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"Breaking2" – Nike will im Marathon die Zwei-Stunden-Schallmauer knacken

MONZA. Rekordversuch: Der Sportartikelriese möchte den Weltrekord über die 42,195 Kilometer nicht nur verbessern, sondern in einem generalstabsmäßig geplanten Projekt gleich pulverisieren.

"Breaking2" – Nike will im Marathon die Zwei-Stunden-Schallmauer knacken

Lelisa Desisa, Zersenay Tadese und Eliud Kipchoge (v. li.) soll der Jahrhundert-Lauf gelingen – und das in extra angefertigten Siebenmeilen-Stiefeln von Nike. Bild: Nike

Ist es nur ein Millionen teurer Marketing-Gag oder doch ein Projekt mit bahnbrechendem Erfolg? Der Sportartikelriese Nike arbeitet mit Hochdruck daran, eine der letzten Schallmauern der Leichtathletik zu durchbrechen. Die Zwei-Stunden-Barriere im Marathonlauf soll noch diesen Frühling fallen. Unter dem Namen "Breaking2" läuft ein ehrgeiziges und heiß diskutiertes Projekt.

Seit 2014 liegt der Weltrekord bei 2:02:57, aufgestellt vom Kenianer Dennis Kimetto in Berlin. Dass der bei Konkurrent adidas unter Vertrag steht, ärgert Nike zwar, soll aber nicht der Hauptgrund für das tollkühne Unterfangen sein. Auch als Werbemaßnahme für das neue Schuhmodell "Zoom Vaporfly Elite" will es nicht verstanden werden. Die US-Amerikaner vergleichen das Vorhaben lieber mit der "Traummeile" von Sir Roger Bannister im Jahr 1954. Der britische Student lief als erster Mensch die Meile, also 1609 Meter, unter vier Minuten. Eine Marke, die als unüberwindbar galt. Er löste damit eine Hemmschwelle. Binnen eines Jahres gelang es 24 weiteren Läufern, diese Leistung zu erbringen. Auf selbiges hofft nun Nike.

Das Marathon-Rekordprojekt wird mit einem Team von Wissenschaftern seit Monaten generalstabsmäßig geplant, Schauplatz des Rekordversuchs wird die Formel-1-Strecke in Monza sein. Olympiasieger Eliud Kipchoge aus Kenia, Halbmarathon-Weltrekordler Zersenay Tadese (Eritrea) und Lelisa Desisa aus Äthiopien formen das Nike-Trio. Um unter zwei Stunden zu bleiben, müsste ein Schnitt von 2:50,64 Minuten pro Kilometer gelaufen werden. Viel Holz.

Noch steht der genaue Termin nicht fest. Aber weil es nicht zu heiß sein darf, müsste es wohl spätestens im Mai passieren. Am 7. März fand ein erster Test über die halbe Distanz statt. Kipchoge kam damals in 59:17 Minuten ins Ziel und ließ danach wissen. "Ich war nur bei 60 Prozent." Klingt gut.

Marathon-Weltrekord

2:02,57 Stunden: diese Marke des Kenianers Dennis Kipruto Kimetto, gelaufen am 28. September 2014 in Berlin ist bis dato die schnellste bisher gelaufene Zeit über die Marathondistanz.

  • 2:03,23: Wilson Kipsang (Ken) in Berlin (29.9.2013)
  • 2:03,38: Patrick Makau (Ken) in Berlin (25.9.2011)
  • 2:03,59: Haile Gebrselassie (Eth) in Berlin (28.9.2008)
  • 2:04,26: Haile Gebrselassie (Eth in Berlin (30.9.2007)

 

3 Fragen an Laufexperte Günther Weidlinger

Österreichs Rekordhalter über die Marathondistanz sieht das Nike-Projekt als Bereicherung für den Laufsport. Ob es den angepeilten Erfolg bringt, darüber ist er im OÖN-Gespräch skeptisch.

Was halten Sie von der Laufinitiative, mit der Nike den Weltrekord im Marathon unter zwei Stunden drücken will?

Grundsätzlich kommt durch so ein groß angedachtes Projekt viel Bewegung in unseren Sport. Es wird in die Forschung investiert, noch nie wurde der Marathon so genau durchleuchtet. Für die Firma hat es auch einen guten Werbeeffekt. Ob es aber wirklich gelingt, diese Schallmauer zu durchbrechen, ist fraglich.

Wieso glauben Sie, dass es schwierig wird, die zwei Stunden zu unterbieten?

Der Halbmarathon-Weltrekord liegt momentan bei 58:23 Minuten. Diese Zeit auf die doppelte Distanz zu laufen ist derzeit einfach nicht realistisch. Die Weltbestzeit wird sekundenweise sicher verbessert werden. Aber hier spricht man von Welten.

Könnte es aber sein, dass diese Fabelzeit in ferner Zukunft einmal gelaufen wird?

Sag niemals nie. Wer hätte vor 15 Jahren geglaubt, dass so ein Mann wie Usain Bolt daherkommt. Oder der 400-Meter-Rekord von Michael Johnson. Galt als unantastbar, im Vorjahr bei den Olympischen Spielen wurde er von Wayde van Niekerk unterboten.

 

Linz plant Rekordlauf

2:07,33 Stunden – die Bestmarke des Ukrainers Olexander Kusin hat zehn Jahre Bestand. Klar, dass die Macher des 16. Oberbank Linz Donau Marathons am 9. April Lust auf eine neue Zeitrechnung haben. Der Rekord soll purzeln. Der für die Athleten-Verpflichtung zuständige Ex-Weltklasse-Mann Günther Weidlinger hat bereits einige Asse gewinnen können. Zum Beispiel den Äthiopier Teshome Birhanu Bemisie, der eine Zeit deutlich unter 2:09 Stunden anpeilt. Mit seinen erst 21 Jahren ist der Afrikaner ein Versprechen für die Zukunft.

Anthony Maritim kommt, um seinen Sieg aus dem Jahr 2015 (2:09,39 Stunden) zu wiederholen. „Ich fühle mich sehr wohl in Linz und kenne die Strecke. Ich weiß, dass ich noch schneller laufen kann“, sagte der Kenianer.

Hoch hinaus will auch Landsmann Emmanuel Oliaulo (2:10,46), der in Oberösterreich das Limit für die WM in London zu knacken versucht.

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Artikel Dominik Feischl 21. März 2017 - 00:04 Uhr
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