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"Österreichische Bewerbung wäre stark"

Interview mit Thomas Bach: Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees über heimische Olympia-Chancen, neue Märkte, die Abfahrt und das Werbeverbot.

"Österreichische Bewerbung wäre stark"

Olympische Jugendspiele im Zeichen der Völkerverbindung: IOC-Präsident Thomas Bach (4. v. r.) ist Feuer und Flamme. Bild: Reuters

Strahlender Sonnenschein, zugefrorene Seenplatten, angezuckerte Berge, frostige –12 Grad, fröhliche Musik aus den Lautsprechern rund um die Wettkampfstätten der Youth Olympic Games – und mittendrin das mondäne "Hotel Lillehammer", in dem sich die Bel Etage der olympischen Bewegung tummelt. Die österreichische Delegation mit ÖOC-Chef Karl Stoss an der Spitze läuft Stabhochsprung-Gigant Sergej Bubka über den Weg, kurz darauf bekommen wir eine Audienz beim obersten Boss unter den fünf Ringen, IOC-Präsident Thomas Bach.

 

2016 Rio, 2018 Pyeongchang, 2020 Tokyo, 2022 Peking – sind Olympische Spiele für Europa nicht mehr attraktiv genug?

Thomas Bach: Wir sollten froh sein, dass der Wintersport auch in anderen Weltgegenden an Popularität gewinnt. 2022 werden Möglichkeiten für ein paar 100 Millionen eröffnet. Im Übrigen wären manche Skistationen in Europa im November glücklich gewesen, wenn sie Schneefall wie in den Bergen nördlich von Peking gehabt hätten. Kandidaturen entstehen aus verschiedenen Motiven. Für die einen ist es die Nutzung vorhandener Wettkampfstätten, für die anderen der Katalysator, etwas Neues zu machen. Zum Beispiel in Rio. Nach 50 Jahren Stillstand in der Infrastruktur kommt Professionalität ins Verkehrssystem.

Würden Sie Österreich zu einer Olympia-Bewerbung raten?

Eine österreichische Bewerbung wäre eine starke – mit der Winterbegeisterung, mit den Athleten, mit der organisatorischen Erfahrung. Innsbruck hatte nicht nur zwei Mal Olympische Winterspiele, sondern auch die Jugendspiele 2012 und noch mehr. Eine starke Bewerbung hat immer gute Erfolgsaussichten.

Im Oktober 2015 ließ FIS-Boss Gian-Franco Kasper anklingen, dass gewisse olympische Disziplinen aus Kostengründen von der Streichung bedroht seien. Ist die alpine Abfahrt gefährdet?

Nein. Natürlich arbeiten wir daran, die Kosten für Spiele zu senken. Da sind wir auf einem guten Weg. Frühere Bewerber haben bei neun verschiedenen Gelegenheiten antreten und sich präsentieren müssen. Diese Anzahl ist auf zwei reduziert worden. Als wir mit München (für 2018, Anm.) kandidiert haben, sind wir mit acht oder zehn Leuten nach Neukaledonien geflogen. Wir haben 15 Minuten präsentiert – und in diesem Raum war ein einziges IOC-Ehrenmitglied vorhanden. All das ist vorbei.

Größer denn je scheinen die Probleme in der Leichtathletik zu sein. Korruption und Vertuschung von Dopingskandalen in "großem Stil", Russland auf der Anklagebank – befürchten Sie negative Auswirkungen auf die Sommerspiele 2016 in Rio?

Ich glaube nicht, dass diese Negativschlagzeilen die Begeisterung um Usain Bolt und andere schmälern. Auf Dauer muss der Internationale Leichtathletikverband aber seine Angelegenheiten in Ordnung bringen – weil man sonst die Glaubwürdigkeit der Organisation und jene des Sports nicht auseinanderhalten wird können.

Wie geht die olympische Familie mit der Flüchtlingskrise um?

Es ist unsere Stärke, eine Botschaft zu senden – nämlich wie gleiches Recht ohne Diskriminierung funktioniert. Unter 20 Millionen Flüchtlingen müssen schon rein statistisch Athleten sein. Wir haben Programme am Laufen, mit denen wir ihnen helfen wollen, weiter zu trainieren. Und wenn sie die Qualifikation erfüllen, laden wir sie nach Rio ein. Sie werden im olympischen Dorf wohnen – und bei der Eröffnung hinter der olympischen Fahne einmarschieren. Für diese Integration haben wir zusätzlich zwei Millionen US-Dollar aufgelegt, die wir 15 Nationalen Komitees zur Umsetzung zur Verfügung gestellt haben. Österreich macht hier eine sehr gute Arbeit.

Ist das Werbeverbot bei Olympischen Spielen noch zeitgemäß?

Das IOC investiert 90 Prozent seiner Einnahmen in den Sport. Würden wir Rio nicht mit 1,5 Milliarden Dollar unterstützen, gäbe es dort keine Spiele. Die Sponsoring-Frage ist ein Solidarpunkt. Es ist nicht der Sinn, dass eine Handvoll Stars mit Hilfe einiger Sponsoren die Spiele zu ihrer Bühne machen und die anderen leer ausgehen.

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Artikel Alexander Zambarloukos aus Lillehammer 16. Februar 2016 - 00:04 Uhr
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