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Frauenzeit

Sechs Heldinnen, die gar keine sein wollen

Von Susanne Dickstein und Barbara Rohrhofer  07. November 2020 00:04 Uhr

Sechs Heldinnen, die gar keine sein wollen
Redakteurinnen Susanne Dickstein (li.) und Barbara Rohrhofer bei der Online-Diskussion

Gesprächsrunde mit sechs Frauen aus verschiedenen Lebenswelten über Corona, Beruf und Zukunft. Der schmale Grat zwischen Gesundheit und wirtschaftlichem Überleben.

Frauenlandesrätin Christine Haberlander hat die Rolle der Frauen in einem OÖN-Interview in der vergangenen Woche mit folgenden Worten beschrieben: "Es hat sich gezeigt, dass Frauen das Werkl am Laufen halten."

Den Beweis für diese Aussage liefert eine Online-Diskussion, die zum Auftakt der Serie "Frauenzeit" bei den OÖN stattgefunden hat. Zum Thema "Heldinnen der Krise" erzählten Elisabeth Bräutigam, Ärztliche Leiterin Ordensklinikum Barmherzige Schwestern Linz; Steuerberaterin Maria Schlagnitweit; Busunternehmerin Regina Neubauer; Christa Kneidinger, Pflegedirektorin Klinikum Rohrbach; Diane Den Haan, Filialleiterin Hofer in Vorchdorf, und Monika Aichberger, Vizepräsidentin der Apothekerkammer OÖ von ihren Herausforderungen in den vergangenen Monaten.

Regina Neubauer: "Ich bin keine Heldin, ich bin eindeutig die Verliererin der Krise. Wir haben noch im November des Vorjahres unser 30-jähriges Jubiläum gefeiert, bezeichnenderweise in Madonna della Corona. Ich hätte mir nie gedacht, dass das ein schlechtes Omen sein könnte. Ab Ende Februar haben wir nichts anderes getan, als unsere Busreisen zu stornieren. Im Sommer hat sich die Lage dann kurz entspannt, jetzt sind alle acht Busse wieder abgemeldet. Wenn ich an die Zukunft denke, habe ich Angst um mein Lebenswerk – auch deshalb, weil meine ganze Familie im Betrieb mitarbeitet. In meiner Rolle als Chefin bin ich derzeit vor allem für meine Mitarbeiter da, um diese auch seelisch zu unterstützen."

Viel zu viel Arbeit anstatt zu wenig: Diese Sorge treibt Pflegedirektorin Christa Kneidinger derzeit um: "Anfangs waren die Mitarbeiter massiv nervös. Wir hatten zu wenig Schutzausrüstung. Ich hatte viele schlaflose Nächte. Mittlerweile frage ich mich, wie viel kann ich von meinen Mitarbeitern noch verlangen? Bei uns bleibt ja kein Stein auf dem anderen. Abteilungen werden umstrukturiert. Planungen sind nur noch für ein paar Tage möglich. Als ich vom neuerlichen Lockdown erfahren habe, war ich sehr erleichtert. Ich hoffe, das entspannt die Situation in unseren Krankenhäusern in absehbarer Zeit."

Diane Den Haan arbeitet als Filialleiterin bei der Handelskette Hofer in Vorchdorf: "Am 13. März waren die Regale leer, so etwas habe ich in 27 Jahren noch nie erlebt. Die Kunden haben Konserven, Nudeln und Klopapier gekauft. Anfang April hat sich die Situation entspannt. Jetzt werden wieder mehr Großeinkäufe getätigt. Für uns hat die Krise auch etwas Positives: Plötzlich werden wir Supermarktmitarbeiterinnen tatsächlich gesehen. Wir haben noch nie so viel Wertschätzung von Kunden erlebt. Sie bedanken sich und bringen Schokolade mit."

Ausnahmezustand herrscht auch bei Maria Schlagnitweit von Leitner+Leitner. "In der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung wurde viele Nächte durchgearbeitet. Die immer wieder neuen Verordnungen mussten gelesen und natürlich auch umgesetzt werden. Mein Wunsch an die Politik lautet: weg vom bloßen Zusperren hin zu positiven Konzepten, wie sie Hotels, Museen und Theater vorgelebt haben. Mehr Gebote, weniger Verbote."

Elisabeth Bräutigam, Ärztliche Leiterin bei den Barmherzigen Schwestern, hat Verständnis für die Wünsche und Sorgen der Wirtschaft, erlebt aber hautnah, was in den Spitälern derzeit wirklich los ist. "Es ist ein schmaler Grat, auf dem wir uns bewegen. Die Situation bei uns ist sehr, sehr angespannt. Es geht nicht nur um verfügbare Intensivbetten, sondern vor allem um das Personal. Auch wir haben krankheitsbedingte Ausfälle, das verschärft die Lage natürlich sehr. Ich selbst habe keine Angst, muss aber sagen, dass ich dieses Virus nicht bekommen möchte. Ich arbeite zurzeit von fünf Uhr früh bis ein Uhr nachts. Und dann bin ich noch immer nicht fertig."

Monika Aichberger, Vizepräsidentin der oö. Apothekerkammer, berichtet von Engpässen von Medikamenten aller Art beim ersten Lockdown. "Jetzt sind wir auch mit den Anfragen nach den fehlenden Grippeimpfstoffen konfrontiert. Wir versuchen unser Möglichstes, noch Nachschub zu bekommen. Es ist eine sehr heftige Zeit. Für uns Apotheker ist es viel schwieriger als im März und April. Wir hatten immer offen, mussten viele Neuerungen wie das elektronische Rezept umsetzen. In Summe denke ich, wir werden das Leben mit dem Virus lernen müssen."

Frauenzeit bei den OÖN

In der Vergangenheit haben die OÖNachrichten immer wieder zu Frauenveranstaltungen in die Promenaden Galerien eingeladen. Aufgrund der Pandemie ist dies derzeit nicht möglich. Um Frauenthemen in den Mittelpunkt zu rücken, präsentieren wir Ihnen künftig unsere Veranstaltungsreihe „Frauenzeit“. Den Auftakt machte eine Onlinediskussion zum Thema „Heldinnen der Krise“, lesen Sie oben.

Anfang Dezember laden wir zum Thema „Schule am Limit“ ein. Die OÖN-Redakteurinnen Barbara Eidenberger und Gerhild Niedoba diskutieren mit Vertreterinnen aus Pädagogik, Psychologie sowie mit Eltern und Schülerinnen. Mitte Dezember widmen wir uns – passend zur Vorweihnachtszeit – dem Thema „Stille“. Die Redakteurinnen Anneliese Edlinger und Roswitha Fitzinger werden diese Gesprächsrunde begleiten.

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