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Citroën 2CV: In 70 Jahren zum Kultauto hochgeschaukelt

Die legendäre "Ente" war einfach und zuverlässig, für alles zu gebrauchen und sich für nichts zu schade – und sie wurde zum Symbol für die französische Lebensart.

Citroën 2CV: In 70 Jahren zum Kultauto hochgeschaukelt

Der Citroën 2CV (im Bild unweit der Insel Mont-Saint-Michel) war unter anderem auch Familienauto und Reisegefährt(e). Bild: Citroën

Der Citroën 2CV, der im heurigen Herbst 70. Geburtstag feiert, ist die berühmteste Ente nach Donald Duck. Ein niederländischer Journalist soll 1948 von einem "hässlichen Entlein" gesprochen haben – und schon war der Spitzname geboren.

Bereits Mitte der 1930er-Jahre hatte sich der französische Autohersteller Gedanken über ein preiswertes, minimalistisches Volksauto gemacht. Von "vier Rädern unterm Regenschirm" soll die Rede gewesen sein. Und von einer exzellenten Federung, damit in einem Korb voller Eier nicht ein Ei zu Bruch gehe, selbst wenn man auf einem Feldweg unterwegs sei.

Erste Prototypen 1936

Konstrukteur André Lefèbvre bekam folgende Auflagen ins Lastenheft geschrieben: Vier Personen plus 50 Kilogramm Erdäpfel oder ein Weinfass sollte das Fahrzeug transportieren können, bei Tempo 60. Und der Verbrauch sollte fünf Liter möglichst nicht überschreiten.

Die ersten Prototypen des TPV ("toute petite voiture"/"ganz kleines Auto") wurden 1936 gebaut. Doch der 2. Weltkrieg verhinderte die Präsentation. Daher konnte der endgültige Citroën 2CV erst im Herbst 1948 vorgestellt werden. Die ersten serienreifen Modelle rollten dann im Jahr darauf von den Bändern.

Aufsehenerregend waren die ungewöhnliche Optik und das Stoffdach, das sich von vorne und hinten aufrollen ließ und Citroën beim Blechsparen half. Wer Cabrio-Feeling haben wollte, rollte es einfach zurück und schnallte die Stoffrolle fest wie einen eingerollten Schlafsack auf dem Tramper-Rucksack.

Der Radstand änderte sich

Einzigartig waren zudem die Sitze, die an Campingmöbel erinnerten. Vordere und hintere Sitzbank ließen sich leicht ausbauen, daher stand auch einer spontanen Rast unter freiem Himmel nichts im Weg.

Sehr speziell war die Federung: Der 2CV hatte rundherum Einzelradaufhängung. Am Chassis waren vier Schwingarme befestigt – und von oben betrachtet, erinnerte die Konstruktion an ein Tier mit vier Beinen. Besonders bemerkenswert dabei war, dass sich beim Ein- und Ausfedern der Radstand permanent veränderte. Und der "Deux Chevaux" war quasi unkippbar.

Von Anfang an war dieses außergewöhnliche Auto ein Erfolg, nach dem Serienanlauf wuchs die Lieferzeit gar auf bis zu sechs Jahre an. Und zwar trotz einiger Kritikpunkte: Der Motor war mit 9 PS sehr schwach. Und es war mangels Geräuschdämmung recht laut im 2CV. Mitverantwortlich für die anfangs lange Wartezeit war auch der Materialmangel. Niedriger Kaufpreis und geringe Unterhaltskosten befeuerten die Nachfrage zusätzlich.

Einfachheit als Statement

Ein gewöhnliches Auto war der Citroën 2CV nie: War die Ente zu Beginn ein rustikales Fahrzeug für Pragmatiker, entwickelte sich der Kleinwagen rasch zur typischen Studentenschaukel, zum Philosophen-Auto und – speziell in Deutschland – zum politischen Statement auf vier Rädern. Manche 2CV-Fahrer waren gar im Geist der Weltrevolution unterwegs. Und selten fehlte auf deutschen Enten der gelb-rote Aufkleber "Atomkraft? Nein danke".

Die Einfachheit des 2CV war ein Statement gegen das in den 1950er- und 1960er-Jahren weit verbreitete Schneller-höher-weiter. Die Ente stand für die Abkehr von Tempo, Luxus und Statusdenken.

Als die Produktion des französischen "Autos des 20. Jahrhunderts" 1990 eingestellt wurde, war der 2CV technisch und konzeptionell völlig veraltet. Insgesamt wurden 3,87 Millionen Stück des Viertürers und 1,25 Millionen Lieferwagen ("Kastenente") produziert. Und von seinen Besitzern wird das vermeintlich "hässliche Entlein" noch heute gehätschelt.

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Artikel Clemens Schuhmann 25. August 2018 - 06:04 Uhr
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