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Faszination Marathon als Krimi-Thema

Die Schriftstellerin, die auch läuft: Sabina Naber Bild: Ludwig Schedl

Faszination Marathon als Krimi-Thema

Marathon zu laufen, kann eine mörderische Angelegenheit sein. Im Fall von Sabina Naber keine Selbsterfahrung. Mit „Marathonduell“ hat sie einen Krimi zum Thema geschrieben.

Von Reinhold Gruber, 20. April 2013 - 00:04 Uhr

Im Lauf der 42,195 Kilometer mögen einem viele Gedanken durch den Kopf gehen. Mord ist da gedanklich auszuschließen. Wer sich auf einen Marathon eingelassen hat, kann sich maximal fragen, ob er ein Mörder an der eigenen Person ist. Aber für solche Selbstzweifel ist der Lauf ein schlechter Ort. Energie und Luft setzt man besser ein, um Schritt für Schritt dem Ziel näher zu kommen. Nach dem Lauf ist sowieso alles anders.

Sabina Naber, niederösterreichische Schriftstellerin, kennt das Gefühl der extremen Laufbelastung nur aus Erzählungen. Das Laufen ist ihr zwar nicht fremd, sie hat aber niemals die Genusszone verlassen. „Ich laufe, um mich zu entspannen und kreativ aufzutanken. Ich bin aber kein Wettkampftyp. Für mich ist Laufen immer etwas ganz Privates“, sagt die 47-Jährige, die dennoch ein einziges Mal ihrem Prinzip untreu wurde. Als Schlussläuferin einer Marathon-Staffel erlebte sie ihre persönlichen Grenzen und brauchte dafür lediglich die Distanz von 12 Kilometer.

Den finalen zwölften Kilometer empfand sie so, wie sie sich die letzten beiden Kilometer für einen Marathonläufer vorstellte. „Es war steil. Kieselsteine wirkten wie Felsbrocken. Es war zu viel. Ich bin das nicht gewohnt und mein Körper hat gesagt: Was tust du da mit mir?“ Logischerweise schrie dieses Erlebnis nicht nach Wiederholung. Auch der Ehrgeiz packte sie nicht. Er war chancenlos.

Keine fremde Welt

Doch irgendwie muss die Erfahrung dann doch tiefer gegangen sein, weil sie sich in ihrem Krimi „Marathonduell“ nicht nur die Laufveranstaltung als Kulisse ihrer Geschichte gesucht hat. Das Laufen an sich und das Phänomen Marathon spielen gewichtige Rollen.

Warum? Naber: „In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es einige Marathonläufer, mein jetziger Mann ist schon fünf Marathons gelaufen. Ich kenne die Szene ganz gut, und so war es spannend für mich, herauszufinden, was es ausmacht, dass man zum Marathonläufer wird. Dass man es schafft, über Grenzen zu gehen.“

Letzteres war ihr nicht fremd, weil sie früher einen Hang zu Extremreisen hatte, wie sie es nennt. „Da kommst du in Situationen, in denen du über Grenzen gehen musst, von denen du dir nie gedacht hättest, dass du sie überschreiten wirst, weil du sonst abstürzt, erfrierst, stirbst. Du musst eben manchmal Dinge tun, die du dir vorher nicht vorstellen konntest, dass du sie schaffst.“ So einfach kann das im Leben sein.

Dazu kam, dass Naber Sportkrimis, die den Sport nur als reine Kulisse verwenden, nicht mag. Das liegt in der Natur der Frau, die bereits in jungen Jahren wusste, dass sie schreiben muss. „Ich bin eine, die immer sehr ins Thema hineingeht, und für mich war in diesem Fall das Interessante, mir anzuschauen, was die Philosophie des Laufens ist. Was sind das für Menschen? Was muss ich tun, damit ich 42 Kilometer laufend schaffe?“ Diese Fragen haben sie beschäftigt. Antworten darauf nähert sie sich in „Marathonduell“ an.

Das Interesse an der Psychologie ist groß, mit eine Antriebsfeder für ihr gesamtes schreiberisches Tun. „Ich schreibe, weil mich die Menschen interessieren und ich es spannend finde, wie sie funktionieren. Ich überlege ja auch, was einen Menschen dazu bringt, die Grenze zu überschreiten und zu töten.“

Die Liebe zum Genre Krimi war bei Sabina Naber immer schon da. „Ich bin mit Götter- und Heldensagen aufgewachsen, konnte die griechischen Heldensagen als Kind bereits auswendig.“ Auf direktem Weg kam Agatha Christie ins Spiel, und während andere Mädchen in der Pubertät einschlägige Bücher wie „Hanni & Nanni“ lasen, war die Niederösterreicherin davon ebenso wenig angetan wie von Liebesfilmen. Ihr erstes Erlebnis im Fernsehen war die amerikanische Krimi-Serie „Die Straßen von San Francisco“ mit Karl Malden und dem jungen Michael Douglas. Im Kino war „Der Profi“ mit Jean-Paul Belmondo Pflichtprogramm. Und immer sei sie auch in diesen Momenten an der Psyche der handelnden Personen interessiert gewesen.

