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Weniger Autorität, mehr Kooperation

LINZ. Mit co-kreativen Prozessen, die nicht nur die Mitarbeiter einbinden sollen, sondern auch Kunden oder Freunde, will Patrick Bartos (40) Bewusstsein für Innovationen wecken. Er leitet als Geschäftsführer die 2011 gegründete Vernetzungswerkstatt „Creative-Region Linz & Upper Austria“.

Patrick Bartos Bild: Weihbold

OÖNachrichten: Wer sind in den Unternehmen die Feinde der Kreativität?

Bartos: Was heißt Feinde? Für Unternehmen gibt es zwei Wege, sich am Markt durchzusetzen, mit Ideen oder über den Preis. Viel mehr zum immer günstigeren Preis, das ist eine Geschäftsauffassung, die der Kreativität weniger zuträglich ist. Wer auf Innovation setzt, der ist für Kreativität aufgeschlossen.

Gibt es in Österreich kulturelle Barrieren? Unter dem Motto: Des hamma immer so g’macht.

Nein, Österreich hatte sogar sehr lange einen ganz ausgezeichneten Ruf für neue Ideen. Ende des 19. Jahrhunderts ist sehr viel Neues in Wissenschaft, Technik und Kultur aus Österreich gekommen. Als kleines Land kann sich Österreich im Spiel der Nationen heute nicht mehr so gut durchsetzen. Ein Hemmschuh ist, dass wir Deutsch sprechen und dass die internationale Sprache in kreativen Dingen Englisch geworden ist. In Deutschland gilt unser Land aber als sehr kreativ, mit individuellen, spannenden Zugängen zu Themen.

Sind Verwaltung, Gesetze und Bürokratie Hemmschuhe?

Das ist eher eine Ausrede. In der Verwaltung gibt es mittlerweile eine neue Generation mit vielen aufgeschlossenen Köpfen.

Wenn zu Ihnen jemand kommt, der in seinem Unternehmen ein Klima für Neues schaffen will: Was raten Sie ihm?

Es herrschen in vielen Unternehmen starke Hierarchien, also empfehle ich flachere Entscheidungsstrukturen. Ein Unternehmen muss erstens die Mitarbeiter einbeziehen, ihnen zuhören, Mitsprache und Verantwortung übertragen. Wenn die Mitarbeiter merken, dass sie gehört werden, entsteht Bewusstsein. Zweitens müssen die Kunden eingebunden werden in Prozesse, denn es zählt nur, was Kunden wollen. Wir möchten als Creative-Region in Oberösterreich co-kreative Prozesse einführen. Es entsteht eine andere Kultur, eine Innovationskultur. Dazu muss Autorität abgegeben werden, und das können viele Chefs nicht. Sie sollten nicht immer nur selbst entscheiden oder immer auf denselben Berater hören.

Sollen Firmen Mitarbeiter nach kreativem Potenzial auswählen?

Das lässt sich nicht einfach klassifizieren. Das wären schwer bewertbare Maßstäbe.

Die Welt ist heute sehr komplex und sie ist von Individualismus geprägt. Auf so viele verschiedene Dinge soll Rücksicht genommen werden ...

… gerade deshalb wird man neuen Aufgaben mit hierarchischen Strukturen der Vergangenheit nicht mehr gerecht werden. Man kann sich heute zum Beispiel bei Nike den individuellen Sportschuh machen lassen. Das verlangt von einem Unternehmen, flexibel zu sein. Das ist die Stärke der Kreativen, dass sie auf individuelle Wünsche eingehen. Das Produkt muss gar nicht teurer sein, aber der Mehrwert für den Kunden ist enorm. Es stellen sich also sogar internationale Großkonzerne auf co-kreative Prozesse ein und bieten für ihre Kunden maßgeschneiderte Lösungen.

Sind denn Kleinunternehmen im Kreativwettlauf benachteiligt?

Nein. Wir wollen uns aber als Creative-Region am Anfang unserer Tätigkeit gerade den EPU, den Ein-Personen-Unternehmen, und kleinen Gemeinschaften widmen und für sie Veranstaltungen und Beratung anbieten.

Und haben diese Kleinunternehmen schlechtere Voraussetzungen, weil sie kein Potenzial von Mitarbeitern anzapfen können?

Kreativität bedeutet auch, dass man sein Umfeld einbindet. Das müssen nicht nur Mitarbeiter sein. Es lassen sich auch Internetforen nutzen. Gerade EPUs haben sich außerdem zumeist Netzwerke aufgebaut.

Die Creative-Region Linz & Upper Austria

Das Unternehmen: Creative- Region Linz & Upper Austria GmbH, 2011 von Landeshauptstadt Linz und Land Oberösterreich gegründet, um Innovationen zu fördern.

Der Geschäftsführer: Der Steirer Patrick Bartos (40) hat in Linz Sozial- und Wirtschaftswissenschaften studiert, in Graz Jus, außerdem Kunst-/Medienmanagement. Tätig in USA, England, Deutschland.

Der Ort: Büro in der Tabakfabrik Linz, dort gibt es Vorträge, Workshops und Beratung. 0732/772272-4200
www.creativeregion.org

Nächste Veranstaltung: Am Mittwoch, 25. April, 18.30 Uhr, und Donnerstag, 26. April, 9.30 Uhr, wird in der Tabakfabrik informiert über „Impulse“, das wichtigste Kreativförderprogramm Österreichs, abgewickelt vom Austria Wirtschaftsservice AWS. www.impulse-awsg.at

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Artikel 21. April 2012 - 00:04 Uhr
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