ePaper | 
Anmelden
 |  A A A

 
Linz  3°C ·  Freistadt  1°C ·  mehr Wetter »
Sport  > Tennis

Köllerer als letzter Mohikaner

NEW YORK. Ausgerechnet das "Enfant terrible" der österreichischen Tennis-Szene hat sich als einziger Vertreter der Alpenrepublik für die dritte Runde der US Open in New York qualifiziert. Daniel Köllerer zeigte am Freitag beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres eine ausgezeichnete Leistung und bezwang Pablo Cuevas (URU) mit 3:6,6:2,6:1,6:4. Damit steht der 26-jährige Oberösterreicher, der derzeit im ÖTV-Davis-Cup-Team unerwünscht ist, erstmals in seiner Karriere bei einem "Major" in der Runde der letzten 32.

Der "Heißsporn" aus Wels ist auch von seiner Form her heiß, doch mit dem Weltranglisten-Sechsten Juan Martin del Potro bekommt er am Sonntag ein ganz großes Kaliber als Gradmesser. Zum dritten Mal spielt Köllerer in seiner Karriere nun gegen einen Top-Ten-Mann: Heuer im März musste er sich in der zweiten Indian-Wells-Runde Andy Roddick mit 1:6,6:7 beugen, vier Monate später, beim Sandturnier in Baastad, bot er gegen Fernando Verdasco beim knappen 7:6,2:6,5:7 eine ähnlich gute Leistung wie gegen Cuevas.

"Ich weiß zur Zeit noch nicht, wie stark ich wirklich bin", überrascht Köllerer. Er selbst habe sich vor dem Match einen Sieg über Cuevas nie und nimmer zugetraut. "Das Problem, das ich habe, ist, dass ich mich selbst immer völlig unterschätze."

Bei allen Ressentiments, die man gegen Köllerer, der in seiner Vergangenheit auch schon mehrere mehrmonatige Sperren durch die ATP erhalten hat, haben mag: Mit seinem aggressiven Tennis, und auch seinen Emotionen auf dem Platz, lauten Selbstanfeuerungsrufen und des Öfteren auch Diskussionen mit Schiedsrichtern ist er einfach ein "Typ". Die Zuschauer auf Court 10 goutierten das auch mit Applaus, so mancher bedankte sich gar mit Standing Ovations. "Ich habe gemerkt, dass die Leute am Schluss sehr auf meiner Seite waren. Das freut mich natürlich", meint Köllerer, der abseits des Platzes so ganz anders ist. Lammfromm und humorvoll, aber doch auch immer wieder aufbrausend, wenn ihn etwas reizt. Der 26-Jährige sagt einfach fast immer, was er sich denkt.

So auch als er im kleinen Journalistenkreis gefragt wurde, was er denn mit den 48.000 US-Dollar Preisgeld machen werde. "Ich war gerade oben und bin ins ATP-Office hineingestürmt und habe um ein Factsheet der US Open gefragt, damit ich sehe, wie viel ich bekomme. Das ist schon ein Haufen Geld für mich. Das mache ich normalerweise in drei oder vier Monaten, da muss ich aber richtig gut spielen und die deutsche und österreichische Liga muss ich auch spielen", sagte er lachend.

Darum wollte er sich auch etwas belohnen. "Ich möchte am Abend zu Gucci einkaufen gehen." Schon vergangene Woche hat er da ein paar Schuhe gesehen. Designerkleidung hat es ihm angetan, leisten kann er es sich aber nur selten. Ob auch für die - bei der Pressekonferenz anwesende - Freundin etwas abfalle? "Na, ein Schlüsselanhänger wird schon drin sein", meint er staubtrocken und hat die Lacher auf seiner Seite. "Nein, für sie wird schon was rausschauen und für meinen Papa und auch für meinen besten Freund - vielleicht nicht von Gucci."

Fernziel mit noch mehr verdientem Preisgeld wäre eine Eigentumswohnung - für ihn. "Das ist der einzige Streitpunkt in unserer Beziehung. Sie will Haus mit Garten, ich eine Wohnung." Elke ist seit zweieinhalb Jahren seine Freundin. "Sie war auch bei den ganzen Downs dabei." Wenig später sah man das gesamte Spektrum des Emotionsmenschen Daniel Köllerer. Als er auf seine heuer verstorbene Mutter angesprochen wird, bricht er in Tränen aus. "Ich habe heute vor dem Match an sie gedacht."

