Es gibt sie, die Spitzensportler, die am Tag X ihre Karten ausspielen, die auftrumpfen, obwohl sie zuvor mehr schlecht als recht unterwegs waren. Die sagen, der Druck der Öffentlichkeit, der Medien und des Ichs mache ihnen nichts aus. Und die es auch so meinen.
Es existiert aber auch jene Spezies von Spitzensportlern, die stets betont, der Druck sei kein Problem, der sei allgegenwärtig, ein Kinderspiel. Jener Druck, der sich aber im Unterbewusstsein verankert, wenn er olympische Dimensionen erreicht, der die Muskulatur anspannt, das Handeln versteift.
Sportpsychologe Thomas Wörz begleitete Marlies Schild zurück an die Weltspitze. Er kennt Sportler mit dem viel zitierten Killerinstinkt. Und eben die andere Sorte. „Wenn man nichts mehr zu verlieren hat, startet man viel befreiter“, sagt er: „Dann fällt der Druck ab, und der Spaß ist wieder da.“ Olympia habe man jahrelang im Hinterkopf. „Man weiß am Start, dass die Erwartung extrem hoch ist, die beste Nation der Welt sein zu müssen. Das Unterbewusstsein reagiert auf das Umfeld – etwa auf Trainer, die angespannt sind, auf das Hoffen aller, dass du der bist, der die Kohlen aus dem Feuer holt.“ Unter Druck geht jedoch nicht bei allen die Leichtigkeit verloren. Wörz: „Manche Sportler können diesen Druck und die Angst in Spaß umwandeln.“
Cuche zerkugelt sich doch
Didier Cuche, der Whistler Mountain mit leeren Händen und Kvitfjell mit der Abfahrts-Kristallkugel verließ, kann fehlender Killerinstinkt nicht vorgeworfen werden. Gehemmt hat ihn bei Olympia aber vielleicht die enorme Erwartungshaltung der Eidgenossen, gesteigert durch die Omnipräsenz im Rampenlicht. Der spätere Abfahrts-Olympiasieger Didier Defago bereitete sich in Cuches Schatten vor. „Sicher tut so etwas wie bei Olympia weh, aber ich bin hier nicht mit dem Gefühl einer Revanche gestartet.“ Behauptet Cuche zumindest.
Hannes Reichelt, der im sonntägigen Super-G seinen ersten Weltcup-Sieg seit 724 Tagen um zwei Hundertstelsekunden verpasste, war bei Olympia nur Edelreservist gewesen. „Endlich durfte ich beweisen, dass ich im Super-G schnell bin“, sagte der 29-jährige Radstädter: „Es hat leider lange gedauert.“ Besser spät als nie kam auch Klaus Kröll in Fahrt. Am Samstag wurde er in der Abfahrt Dritter. Lediglich Aksel Lund Svindal fuhr sowohl bei Olympia als auch bei seinem Heimrennen in Kvitfjell auf das Podest.
Super-G-Sieger Erik Guay war beim olympischen Heimspiel zweimal Fünfter geworden: „Das war sehr enttäuschend, aber Druck und Erwartungen waren sehr groß. Das ist jetzt alles abgefallen.“ Das nächste Großereignis? Das ist 2011 die WM in Garmisch-Partenkirchen. Dort findet ab Mittwoch das Saison-Finale statt. Wie passend.
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