„Jede Zeit hat ihre Verbrechen“

Die interessanten Phänomene menschlicher Handlungsweisen, die sie später in den Recherchen für eigene Krimis entdeckte, haben ihr vor Augen geführt, dass sich in einem Krimi „gesellschaftspolitische Themen wunderbar transportieren lassen“. Ihr Urteil: „Jede Gesellschaft, jede Zeit hat ihre eigenen Verbrechen. Definitiv.“

Hat sich also der Krimi als Bühne ihres kreativen Tuns langsam entwickelt, so war relativ früh in ihrem Leben klar, dass sie schreiben will, schreiben muss. Da traf es sich gut, dass ihre Großmutter einen literarischen Kreis in Traismauer, wo sie aufwuchs, ins Leben rief. Das gab der jungen Sabina Naber die Möglichkeit, ihre ersten Gedichte zu veröffentlichen.

Den Eindruck einer Frau, die sehr direkt und geradlinig ihren Weg geht, vermittelt Naber nicht nur heute, sie ließ das auch schon zu Schulzeiten deutlich erkennen. „Ich habe in der 8. Klasse die Hausübungen verweigert“, erzählt sie fast ohne Gemütsregung, nur mit einem leichten Grinsen. Ihr Argument: „Die Themen zur Schularbeit waren fast ident mit jenen der Hausübungen. Ich habe gesagt, dass ich nicht bereit bin, Plagiate von mir selbst herzustellen.“ Die Deutschprofessorin ließ sie gewähren, solange die Schularbeiten „sehr gut“ waren. „Ich habe sehr gut geschrieben, und das war’s.“

Über Liedtexte und Theaterstücke fand Naber zum Journalismus, versuchte sich in Kurzgeschichten und wollte ein Drehbuch schreiben, da Kino immer ihre Leidenschaft war. Geschrieben hat sie es, gelandet ist es in der Schublade des ORF. Mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass sie durch das Drehbuch zur Prosa zurückfand – und dann war „plötzlich die Maria Kouba als Figur“ da, die Kommissarin, die ihren ersten Roman entstehen ließ. „Ich schrieb unter Ausschluss der Öffentlichkeit, habe den Roman nur ein paar Freunde lesen lassen“, erinnert sich Naber. Ermutigt von deren durchaus wohlwollendem Urteil machte sie sich auf die Suche nach einer Öffentlichkeit und fand innerhalb eines halben Jahres einen Verlag. Das sei Glück gewesen, sagt die Geschichtenerzählerin. „Marathonduell“ ist nun ihr bereits siebter Krimi.

Im Genre der Kriminalliteratur fühlt sich Naber sehr wohl. „Der Krimi war von Anfang an eine große Liebe von mir.“ Und was würde sie als ihre Stärke ansehen? Naber: „Man sagt mir nach, dass ich sehr lebendige Dialoge schreibe, die authentisch sind. Das ist sicherlich eine Stärke.“

„Das Unbewusste erzählt“

Die Vielleserin, für die es anfangs unfassbar war, ein eigenes Buch geschrieben zu haben, bezeichnet sich selbst als inspirative Schriftstellerin. Sie recherchiere viel, lasse ein Thema stark an sich heran und dann die Geschichte in ihr arbeiten. Wenn sie dann zu schreiben anfängt, dann geht das von der ersten bis zur letzten Zeile durch. „Das Unbewusste von mir erzählt dann die Geschichte. Dafür muss man aber auch lernen, sich selbst zu vertrauen. Das war am Anfang der größte Kampf, das Denken auszuschalten und ohne Zensur einfach zu schreiben und dann weiterzuschauen.“

Was macht grundsätzlich ein gutes Buch für sie aus? Die Antwort kommt blitzschnell. „Es muss mir Herzklopfen verursachen, muss mich berühren. Das geht nur, wenn die Figuren authentisch und nicht beliebig sind. Die Geschichte muss emotional etwas in mir auslösen, und das hat sehr viel damit zu tun, wie viel sich der Autor traut. Bücher, die oberflächlich bleiben, stammen von Autoren, die nicht selbst in sich hineingehen. Wir finden einen Zugang über unser eigenes Ich. Als guter Autor musst du daher ehrlich zu dir selbst sein. Dann hast du einen Zugang, kannst in die Schuhe eines anderen hineinschlüpfen und diese Figur darstellen. Ich muss mich darauf einlassen können. Das spüre ich auch, wenn ich lese.“

Übrigens: Die Grundidee für ihr „Marathonduell“ lieferte ihr ein Freund. Ein Läufer. Er ist während seines zweiten Halbmarathon-Laufs auf die Idee gekommen, wie man sich bei einem Lauf ein perfektes Alibi verschaffen könnte. Davon hat er Naber erzählt, sie griff die Idee nun auf und hat eine Geschichte rundherum entwickelt. Einen Marathon wird sie dennoch niemals laufen. Sagt sie.

Das Buch

Marathon in Wien. Eine reiche Frau stirbt. Ihr Verlobter scheint verdächtig, hat aber durch die Teilnahme am Lauf ein Alibi. Chefinspektor Katz, selbst ein Läufer, glaubt dem nicht, ermittelt weiter, obwohl dies in den Augen von Gruppeninspektorin Daniela Mayer reine Zeitverschwendung ist. Doch Katz ist das egal und er entdeckt Details, die ihn in ein mörderisches Katz-und-Maus-Spiel verstricken. Denn schon mehrere Frauen im Umfeld des Verdächtigen sind tot.

„Marathonduell“ von Sabina Naber, Krimi, 360 Seiten, Verlag Gmeiner, 12,30 Euro

Der 12. Borealis Linz Donau Marathon ist die zweitgrößte Laufveranstaltung Österreichs. Am 21. April werden mehr als 16.000 Läufer unterwegs sein. Der Viertelmarathon startet um 8.30 Uhr, alle restlichen Laufbewerbe beginnen um 9.30 Uhr auf der Voest-Autobahnbrücke.

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