Nach "einem meiner besten Matches überhaupt" wartet nun also Del Potro. Köllerer hatte sich eigentlich Jürgen Melzer als Gegner erhofft. "Natürlich habe ich mir gewünscht, dass Jürgen auch gewinnt und wir dann in der dritten Runde gegeneinander spielen." Nun ist er der letzte Österreicher im Einzelbewerb und das macht ihn "schon auch ein bisserl stolz. Es ist für mich ein Wahnsinnsgefühl, dass ich hier unter den besten 32 stehe."

"Ich möchte gegen Del Potro so spielen wie heute. Aggressiv, gut spielen und Spaß haben. Und vielleicht den einen oder anderen Satz gewinnen. Was jetzt kommt, ist wirklich mehr eine Zugabe von der Draufgabe heute." Nach den Nebenplätzen ist ihm nun ein großer Platz sicher. Gegen Nalbandian, den er heuer in Acapulco geschlagen hat, hat er schon eine große Bühne gehabt - und gegen die damalige Nummer 11 der Welt gewonnen. Vielleicht hat es da zum ersten Mal Klick gemacht bei Köllerer, der zuletzt den Challenger in Trani gewonnen hat. "Ich spiele sehr konstant in den vergangenen eineinhalb Monaten."

Del Potro kennt Köllerer von zwei Begegnungen. 2005 verlor der "Gaucho" als damals 16-Jähriger bei einem Challenger in Buenos Aires trotz einer 5:2-Führung im dritten Satz. Ein Jahr später revanchierte er sich in der dritten US-Open-Qualirunde mit einem glatten Sieg. "Er ist nicht so verrückt. Er macht eine Art Show in seinen Spielen und das hilft ihm, aber ich muss mehr an mein Spiel denken", sagte del Potro über den Welser. "Ich denke, nach der Kritik und der Suspendierung hat er gelernt wie man sich auf dem Court benimmt."

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Weitere Artikel aus Tennis
Köllerer schied aus
INDIAN WELLS. Statt im Achtelfinale fand sich Daniel Köllerer beim ATP-Masters-Turnier in Indian Wells beim Physiotherapeuten wieder. Der Welser zog sich in seinem Zweitrundenmatch beim 3:6 und 0:6 gegen den Ex-French-Open-Sieger Juan-Carlos Ferrero eine ...   mehr mehr
Köllerer nach Zerrung im Oberschenkel out
WELS/INDIAN WELLS. Eine leichte Oberschenkelverletzung zwang Daniel Köllerer zwar nicht zur Aufgabe bei seinem Zweitrunden-Match in Indian Wells (USA), machte den Welser aber gegen den Spanier Juan Carlos Ferrero aber chancenlos.   mehr mehr
Daniel Köllerer ist beim mit 3,645 Mio. US-Dollar dotierten ATP-Masters-1000-Turnier in Indian Wells in der zweiten Runde ausgeschieden.    mehr mehr
Neuen Kommentar schreiben

Betreff / Kommentartitel
Kommentartext:

Sie dürfen noch Zeichen als Text schreiben

  Für nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.

Um sich registrieren zu können müßen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail - Adresse mitteilen.
Gewünschter Benutzername

Gewünschtes Passwort

Wiederholung Passwort

E-Mail

OÖNcard


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 20 + 2? : 


Zuletzt kommentiert    mehr »
  • Bei den Ausländern sparen
    von kleinemaus, 15.03.2010 16:34 Uhr
    würde dem Volke und der Heimat viel bringen. Weg mit den sozialen Trittbrettfahrern und...
  • Muss auch mal gesagt werden
    von mj85, 15.03.2010 16:31 Uhr
    Ich war von 77-85 8 Jahre in Kremsmünster in der Schule und als Vollinterner im Internat. Ich habe...
  • SPÖ-Verluste
    von aloisr50, 15.03.2010 16:21 Uhr
    Das braucht man sich nicht wundern! Die Genossen habe seit Kreisky auf die Arbeiter und...
  • Die Fleißigen ...
    von lituk, 15.03.2010 16:20 Uhr
    ... werden wieder mal abgezockt! Die ÖKO-Steuern sind nur eine Show zur Ablenkung anderer viel...
  • Kein Meinungsträter,
    von thor42, 15.03.2010 16:15 Uhr
    trotzdem habe ich zwei Tageszeitungen, eine Wochenzeitung und eine Monatsinfo aboniert. Was sagen...
  • Die armen Lecher Hotelliers
    von kleinemaus, 15.03.2010 16:15 Uhr
    werden jetzt fest sudern, weil sie für den neuen Mercedes wieder mehr arbeiten müssen. Aber: endlich...
 
 
 
Anzeigen:  Karriere · Immobilien · Motormarkt · Reisemarkt · Servicemarkt · Anzeigen A-Z · Kontakte · Trauer · Glückwünsche · Inserieren