OÖN: Sie zeigten zuletzt mit dem Sieg beim Skifliegen in Oberstdorf bereits tolle Form. Sehen Sie sich nun auch als WM-Favorit?
Koch: Ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich ein Anwärter auf den Titel bin. Ich hab in Oberstdorf bewiesen, dass ich auf Skiflug-Schanzen sehr gut springen kann. Das heißt, angerichtet ist alles, aber es gibt noch fünf bis zehn andere Leute, die mir das Leben schwer machen wollen.
OÖN: Wiederkehrende Rückenprobleme zwangen Sie in der Saison zur Pause. Sind diese nun ausgemerzt?
Koch: Durch die intensive Therapie und das veränderte Training machen sie mir auf der Schanze keine Probleme mehr. Ich merke es noch bei langen Reisen oder bei hartem Training.
OÖN: Sie gelten als einer der besten Skiflieger. Was macht die Faszination dieser Disziplin aus?
Koch: Einerseits das Ungewisse, da man es nur schwer trainieren kann, weil die Schanzen doch größer sind als normal und deshalb etwas die Routine fehlt. Andererseits die Geschwindigkeit und längere Luftfahrt. Wir sind an die acht Sekunden in der Luft, für mich kriegst du da Fliegen erst so richtig mit.
OÖN: Der Weltrekord steigt laufend. Glauben Sie, dass Sie irgendwann einmal 300 Meter weit fliegen?
Koch: Schön wäre es, aber ich glaube nicht, dass ich so lange durchhalte.
OÖN: Aber möglich wäre es, oder?
Koch: Auf jeden Fall. So wie die Schanze in Vikersund gebaut ist, waren im Vorjahr schon die 240 Meter kein Problem. 300 sollten auch irgendwann einmal möglich sein.
OÖN: Was wäre Ihnen lieber: der WM-Titel im Skifliegen oder aber der Gewinn der Vierschanzentournee?
Koch: Ich glaube, da mache ich mir jetzt keine Freunde, aber mir wäre der Skiflug-Titel lieber, weil der schon immer eine besondere Bedeutung für mich gehabt hat. Das ist mein Metier und es würde mir einfach mehr geben.
Drei heimische Trainer, ein Ziel: WM-Gold
Österreichische Skisprung-Trainer stehen hoch im Kurs. Vor den Skiflug-Weltmeisterschaften von Freitag bis Sonntag in Vikersund (Norwegen) haben Alexander Pointner, Alexander Stöckl und Werner Schuster für die von ihnen betreuten Mannschaften des ÖSV, Norwegens und Deutschlands den Gewinn von Gold als Ziel genannt. Ihre Quartette könnten am Sonntag durchaus gemeinsam auf dem Podest stehen.
Pointner sieht seine Adler nach der Generalprobe in Oberstdorf bestens aufgestellt. Was in der Woche nach der „Niederlage“ bei der Team-Tour in Willingen passiert sei, sei der größte Sieg, betonte der Coach. Man sei näher zusammengerückt und wieder aufgestanden. „Jetzt haben wir bei der WM gute Möglichkeiten, jeder kann loslassen und jeder weiß, es funktioniert.“ Von einer Weltrekord-„Jagd“ auf der weltgrößten Schanze, auf der Johan Remen Evensen (Nor) im Vorjahr mit 246,5 Metern eine neue Bestmarke fixiert hat, will Pointner nichts wissen. „Das wäre gefährlich. Ein Weltrekord muss passieren“, sagte der Erfolgscoach, der mit seinem Team seit Olympia 2006 in bereits acht Bewerben bei Großereignissen ungeschlagen ist.
Stöckl nimmt in seiner ersten Saison als Cheftrainer ein Großereignis in seiner sportlichen Heimat in Angriff. Bei der Präsentation der Mannschaft auf dem Flughafen Oslo am Montag war das Gedränge der Medien groß. „Man merkt, dass Skispringen einen großen Stellenwert hat, mit den Erfolgen ist auch die Erwartungshaltung gestiegen“, sagte der Tiroler, dessen Athleten in diesem Winter zwei der vier Weltcup-Teambewerbe gewonnen haben. Der Ex-ÖSV-Nachwuchscoach sieht für Norwegen Chancen im Einzel- und im Teambewerb. „Zwei Stück wären ein Traumergebnis“, sagte Stöckl und glaubt, dass Weltcup-Spitzenreiter Anders Bardal zu den Mitfavoriten zählt, obwohl er zuletzt in Oberstdorf etwas zurückgelegen war. Der Familienvater habe sich erst an die Rolle des Trägers des Gelben Trikots gewöhnen müssen.
Edelmetall nannte auch Schuster als Ziel. „In der Team-Entscheidung können wir mit den besten Mannschaften der Welt mithalten“, betonte der Kleinwalsertaler, der wie seine zwei Landsleute einen Trainervertrag bis nach den Winterspielen 2014 in Sotschi hat. Im Einzelbewerb, der in je zwei Durchgängen am Freitag (16.30 Uhr) und Samstag (16) entschieden wird, sieht er seine Athleten Severin Freund und Richard Freitag in „interessanter Außenseiterposition“.
Skiflug-WM: Alle Fakten
Programm der Skiflug-WM in Vikersund: Heute, 18 Uhr: Qualifikation; Freitag, 16.30/17.30 Uhr: Einzelbewerb 1. Tag; Samstag, 16/17 Uhr: Einzelbewerb Entscheidung; Sonntag, 15/14.45 Uhr: Teambewerb
Die weitesten Flüge bisher in der Geschichte: 246,5 Meter: Johan Remen Evensen (Nor); 243,5 Meter Gregor Schlierenzauer (Ö); 243 Meter: Evensen; 241,5 Meter: Martin Koch (Ö); 240 Meter: Evensen und Janne Happonen (Fin); 239 Meter: Björn Einar Romören (Nor)
Österreichische WM-Medaillengewinner im Einzel: Gold (4): Armin Kogler 1979, Andreas Felder 1986, Andreas Goldberger 1996, Gregor Schlierenzauer 2008; Silber (8): Toni Innauer 1977, Armin Kogler 1981, Franz Neuländtner 1986, Andreas Goldberger 1992, Andreas Widhölzl 2000, 2006, Martin Koch 2008, Gregor Schlierenzauer 2010; Bronze (2): Karl Schnabl 1975, Thomas Morgenstern 2006; Team: Gold (2): 2008 (Schlierenzauer, Koch, Morgenstern, Kofler), 2010 (Loitzl, Morgenstern, Koch, Schlierenzauer); Bronze (1): 2004 (Widhölzl, Goldberger, Loitzl, Morgenstern)
Ergebnisse Weltmeisterschaft 2010 Planica:
Einzel: 1. Simon Ammann (Sz) 935,8, 2. Gregor Schlierenzauer (Ö) 910,3, 3. Anders Jacobsen (Nor) 894,0;
Team:
1. Österreich 1641,4,
2. Norwegen 1542,3,
3. Finnland 1474,3
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