Reithmayer ist damit definitiv auf Medaillenkurs und könnte für das erste olympische Damen-Rodel-Edelmetall seit Angelika Neuner (Bronze 1998 in Nagano) sorgen. "Ich bin sehr zufrieden. Der zweite Lauf war fast gleich gut wie der erste. Ich habe ein bisschen die Startkurve versemmelt", meinte Reithmayer, die allerdings ihre Laufbestzeit aus dem ersten Heat dennoch um 0,165 Sekunden verbesserte.
"Mache mich nicht narrisch"
Die Tatsache, dass sie nun eine Nacht Zeit hat darüber auch nachzudenken, spielte die Freundin von Skeleton-Olympiastarter Matthias Guggenberger herunter. "Ich lasse mich da sicher nicht narrisch machen", meinte die natürliche und schlagfertige Innsbruckerin und kündigte an, am Abend in aller Ruhe Nintendo Wii zu spielen. Die 25-Jährige, die heuer in Sigulda schon EM-Bronze geholt hat, im Weltcup aber bisher nie über einen dritten Platz hinausgekommen ist, hat nun sogar noch Chancen auf Gold.
Und das weiß die selbstbewusste junge Dame auch: "Tatjana muss auch noch eine Nacht drüber schlafen. Ich hoffe, dass der liebe Gott mir noch zwei gute Läufe bringt und sich die Top Drei ausgehen." Was sie dazu sagt, dass sie auf Medaillenkurs liegt? "Geil!"
Die ein Jahr ältere Hüfner, die in Turin noch Bronze geholt hatte, ist nach dem Rücktritt ihrer Landsfrauen Sylke Otto und Silke Kraushaar 2007 und 2008 Weltmeisterin geworden und hat 2008 bis 2010 den Gesamt-Weltcup gewonnen. Ein Kriterium ist die verkürzte Bahn, die einigen Athleten zu schaffen macht. "Vom Juniorenstart ist der Start weg sehr ausschlaggebend. Im ersten habe ich da einen groben Patzer hingelegt", meinte Hüfner, die auch im zweiten Heat noch keine perfekte Fahrt ortete.
Top-Ausgangsposition
ÖRV-Cheftrainer Rene Friedl war natürlich mit Reithmayers Leistung hochzufrieden. "Das ist eine Top-Ausgangsposition, bei einem olympischen Rennen zur Halbzeit auf Platz zwei zu sein. Nina ist gut drauf. Ich denke, dass Nina voll angreifen wird", so der Deutsche in den Diensten des österreichischen Rodelverbandes. Und er empfiehlt ihr das auch. "Es gibt nur volles Risiko zu fahren. Es ist auch nach vorne noch was möglich."
Im Schatten ihrer Teamkollegin landete Veronika Halder, die von ihren Eltern vor Ort kräftig angefeuert wurde, auf dem elften Zwischenrang nach Tag eins. Beide Male hatte sie mit einer 8,57-er-Startzeit zu viel Zeit auf die Besten verloren. Zum Vergleich: Reithmayer mit 8,41 bzw. 8,40. "Ich bin wieder ziemlich abgerutscht, es war nicht besser als der erste", meinte Halder nach Lauf zwei. Die stumpfe Kurve gleich nach dem Start, die auch schon die Brüder Andreas und Wolfgang Linger als ein wichtiges Kriterium für das Rennen angegeben hatten, hat jedenfalls schon einige Athletinnen etwas von ihrem Kurs abgebracht.