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Olympia in Pyeongchang: Fluch oder Segen?

Während Tickets in Österreich Ladenhüter sind, darf die heimische Wirtschaft mit Impulsen aus Südkorea rechnen.

Olympia in Pyeongchang: Fluch oder Segen?

Spatenstich mit Wolfgang Mayer (backaldrin), ÖOC-„General“ Peter Mennel, ÖOC-Präsident Karl Stoss und Botschafter Michael Schwarzinger Bild: GEPA pictures/ Christian Walgram

"Ihr könntet mich einladen, und ich würde trotzdem nicht hinfahren." Nicht nur einmal hat die deutsche Unternehmerin und ehemalige Schauspielerin Petra Vieten, die mit "Vietentours Austria" den exklusiven Reisepartner des Österreichischen Olympischen Komitees in Sachen Winterspiele 2018 in Pyeongchang stellt, diesen Satz von ihren Kunden zu hören bekommen. Auch wenn Karten für das Event unter den fünf Ringen von 9. bis 25. Februar bereits ab 19 Euro zu haben sind, drohen sie ein Ladenhüter zu bleiben.

Vieten spricht Klartext: "In Österreich gibt es kaum Nachfrage, niemand kann sich Pyeongchang als Wintersportort vorstellen, die Reisen sind nicht ganz billig, das Ziel ist nicht attraktiv." Nicht zuletzt wegen der Nordkorea-Krise.

Das südkoreanische Organisationskomitee sieht die Dinge naturgemäß positiver. Zumindest die Einheimischen sollen vom olympischen Fieber erfasst werden – spätestens ab 1. November, wenn die Fackel 101 Tage durch ganz Südkorea "laufen" wird.

31 Prozent der Tickets verkauft

"Das wird der Turning point sein, unser Ziel sind volle Stadien", betont OK-Generalsekretär Hyung-Koo Yeo. Aktuell sind erst 31 Prozent der 1,18 Millionen aufgelegten Tickets verkauft. Extrem stark ist die Nachfrage für die Damen-Kür im Eiskunstlauf – mit 62 Bewerbern pro Ticket. Auch Short-Track steht im Beliebtheits-Ranking ganz weit oben. Da soll es förmlich Edelmetall regnen auf dem Weg zum ambitionierten Ziel. Südkorea will acht Mal Gold, vier Mal Silber, acht Mal Bronze und Platz vier im Medaillenspiegel erobern.

Die Vorliebe für das "schnelle Eis" bekommen wir beim Besuch der Hallen in der Küstenstadt Gangneung zu spüren. Plötzlich treffen dort zwei Olympiasieger aufeinander. Christoph Sieber (Surfen 2000), ÖOC-Chef de Mission, und Chun-sa Byun (Short-Track 2006), Botschafterin ihres Landes. Sie führt uns in die Geheimnisse der "Kufenflitzer" ein.

Ein Tiroler vermisst Schwarzbrot

Einen Katzensprung entfernt baut sich die Eishockey-Arena auf, in der uns ein Tiroler empfängt: Harald Springfeld bekam 2010 vom Internationalen Verband IIHF das Angebot, die "Puckjagd" in Asien voranzutreiben. Seit 2015 gehört der Ex-Spieler und Fachmann der Szene dem südkoreanischen Olympia-Komitee als Berater an. Bei allem Enthusiasmus vermisst Springfeld ein wertvolles Nahrungsmittel aus Österreich: "Das Schwarzbrot."

So etwas hört Wolfgang Mayer, Mitglied der Geschäftsführung des Vorzeige-Unternehmens "backaldrin", gerne. Kornspitz hat den asiatischen Markt für sich entdeckt, ein Engagement während der Winterspiele in Pyeongchang ist förmlich "aufgelegt". Gestern war Mayer beim Spatenstich für das Austria House 2018 (Budget: mehr als 2,5 Millionen Euro) live dabei. Wie in Sotschi 2014 und in Rio 2016 wird es in dem schmucken Häuschen eine eigene Backstube geben. Mit vier Bäckern und einem Konditormeister.

Oberösterreicher-Abend

Die nackten Zahlen sind beeindruckend: Zwei Container mit zehn Tonnen Bäckerei-Rohstoffen sind verschifft worden, die Gäste in Partylaune erwarten 150.000 Stück Gebäck, zweieinhalb Tonnen Brot, 2000 kg Kuchen und als Draufgabe die Begegnung mit den Kornspitz-Aushängeschildern Fabian Hambüchen (Turn-Olympiasieger) und Christoph Sumann (dreimaliger Biathlon-Medaillengewinner).

Am 22. Februar wird es sogar einen Oberösterreicher-Abend mit Sportlandesrat Michael Strugl an der Spitze geben. "Wenn du hier dein Land in einer derart gemütlichen Atmosphäre präsentieren kannst, dann bekommt der Kunde einen Wert, den er sonst nicht haben wird", betonte Mayer.

Ebenfalls Feuer und Flamme für Pyeongchang ist das Vorarlberger Unternehmen Doppelmayr, seines Zeichens Weltmarktführer in Sachen Seilbahnbau. Nicht weniger als 22 "Verbindungen" made by Doppelmayr werden olympische Athleten, Betreuer und Besucher befördern. Dieses Geschäft rentiert sich wirklich.

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Artikel Alexander Zambarloukos aus Pyeongchang 19. Oktober 2017 - 00:04 Uhr
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