OÖN: Ihre Entscheidung, beim Skiverband aufzuhören, scheint lange vorbereitet gewesen zu sein. Seit wann wussten Sie, dass sie am 10. März 2010 aufhören werden?
Innauer: Ich hatte diese Entscheidung schon länger im Kopf, auch meine engeren Mitarbeiter habe ich vor Monaten informiert. Ich wollte schon nach 2006 in Turin aufhören. Aber dann wartete ich noch auf den Erfolg der Jungen, zu denen ich eine besondere Beziehung hab‘.
OÖN: Und während Sie auf die Jungen warteten ist dann plötzlich der alte Wolfgang Loitzl explodiert . . .
Innauer: Ja, der Loitzl – ich hab immer gewusst, dass es dieser Hundling drauf hat. Seine späten Erfolge sind eine schöne Geschichte. Genauso wie die Siege von Gregor Schlierenzauer, von Thomas Morgenstern oder dem Andreas Kofler. Auch dass David Zauner so gut drauf ist, freut mich sehr.
OÖN: Gerade wenn alles so gut passt, ist die Versuchung groß, diese Erfolge noch auszukosten. Hören Sie da nicht zu früh beim ÖSV auf?
Innauer: Ich habe schon als Trainer zu früh aufgehört. Nach Olympia in Albertville bin ich gegangen, obwohl sich der Höhenflug von Goldberger abgezeichnet hat. Aber ich war damals ausgebrannt. Jetzt war ich auf dem besten Weg dorthin, wieder auszubrennen, darum ist es gut und richtig, einen Schlussstrich zu ziehen.
OÖN: Ist dieser endgültig oder wird Toni Innauer wieder im sportlichen Umfeld in irgend einer Funktion auftauchen?
Innauer: Den Rückweg zum Sport lasse ich offen. Ganz bewusst. Ich bin ja nicht mit Wut gegangen.
OÖN: Sie haben sich selbst eine einjährige Pause im Sport verschrieben. Was werden Sie machen?
Innauer: Zunächst bin ich mit der Promotion für mein neues Buch beschäftigt. Das ist sehr anspruchsvoll, weil mein Co-Autor Christian Seiler und ich da alles selber machen. Da steht kein großer Verlag dahinter, das Risiko tragen wir selbst. Dann werde ich mir eine Auszeit gönnen und mich irgendwohin zurückziehen, wo niemand den Toni Innauer kennt.
OÖN: Sie sind ein begehrter Referent für große Firmen, ist da nicht die Versuchung sehr groß, dass Sie als Ich-AG bald wieder voll gefordert sind?
Innauer: Da gibt es sicher sehr interessante Projekte, aber eine Ochsentour mache ich keine.
OÖN: Gibt es ein Job-Angebot, bei dem Sie sofort schwach werden würden?
Innauer: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. (Einschub: Christian Seiler wirft jetzt das Stichwort „Papst“ ein – und man hat fast den Eindruck, Innauer würde kurz darüber nachdenken. Er sagt dann aber doch nichts. Schade, irgendwie.) )
OÖN: Die Politik würde Sie nicht reizen?
Innauer: Die Politik interessiert mich schon, aber nicht unbedingt auf der nationalen Ebene. Wir sind in Europa, da sind die internationalen Zusammenhänge spannend.
OÖN: Zurück zum ÖSV. Hatten Sie als Freigeist nie Probleme mit den doch eher straffen Strukturen des Verbandes?
Innauer: Natürlich war es manchmal nicht so einfach, aber Präsident Schröcksnadel hat mir doch immer wieder soviel Freiraum gegeben, wie ich gebraucht habe. Wenn du die Verantwortung für 60 Sportler und 40 Betreuer hast, da musst du natürlich gewissen Kompromisse machen.
OÖN: Schröcksnadel wird als Alpen-Ecclestone und als Autokrat bezeichnet. Er diskutiert nicht gerne, sondern entscheidet lieber. Ist diese Außenwahrnehmung falsch?
Innauer: Seine große Stärke ist sicher seine Entscheidungsfreude. Wenn er von etwas überzeugt ist, zieht er es durch. Und das ist meistens gut so.
OÖN: In Ihrem Buch analysieren Sie, dass im alpinen Trainerstab im Gegensatz zu den nordischen keine ehemaligen Spitzensportler aktiv wären. Gibt es schon Reaktionen auf diese Kritik?
Innauer: Nein, das ist ja auch nicht als Kritik an den Leistungen der Alpin-Trainer gemeint, auch wenn das jetzt so rüberkommt. Ich bin nur der Meinung, dass der alpine Rennsport wahnsinnig gefährlich geworden ist und das vermutlich nicht passiert wäre, wenn ehemalige Aktive im Trainerstab mitbestimmen würden. In 20 Jahren werden die Leute die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie an die vielen Schwerverletzten denken, die heutzutage der alpine Weltcup produziert. Das darf doch nicht sein, Skifahren ist doch kein Kampfsport!
OÖN: Sie haben 1999 entschieden, die Sparten Langlauf und Biathlon abzutreten. Habe Sie es gewusst, dass hier ein Doping-Skandal losbrechen könnte?
Innauer: Wahrscheinlich habe ich einen guten Riecher gehabt. Mir ist aufgefallen, dass der Internationale Verband bei den Doping-Kontrollen die vorhandenen Möglichkeit nur sehr lasch ausgenützt hat.
OÖN: Glauben Sie an Spitzensport ohne Doping?
Innauer: Ja, wenn international gültige Standards verpflichtend eingefordert und auch international kontrolliert werden. Die Wettbewerbsgesellschaft muss sich an Spielregeln halten, sonst geht sie vor die Hunde. Das gilt nicht nur für den Sport.
Vater und Sohn räumen Schulden-Hof nicht
Rekordgewinn: General Motors hat Pleitegeier verscheucht
Marc Janko: „Ich habe das Debüt genossen“
Putsch auf den Malediven