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Honda Civic Type R: Einer, der gegen den Strom schwimmt

Hondas neuer Type R duelliert sich auf der Rennstrecke (erfolgreich) mit Allradfahrzeugen.

Einer, der gegen den Strom schwimmt

Das Cockpit kommt grundsätzlich aus der Standard-Version des Civic. Bild: Honda

"Ist das das schnellste frontgetriebene Auto der Welt – der Honda Civic Type R, mit 7:43 Minuten auf der Nordschleife?"

Einen Moment lang dauert es, diese Frage zu realisieren. Hat der deutsche Polizist, der uns gerade an der Staatsgrenze am Salzburger Walserberg angehalten hat, die Frage ernst gemeint? Ja, hat er. Fast wie ein Kind vor dem Christbaum stehen plötzlich auch zwei seiner Kollegen da und beäugen den Honda. Ob das nun gut oder schlecht sei, können wir nicht erahnen. Noch nicht. Nur die Kolonne hinter uns wird unruhig. Ein mahnender Blick des Exekutivorgans zurück zu jenem Fahrer, der gehupt hat, reicht, um noch ein paar Worte zu wechseln. "Wie geht er? Wie klingt er? Sieht ja toll aus. Und der dicke Heckflügel – Wahnsinn! Können Sie uns den Klang beim Wegfahren vorführen?" Okay, wenn es sein muss. "R"-Modus rein, und los geht’s. Die Beamten haben uns freundlich nachgewinkt – mit der anderen Hand am Sturmgewehr.

Seit 1997 bringt Honda mit der Bezeichnung "Type R" sportliche Versionen der Standard-Modellpalette auf den Markt. Allerdings wird im Fall des Civic Type R mittlerweile schon parallel entwickelt. Erstmals wird der verschärfte Kompakte auch auf dem US-Markt angeboten. "Der Frontantrieb ist zurück im Geschäft", jubelte die US-Fachpresse prompt. Der Vierzylinder besteht gegen Ford Focus RS, Golf R und den Rest der mittlerweile mit Allrad-Antrieb ausgestatteten Sport-Kompakten.

Design: Der Type R ist kein Meister des Understatements. Der Heckflügel, die drei mittig positionierten Endrohre, der Lufteinlass auf der Motorhaube – dem entwachsenen Civic ist Sportlichkeit ins Gesicht geschrieben. Jedes Ding hat eine aerodynamische Funktion, das muss auch nicht jedem gefallen.

Innenraum: Selbst im Innenraum dominiert das Rallye-Rot. Recaro-Schalensitze bieten hervorragenden Seitenhalt, aber auch im Alltag den nötigen Komfort. Stichwort Alltag: Vier Passagiere samt Gepäck sind für den Japaner kein großes Problem. Das Ladevolumen lässt sich bei umgeklappter Rückbank auf 1209 Liter erweitern.

Einer, der gegen den Strom schwimmt

Fahrwerk: Der Type R schafft die Nürburgring-Nordschleife in 7:43,8 Minuten. Und das sagt eigentlich alles. Ermöglicht wird dies durch eine unglaublich sportliche Abstimmung des Kompakten (Dämpfer, Lenkung und Bremsen) und den "dicken Heckflügel", der so viel Abtrieb erzeugt, dass sich die Hinterachse förmlich in den Asphalt drückt und den Civic fast wie ein Allrad-Auto durch Kurven steuern lässt. Beeindruckend! Nur Nässe und Schnee zeigen die physikalischen Grenzen des Antriebskonzepts auf. Dann ist ein gefühlvoller Gasfuß erforderlich, ansonsten wird’s knifflig.

Motor: Der Type-R-Vierzylinder holt aus zwei Litern Hubraum 320 PS und 400 Newtonmeter heraus. Die Leistung bringt der Sport-Honda auch auf die Straße. Erst bei 272 km/h ist mit der Beschleunigung Schluss. Auf ein Automatik-Getriebe verzichten die Japaner. Das braucht es aber auch nicht, denn das herrlich direkt zu schaltende Sechsganggetriebe ist ein Hochgenuss, der Japaner gibt beim Herunterschalten sogar Zwischengas. Der Verbrauch lag im OÖN-Test bei 9,1 Litern pro 100 Kilometer. Je sportlicher die Fahrweise, desto deutlicher gerät der Verbrauch in den zweistelligen Bereich. Der Tank könnte etwas größer sein.

Fazit: Knapp 40.000 Euro kostet der im englischen Swindon gefertigte Sportler. Ein Preis, der konkurrenzlos ist. Und das quasi ohne Komfort-Einbußen im Vergleich zum Serien-Civic. Chapeau!

Honda Civic Type R

Preis: ab 39.990 Euro
OÖN-Testwagen 45.490 Euro

Motor: Zweiliter-Turbobenziner mit Direkteinspritzung
Hubraum 1996 ccm
Leistung 235 kW (320 PS) bei 6500 U/min
max. Drehmoment 400 Nm bei 2500 - 4500 U/min

Verbrauch (MVEG)
Stadt/Land/Mix 9,8/6,5/7,7
OÖN-Test 9,1
Tank/Kraftstoffart 46 l / Super

Umwelt: Euro-6
CO2-Ausstoß 176 g/km

Antrieb: Front Getriebe 6-Gang (manuell)

Fahrleistungen:
0 auf 100 km/h in 5,7 sec
Spitze 272 km/h

Abmessungen & Gewichte:
L/B/H 4557/1877/1434 mm
Radstand 2699 mm
Bodenfreiheit 125 mm
Leergewicht 1396 kg
Zuladung 364 kg
Kofferraum 420-1209 Liter

Garantie: 3 Jahre / 100.000 km

Plus: hervorragende Abstimmung des Fahrwerks, kräftiger Motor, direkte Lenkung, direktes Schaltgetriebe, sehr faires Preis-Leistungs-Verhältnis.

Minus: etwas zu kleiner Tank.

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Artikel Markus Prinz 08. Februar 2018 - 00:04 Uhr
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