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Riesen-Zirkus um Thiem in Linz

LINZ. Entspannt, gut gelaunt, äußerst nett: Österreichs Tennis-Star muss man einfach mögen.

Riesen-Zirkus um Thiem in Linz

Sportlandesrat Michael Strugl: Ein Selfie mit Dominic Thiem Bild: GEPA pictures

Gestern, 10.20 Uhr, ÖTV-Damenleistungszentrum in der Linzer Wieningerstraße: Ein weißer Kia mit Wiener Neustädter Kennzeichen fährt vor. Es ist der Dienstwagen von Dominic Thiem, dem Weltranglisten-Siebenten, der Österreichs Tennis-Daviscup-Team ab morgen (11 Uhr) auf der UTC-Wels-Anlage gegen Rumänien zum Klassenerhalt in der Europa-Afrika-Zone I führen soll.

Der 24-jährige Lichtenwörther wirkt tiefenentspannt, von der bitteren US-Open-Achtelfinal-Niederlage gegen Juan Martin del Potro erholt. Nichts kann ihn aus der Ruhe bringen – auch wenn medialer Belagerungszustand herrscht.

Kameras, Mikrofone, Aufnahmegeräte, Zettel, Kugelschreiber – all das prallt spurlos vom "Dominator" ab, der eine Engelsgeduld mitbringt. "Du bist so sympathisch und bodenständig. Bleib so", sagt Daviscup-Organisatorin Sandra Reichel und spricht damit vielen aus der Seele.

Autogramm auf den Strampler

Ein Selfie mit Sportlandesrat Michael Strugl, ein Autogramm auf einen Strampler mit dem vorsichtigen und höflichen Nachhaken "Für Matteo – mit h?", ein Feuerwerk von Fragen, von denen keine einzige unbeantwortet bleibt – Thiem muss man einfach mögen.

Sebastian Ofner, seines Zeichens heuer Wimbledon-Drittrundenteilnehmer und Kitzbühel-Finalist, ist auch da. Den 21-jährigen Steirer stört es gar nicht, im Schatten von Dominic zu stehen: "Er ist ja schon ein Großer, ich hoffe, wir können gemeinsam unseren Beitrag zum Daviscup-Erfolg leisten."

Im Gegensatz zu Thiem kennt Ofner Wels, wo er im Vorjahr beim Futureturnier gespielt hat, ganz gut: "Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt." Dominic wird es nicht anders gehen. Er liebt es, zu Hause zu spielen, obwohl er von einem Termin zum nächsten gereicht wird.

"Das gehört einfach dazu. Ich bin gerne daheim. Hier habe ich meine Familie und Freunde, eine gute Luft, gutes Essen und mein eigenes Bett", grinst der Superstar: "Meine Akkus sind aufgeladen, ich habe genug Kraft – auch um Doppel zu spielen." Übrigens sehr gerne mit Philipp Oswald vom TC Kirchdorf. "Er ist der netteste Typ auf der ATP-Tour."

Nummer 1 darf kein Ziel sein

Die von der ehemaligen Klassespielerin Sybille Bammer angeführten Mädchen aus dem oberösterreichischen Tennis-Nachwuchs lauschen andächtig – mit weit aufgerissenen Augen und ein bisschen schüchtern. Sie alle wollen dorthin, wo Dominic schon ist.

Thiem erhebt für sich den Anspruch, noch besser zu werden. Etwa Weltranglistenerster? "Bis auf Murray, Nadal, Federer und Djokovic darf das keiner als Ziel ausgeben. Auf diesem hohen Level fehlt uns allen etwas."

Ratschläge von Jürgen Melzer

Das von Thiem erwähnte Quartett bringt viel Klasse und Routine mit. Das gilt übrigens auch für den ehemaligen Top-10-Spieler Jürgen Melzer, der in Wels als Sparringpartner zur Verfügung steht. Das rechnet ihm Dominic hoch an: "Es freut mich, dass er wieder fit ist. Ich hab nicht so viel Erfahrung mit Heimspielen im Daviscup, Jürgen kann mir definitiv Tipps geben."

