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Lingers Gold ist nicht gleich Lingers Gold

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Doppelt hält besser: Die Brüder Linger rodelten wie 2006 in Turin zum Olympiasieg im Doppelsitzer. (Gepa)  Bild: GEPA pictures/ S

Die Tiroler Brüder Andreas und Wolfgang Linger rodelten wie schon 2006 in Turin zum Olympiasieg. Dass Gold nicht gleich Geld ist, sei doch einfach relativ, sagen sie.

Das Blitzlichtgewitter brach auf sie herein, sie machten Freudensprünge, ballten die Faust, schwenkten die rotweißrote Fahne. Die Sekunden davor: Der Schrei, den Vordermann Andreas loslässt, ist noch nicht verhallt, fallen sich die Männer in den rotweißroten Anoraks in die Arme. Daumendrücker Gregor Schlierenzauer legt einen – wie kann es anders sein – respektablen Luftsprung hin, und Nina Reithmayer treibt es wie tags zuvor bei ihrer Silberfahrt die Tränen in die Augen.

„Wahnsinn“, sagen die Lingers. Nervös seien sie gewesen. Nervös wie selten zuvor. „Nachdem wir das Training derart dominiert hatten, war uns klar, dass, wenn wir fehlerfrei bleiben, uns keiner nachkommt.“ Das Tiroler Brüderpaar blieb fehlerlos und wies mit zwei Laufbestzeiten das lettische Brüderpaar Sics/Sics (+0,264 Sekunden) und die deutschen Brüder im Geiste, Leitner/Resch (0,335), mit Respektabstand in die Schranken. Die Tiroler Cousins Tobias und Markus Schiegl kamen im ersten Lauf in der Zielkurve gewaltig in die Bredouille („ein dummer Fahrfehler“), wurden letztlich nur Achte und wollten „nach einer Flasche Whisky“ einmal schauen, ob es noch eine Rodelzukunft für sie gebe.

Die Gegenwart heißt schließlich Linger/Linger. Andreas (28), der nach Selbsteinschätzung selbstbewusste, detailverliebte Tüftler, und Wolfgang, sein um 17 Monate jüngerer Hintermann, der, wie er meint, etwas Lockerheit und Spaß in die Trainings bringt.

Dass sich selbst zweifaches Olympia-Gold nur schwer in Geld verwandeln lässt, ist den beiden klar: „Wir waren auch nach Turin lange auf Sponsorsuche. Aber wir können inzwischen gut vom Rodeln leben“, sagt Wolfgang und verweist auf Sporthilfe, Bundesheer und Spitzensportförderung. Andreas: „Wir wissen, wo wir hingehören. Auch wenn Rodeln olympisch ist, bleiben wir mit Ausnahme der Spiele eine Randsportart. Man muss zufrieden sein mit dem, was man hat. Uns geht es gut, wir haben den Job, den wir uns ausgesucht haben, und stehen erneut mit Gold da. Mehr kann man doch nicht verlangen. Noch vor ein paar Tagen sind wir mit Tränen dagesessen und haben uns gefragt, was wir da eigentlich noch sollen.“ Und überhaupt: „Geld ist nicht das, über was wir uns den Kopf zerbrechen. Natürlich versuchen wir auch hier das Optimale herauszuholen. Aber uns allen wurde in dieser Woche auf so tragische Art und Weise vorgeführt, wie schnell alles vorbei sein kann.“ Deshalb wollen die Linger-Brüder das Hier und Jetzt genießen. Einfach so. Mit der Goldenen um den Hals.

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