Im Oktober bekam die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) erstmals Einblick in die Ermittlungsakten der Soko Doping, die seit dem vorigen Winter umfassende Untersuchungen gegen mehrere Spitzensportler und Drahtzieher eines möglichen Doping-Netzwerks durchführt. Die Protokolle der Polizei liegen auch den OÖN vor.
Skilanglauf-Olympiasieger Christian Hoffmann soll Mitbesitzer einer Zentrifuge zum Blutdoping gewesen sein, die vom Laakirchner Sportmanager Stefan Matschiner betrieben wurde und die auch Radsportler Bernhard Kohl benützt haben soll.
Der des EPO-Dopings überführte Tour-Bergkönig von 2008 gab bei Anhörungen durch die Soko an, dass auch Hoffmann diese Zentrifuge benützt habe. Doch der Mühlviertler wird auch von zwei weiteren Zeugen belastet (siehe Faksimile). Diese wollen den 35-Jährigen beim Betreten der Wohnung in Linz-Urfahr gesehen haben, wo die Blutzentrifuge bis zum September des Vorjahres gestanden ist. Auch bei der Wiener Blutbank Humanplasma, bei der Spitzensportler aus dem In- und Ausland bis 2006 Blutdoping betrieben haben, soll Hoffmann gesichtet worden sein.
Hoffmann, für den die Unschuldsvermutung gilt, hat Doping stets bestritten. Er nannte der Soko Doping wie auch später der NADA zahlreiche Zeugen, die ihn von den Vorwürfen entlasten konnten. Laut Hoffmann-Anwalt Hans-Moritz Pott wurde davon bis jetzt aber keine Notiz genommen. „Da wird voreingenommen geurteilt. Es wurde kein einziger der von uns genannten Zeugen einvernommen. Für mich rechtsstaatlich äußerst bedenklich“, sagt der Schladminger Advokat. Hoffmann sprach in einem früheren OÖN-Gespräch gar von einer Verschwörung. „Da will mich jemand mit aller Gewalt absägen.“
Hoffmanns Bekanntschaft mit Matschiner liefert den Ermittlern und der NADA jedoch weitere Munition. Der Mühlviertler gab zwar an, nur wegen Sponsorensuche kurzfristig Kontakt gehabt zu haben. Eine Rufdatenermittlung ergab aber ein anderes Bild. Hoffmann hatte allein von Oktober 2008 bis zum April 2009 14 Mal telefonischen Kontakt mit dem mutmaßlichen Doping-Drahtzieher. Matschiner bezeichnete Hoffmann später als einen Freund.
Das ist auch Walter Mayer immer geblieben. Der Salzburger, Begründer des „österreichischen Langlauf-Wunders“, war als dieser bis zuletzt einer der engsten Vertrauten Hoffmanns. Auch gegen Mayer ermittelte die Soko Doping. Er saß wie Matschiner dabei sogar bereits in Untersuchungshaft. Nun blicken die Protagonisten einem Strafprozess entgegen. Fortsetzung folgt ... (fei)
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