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Frauenzeit

"Ehe hat mit Liebe nichts zu tun"

27. Februar 2021 00:04 Uhr

"Ehe hat mit Liebe nichts zu tun"
Helene Klaar

Helene Klaar ist eine der renommiertesten Scheidungsanwältinnen Österreichs. Die Wienerin vertritt vorwiegend Frauen.

OÖNachrichten: Wer sich die ewige Liebe schwört, denkt normalerweise nicht an ein mögliches Ende, sollte sie bzw. er das tun?

Helene Klaar: Nicht unbedingt. Man heiratet ja nicht mit der Absicht, sich scheiden zu lassen, sondern aus Zuneigung und weil man der Meinung ist, dass es ewig halten wird. Allerdings bin ich eine Feindin von Eheverträgen. Frauen, die von vornherein auf alles verzichten, sind häufig die Allerangeschmiertesten. Sie unterschreiben aus Uninformiertheit, aus mangelnder sozialer Fantasie. Das Allerschlechteste ist allerdings immer noch, nicht zu heiraten. Das macht die Frau komplett rechtlos.

Ihr Ratschlag?

Kein Ehevertrag, lieber auf die Gesetze vertrauen und nie zu lange die Berufskarriere unterbrechen. Meiner persönlichen und beruflichen Erfahrung nach ist in der Kinderphase berufstätig zu sein immer noch besser, als eine Berufsunterbrechung und dann im Scheidungsfall ein sozialer Notfall zu werden.

Sie haben in den 80er- und 90er-Jahren Scheidungsbroschüren und -ratgeber für Frauen verfasst. Braucht es derartiges Infomaterial immer noch oder mehr denn je?

Es braucht es immer noch. Die Ehe ist ein Vertrag mit einer besonderen Verflechtung der Vertragspartner. Deshalb ist es so wichtig, dass ich weiß, was der Vertrag impliziert und welche Folgen eine Scheidung hat. Da geht es ums Eingemachte, eine Weichenstellung für das ganze Leben. Wenn man zehn, 20 Jahre gemeinsam wirtschaftet, kann jede falsche Entscheidung Nachteile bringen, von denen man sich den Rest des Lebens nicht mehr erholt. Deshalb bin ich mit dem Schlagwort Liebe nicht glücklich. Ehe hat mit Liebe nichts zu tun. Liebe ist ein Gefühl, das die Scheidungsproblematik störend überlagert.

Klingt ziemlich desillusioniert …

Ich hab einmal im Radio ein Lied gehört. Es war eine Ballade über eine Frau, die jahrelang als unterdrückte Hausfrau lebt, dann wieder jemand kennenlernt und merkt, dass sie noch nicht zu alt ist, um Liebe zu spüren. Ich weiß noch, dass ich gedacht hab, das Lied gehört verboten. Sie bringt sich um ihren Unterhalts- und Pensionsanspruch. Ich fand das Lied nicht romantisch, sondern volksverblödend.

Sie vertreten in der Mehrheit Frauen. Verirren sich auch Männer in Ihre Kanzlei?

Es kommen eher Softie-Männer, selten hartgesottene Machos und wenn doch, fühlen sie sich meist unwohl. Auch Luxusfrauen, die es als Zumutung empfinden, zum Lebensunterhalt etwas beizutragen, kommen höchstens einmal, weil sie feststellen, dass ich für ihre Situation kein Verständnis habe.

Müssen Sie sich häufig anhören, eine Männerhasserin zu sein?

Auch – vor allem weil ich angeblich schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht hätte und mich nun rächen möchte. Das Gegenteil ist der Fall. Ich bin umgeben von positiven Männerbeziehungen. Ich hatte eine sehr herzliche Beziehung zu meinem Vater, habe zwei nette Söhne und mit meinem Kanzleipartner vertrage ich mich auch besonders gut. Klientinnen beklagen sich häufig über ihre untreuen und lieblosen Männer und meinen dann entschuldigend: "Männer sind halt so". Da sag ich dann: "So sind Männer nicht. So ist Ihrer!"

Sie sind seit mehr als 40 Jahren verheiratet. Wie gelingt das?

Ich hab meinen Mann gut ausgesucht. Wir sind uns nach wie vor sympathisch, haben viele gemeinsame Interessen und ähnliche Meinungen und Einstellungen. Wir streiten nur über Alltägliches. Mein Mann dreht nichts ab und macht nichts zu, das führt gelegentlich zu Meinungsverschiedenheiten.

Gibt es Klientinnen, die Sie wieder wegschicken?

Es gibt Klientinnen, die mit dem, was ich sage, nicht zufrieden sind. Kürzlich war eine Dame bei mir, die mit ihrem Mann einen Betrieb aufgebaut hat und nun hofft, dass sie etwas bekommt. Ich musste ihr die traurige Mitteilung machen, dass betriebliches Vermögen nicht geteilt wird. Sie war unzufrieden und hat das Gespräch beendet. Ich bin überzeugt, ich sehe sie nie wieder.

Raten Sie Frauen häufig von der Scheidung ab?

Sehr häufig. Wenn mir das Zusammenleben nicht so unerträglich vorkommt und der Scheidungsstreit auf dünner Beweislage beruht und die materiellen Folgen sehr einschneidend wären. Schwieriger ist es, wenn der Mann unbedingt geschieden werden will. Das kann man letztlich auf Dauer nicht verhindern, nur hinauszögern. Aber die Frau hat immerhin drei Jahre Zeit, sich neu zu orientieren.

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