Thiem, der mit fünf Schlägern und zwei Paar Schuhen nach Wels gereist ist, verspürt eine gewisse Nervosität: "Es ist mehr Anspannung da, weil man für Österreich spielt." Das Wort Druck will er nicht in den Mund nehmen: "Würde ich zum Beispiel verlieren, kann das Team immer noch gewinnen."

"Nichts ist ausgeschlossen"

Realistisch ist eine Einzel-Niederlage von Thiem gegen die um Position 500 klassierten rumänischen Tennis-Gäste allerdings nicht – schon gar nicht auf Sand, seiner "großen Liebe", oder? "Nichts ist ausgeschlossen." Aus dieser Antwort spricht Respekt.

Dominic muss sich in Linz den Mund wässrig reden, er ist aber alles andere als ein Großmaul ...

 

Erfolgsgeschichte mit einer kleinen "Ton-Störung"

Erfolgsgeschichte mit einer kleinen "Ton-Störung"

Nach 1999 und 2001 ist Wels beim Tennis-Länderspiel zwischen Österreich und Rumänien ab morgen (11 Uhr) zum dritten Mal Davis-Cup-Schauplatz. Bisher sind die rot-weiß-roten Asse in der Messestadt auf der Suche nach dem Heimvorteil stets fündig geworden. Nur eine kleine „Ton-Störung“ trübt die sonst makellose Gastgeber-Rolle von Wels. Ein Rückblick.

2. bis 4. April 1999: Vor dem Davis-Cup-Spiel gegen Portugal gab es damals einen Schlagabtausch zwischen dem Welser Tennis-Manager Peter Michael Reichel und dem oberösterreichischen Verbandspräsidenten Robert Groß um die Rolle des Veranstalters. Schließlich wurde Reichel vom OÖTV und dem Land OÖ ausgebootet. Gespielt wurde in der Bosch-Halle im Messegelände auf Sand. Kurz nach dem blamablen 0:9 der österreichischen Fußballer in Spanien führten der heutige Daviscup-Captain Stefan Koubek und Lokalmatador Markus Hipfl Österreich zum 4:1. Non-Playing-Captain war übrigens der aktuelle Trainer von Dominic Thiem, Günter Bresnik. Das folgende Heimspiel im Herbst gegen Schweden um den Aufstieg in die Weltgruppe durfte dann übrigens Reichel veranstalten. Dieser zeigte seiner Heimatstadt die kalte Schulter und wanderte nach Pörtschach aus. Das ÖTV-Team (mit Hipfl) feierte einen sensationellen 3:2-Erfolg. Am kommenden Wochenende spielen Reichel und der nunmehrige ÖTV-Präsident Groß bei der Organisation ein partnerschaftliches Doppel.

21. bis 23. September 2001: Wie heuer spielte Österreich um den Klassenerhalt in der Europa-Afrika-Zone I . Gegner Ukraine baute in der Boschhalle (dieses Mal spielte man auf einem Hartplatz) auf Weltklasse-Mann Andrej Medwedew, der allerdings schon tennismüde war und mit Jahresende seine Karriere beendete. Wieder waren es Markus Hipfl und Stefan Koubek, die mit ihren Einzel-Siegen Österreich zum 4:1-Sieg verhalfen. Länger in Erinnerung als die sportliche Bilanz blieb eine Panne des Veranstalters. Vor dem Spiel wurde statt der österreichischen die deutsche Hymne abgespielt. Dass das Welser Publikum nachher trotzdem klatschte, machte die Sache noch peinlicher.

Der Davis-Cup in Linz: Neben Wels war auch schon Linz zweimal Ausrichter von Davis-Cup-Spielen. Ein gutes Pflaster war die Landeshauptstadt dabei keines. 1968 setzte es eine 0:5-Niederlage gegen Südafrika. 2007 unterlag man in der Sporthalle einer B-Auswahl von Argentinien 1:4. Ein gewisser Juan Martin del Potro machte dabei gegen Jürgen Melzer den spielentscheidenden Punkt. Der damals 18-jährige Nobody eliminierte heuer bei den US-Open Dominic Thiem und Roger Federer. Erst im Halbfinale war gegen den späteren Sieger Rafael Nadal Endstation.

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Artikel Alexander Zambarloukos 14. September 2017 - 00:04 Uhr
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