien, einem klassischen CNG-Land, stiegen die Verkäufe um 40 Prozent, in Deutschland um das Fünffache. In Deutschland ist der Leon inzwischen das meistverkaufte Erdgas-Modell aller Marken. Viele Marken entwickeln Wasserstoff-Autos oder auch Plug-in-Hybride, nur um zu sagen: Wir sind ökologisch unterwegs. Wir haben aber schon eine umweltbewusste Alternative – den Erdgas-Antrieb. Vor allem, wenn Biogas verwendet wird. Dann ist die Umweltbilanz besser als bei einem E-Auto. Insofern ist CNG eine vernünftige Lösung. Erdgas ist billig, sicher, und die Infrastruktur ist nicht kompliziert. Wie lange brauche ich, um ein Erdgas-Auto zu betanken? Richtig: zwei Minuten. Und ein E-Auto? Vier, fünf Stunden. Die Rechnung ist einfach: Während ein E-Auto auflädt, kann ich Dutzende CNG-Fahrzeuge betanken. Oder anders ausgedrückt: In die Infrastruktur müssen wir nur einen Bruchteil dessen investieren, was bei der E-Mobilität anfällt.

Aber kann Seat tatsächlich völlig auf E-Autos verzichten?

Nein, natürlich nicht. Wir werden die MEB-Plattform von Volkswagen verwenden. Erfreulich ist, dass wir nach Volkswagen die zweite Marke sein werden, die auf dieser Plattform ein E-Modell launchen wird. Mehr verrate ich nicht. Nur so viel: Kommen Sie 2019 zum Autosalon nach Genf, dann wissen Sie mehr!

Verraten Sie uns trotzdem ein paar Eckdaten?

400 bis 500 Kilometer Reichweite. Preislich werden wir in einer Region sein, die sich die Kunden leisten können. Konnektivität, neue E-Architektur, künftige Fahrassistenzsysteme – alles wird drinnen sein. Und natürlich ein cooles Seat-Design.

Seat ist ja sehr stark beim Thema Konnektivität. Ist dies wirklich so ein starkes Verkaufsargument?

Das ist eher eine Geschäfts- denn Kundenfrage. Die Menschen haben heute genug Konnektivität mit ihrem Smartphone. Es geht darum, wie der Kunde diese einfache Konnektivität auf der Straße, auf dem Gehsteig nutzen kann. Wir wollen nicht Facebook oder Spotify neu erfinden, sondern wir sollen diese Applikationen in unsere Autos integrieren. Unser Geschäft sind noch immer die Navi-Systeme, die Touch-screens und die Updates.

Und in der Zukunft? Wo liegt das Geld?

Für mich ist der Punkt: Vor ein paar Jahren gab’s ein iPhone und einen iPod. Beide haben exakt gleich ausgesehen, nur hatte der iPod keine Internetverbindung. Das Gerät ist aus dem Apple-Angebot verschwunden, das iPhone hingegen hat die Welt verändert. Was heißt das für uns? Nutzt der Kunde die Konnektivität, haben wir zum ersten Mal auf diesem Weg einen Kontakt zu ihm. Oder, besser, zu seinem Auto. Und dieses Auto wird mit anderen Fahrzeugen, mit anderen Geräten vernetzt. Passiert dies, haben wir plötzlich unfassbar viele Daten, mit denen wir Geld verdienen können. Wir müssen uns auf die Zeiten vorbereiten, in denen wir eben nicht mehr nur mit Stahlblech, sondern auch mit Daten und Services Umsatz machen. Das ist unsere Herausforderung.

Ist die Dieselaffäre auch in Spanien ein Thema?

Ja, aber nicht so ausgeprägt wie seit fast drei Jahren in Deutschland. Wir diskutieren hier eher über die Zukunftsfähigkeit der Diesel-Technologie, nicht über Fahrverbote. Der Diesel-Anteil sinkt, aber dieser Trend begann in Spanien schon 2012/13. Betroffen davon sind vor allem Kleinwagen.

 

Luca de Meo

Der gebürtige Italiener studierte an der Wirtschaftsuni in Mailand, ehe er über Renault, Toyota und den Fiat-Konzern 2009 beim VW-Konzern anheuerte. Dort leitete der immer bestens gelaunte Manager das Marketing der Marke Volkswagen, ehe er zur Audi AG wechselte. Seit 2015 ist der 51-Jährige CEO von Seat.

 

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Artikel Carsten Hebestreit 20. Oktober 2018 - 00:04 Uhr
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