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Traumlauf von Lizeroux - Herbst holt Slalom-Kugel

Der Traumlauf von Julien Lizeroux blieb unbelohnt: Der Franzose fuhr in Garmisch-Partenkirchen im zweiten Lauf noch vom neunten auf den vierten Platz - zuwenig! Reinfried Herbst holte mit seinem neunten Platz genug Punkte, um die Slalom-Kugel zu holen. Den Slalom gewann Felix Neureuther.

Das letzte Herren-Rennen des alpinen Ski-Weltcup-Winters hatte zwei große Sieger: Felix Neureuther
und Reinfried Herbst. Neureuther feierte in seiner Heimat
Garmisch-Partenkirchen einen umjubelten Slalom-Heimerfolg und Herbst
heimste dank Rang neun die kleine Kristallkugel für den
Disziplinen-Weltcup ein.

   Herbst hat nach einem Herzschlagfinale 22 Slalom-Punkte mehr als
Julien Lizeroux auf dem Konto. Der Franzose, der Vierter wurde, hatte
mit zweitbester Zeit im zweiten Lauf noch einmal für ordentlich
Spannung gesorgt. „Für mich geht mit dieser Kugel ein echter
Kindheitstraum in Erfüllung, mir fällt ein großer Stein vom Herzen“,
jubelte der 31-jährige Salzburger, für den die Kugel einen noch
größeren Stellenwert als seine Olympia-Silberne 2006 hat.

   Die Kugel für Herbst war fürs gesamte ÖSV-Herren-Team ein
wohltuender Erfolg, denn bis Samstag war es beim Finale nicht
wirklich nach Wunsch gelaufen. Am Freitag hatte Benjamin Raich den
Kampf um die große Kristallkugel gegen den Schweizer Carlo Janka
verloren. Neben Herbst hat Raich in der Super-Kombi für die zweite
Kugel der ÖSV-Herren im Olympia-Winter gesorgt. Bei den Winterspielen
war die Truppe von Cheftrainer Toni Giger ohne Medaille geblieben.

   „Dieser Erfolg ist wichtig fürs gesamte Team, diese Kugel ist für
die gesamte Mannschaft und meine Fans“, meinte Herbst, der vor
wenigen Tagen zum zweiten Mal Vater wurde und deshalb bei der Feier
im Zielraum einen rosa Schnuller aus der Tasche holte und in den Mund
steckte. Herbst war körperlich geschwächt, weil er nach Olympia, wo
er als großer Favorit medaillenlos blieb, mit einem Virus zu kämpfen
hatte.

   Der Salzburger und Neureuther kündigten dennoch für Samstagabend
eine gemeinsame Party im WM-Ort 2011 an. Davor musste aber vor allem
Herbst ordentlich zittern. „Bei mir sind die Nerven blank gelegen.
Das war eine besondere Anspannung, alles andere wäre gelogen“,
gestand Herbst. Denn der Sieger von vier Saison-Slaloms lag nach dem
ersten Durchgang auf Rang zehn, sein Kontrahent Lizeroux direkt davor
auf Platz neun.

   Damit musste Herbst im zweiten Durchgang vorlegen, er tat dies mit
einer eher verhaltenen Fahrt, aber dennoch mit einer Bestzeit. Es
folgte eine entfesselte von Lizeroux. „Ich habe gehört, dass Herbst
führt und habe mir gesagt: Gib Gas, bremse nicht, so eine Chance
bekommst du vielleicht nie wieder“, berichtete der Franzose, der im
Ziel 1,29 Sekunden Vorsprung auf Herbst hatte.

   Damit begann das Zittern von Herbst und das Zählen, wie viele
Läufer ins große Zeitloch zwischen Lizeroux und Herbst hineinfahren.
Als dann aber Neureuther und der Schwede Andre Myhrer vor Lizeroux
blieben war klar, dass Herbst der Gesamtsieg nicht mehr zu nehmen
ist. Zum Drüberstreuen fuhr auch noch ÖSV-Teamkollege Manfred
Pranger, der zur Halbzeit geführt hatte, noch auf Platz zwei und
machte den Slalom-Tag aus österreichischer und deutscher Sicht
perfekt.

   „Ich freue mich über den zweiten Platz und über die Kugel für den
Reini, er hat es sich verdient“, meinte Pranger. Und Neureuther
gelang vor den Augen seiner Familie und Freunde mit dem zweiten
Weltcup-Sieg nach Kitzbühel 2010 ein ganz spezieller Coup. „Ich bin
froh, dass die Saison vorbei ist mit so einem schönen Abschluss. Und
heute Abend wird Garmisch brennen“, so der Partenkirchner.

   Vor 36 Jahren hatte Vater Christian Neureuther auf dem Hausberg
der Familie ebenfalls ein Weltcup-Rennen gewonnen. „Das ist eine
besondere Familienstory“, wusste auch der Papa nach dem Sieg seines
Sprösslings vor 15.000 Zuschauern auf dem Gudiberg.

Endstand des Herren-Weltcup-Slaloms am Samstag in Garmisch-Partenkirchen:

  1. Felix Neureuther (GER)   1:43,63        (   50,50-   53,13)
  2. Manfred Pranger (AUT)    1:43,92 + 0,29 (   49,85-   54,07)
  3. Andre Myhrer (SWE)       1:43,98 + 0,35 (   50,08-   53,90)
  4. Julien Lizeroux (FRA)    1:44,08 + 0,45 (   50,90-   53,18)
  5. Michael Janyk (CAN)      1:44,18 + 0,55 (   50,34-   53,84)
  6. Julien Cousineau (CAN)   1:44,33 + 0,70 (   49,94-   54,39)
  7. Silvan Zurbriggen (SUI)  1:44,66 + 1,03 (   50,85-   53,81)
  8. Manfred Mölgg (ITA)      1:44,92 + 1,29 (   50,76-   54,16)
  9. Reinfried Herbst (AUT)   1:45,37 + 1,74 (   50,92-   54,45)
 10. Ivica Kostelic (CRO)     1:45,43 + 1,80 (   51,72-   53,71)
 11. Akira Sasaki (JPN)       1:45,70 + 2,07 (   51,21-   54,49)
     . Urs Imboden (MDA)        1:45,70 + 2,07 (   51,67-   54,03)
 13. Jimmy Cochran (USA)      1:45,87 + 2,24 (   51,79-   54,08)
 14. Steve Missillier (FRA)   1:46,13 + 2,50 (   51,23-   54,90)
 15. Marcel Hirscher (AUT)    1:46,18 + 2,55 (   51,61-   54,57)
 16. Mattias Hargin (SWE)     1:46,27 + 2,64 (   51,55-   54,72)
 17. Axel Baeck (SWE)         1:46,41 + 2,78 (   52,31-   54,10)
 18. Brad Spence (CAN)        1:51,13 + 7,50 (   57,36-   53,77)

Ausgeschieden im 1. Durchgang: Giuliano Razzoli (ITA) , Marc Gini (SUI) , Naoki Yuasa (JPN)
Ausgeschieden im 2. Durchgang: Benjamin Raich (AUT), Lars Elton Myhre (NOR), Mitja Valencic (SLO), Reto Schmidinger (SUI), Ted Ligety (USA)

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zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Artikel 13. März 2010 - 17:24 Uhr
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